04.02.2004 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Ausbildungsplatz Wald: Forstwirte sind auch im Winter im Einsatz - Theorie und Praxis: Die Motorsäge im Kofferraum

Holzhauer war früher ein Trendberuf. In Wildstein (Gemeinde Teunz) übten über die Hälfte der Männer diesen Beruf aus. So auch der Opa von Michael Meindl. Doch die Zeiten haben sich geändert: Neben Michael beenden heuer in ganz Bayern nur 51 Jugendliche ihre Ausbildung zum Forstwirt.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Früher Holzhauer, dann Waldfacharbeiter und jetzt Forstwirt. Nicht nur die Berufsbezeichnung änderte sich im Laufe der Jahre. "Wir legen nun auch Wert auf Naturschutz und Landschaftspflege", sagt Ausbilder Michael Haberl.

Technik in der Werkstatt

Michael Meindl (19) aus Wildstein und Robert Frischholz (18) aus Lampenricht werden im bayerischen Staatsforst beim Forstamt Tännesberg ausgebildet. Was gefällt den Jugendlichen an ihrem Beruf? "Die Beschäftigung mit Holz und die Arbeit in der freien Natur", sagt Michael spontan. Wichtig ist eine handwerkliche Begabung, körperliche Fitness und gutes Reaktionsvermögen. "Man gewöhnt sich schnell an die gefährliche Arbeit", betonen sie und zählen ihre Sicherheitskleidung auf: "Helm, Gehörschutz, Schutzbrille, Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe, Arbeitsjacke mit Signalfarben und Handschuhe".

Wenn im Winter die Wälder verschneit sind und die Forstwirte pausieren, arbeiten die zwei Lehrlinge in einer kleinen Werkstatt in Kühried. Hier steht dann die Forsttechnik im Vordergrund: Motorsägen werden komplett zerlegt und wieder zusammengebaut. Wenn sie ausgelernt haben, müssen sie sich ihr eigenes Werkzeug (Motorsäge, Axt, Keil) anschaffen. Wer die Reparaturen dann selber vornehmen kann, spart sich natürlich viel Geld.

Im Winter ist auch Zeit für die Berufsbildposition "Be- und Verarbeiten von Holz". Hier werden beispielsweise Jagdkanzeln und gelegentlich Fledermauskästen und Entenhäuschen gebaut. Michael hat seine Motorsäge deshalb immer im Auto dabei: das Werkzeug teilt sich die Hälfte des Kofferraums mit einem Subwoofer (Bassverstärker).

Forstwirtschaftsmeister Haberl bemüht sich, die Wintertage an der Werkbank abwechslungsreich zu gestalten. Trotz warmen Holzofen sind sich die beiden Lehrlinge aber einig: "Draußen im Wald ist es viel schöner!". Doch sie dürfen schließlich auch nicht in der Werkstatt "überwintern". Denn entgegen früherer Zeiten "stempeln" die Forstwirte im Staatswald den Winter nicht mehr durch. Wenn es die Schneelage zulässt, geht der Holzeinschlag in den Wäldern weiter und die Azubis sind bei der "Rotte", so nennt man eine Einsatzgruppe, dabei.

Sauber und schnell

Im ersten Lehrjahr wird das Fällen der Bäume gelernt, im zweiten geht es um sauberen Schnitt und Vorschriften. Im dritten Ausbildungsjahr wird auf Geschwindigkeit Wert gelegt, um später beim Stücklohn das Soll erreichen zu können. Liegende Stämme werden entastet, vermessen und zu verkaufsfähigen Sortimenten eingeschnitten. Neben der Holzernte muss ein Forstwirt noch viele weitere Aufgaben beherrschen: Pflanzen und Säen von Bäumen sowie Schützen und Pflegen des Bestandes. Unter Naturschutz fällt die Pflege von Wassertümpeln im Wald durch regelmäßiges Freischneiden oder das Anlegen von Waldrändern mit jungen Büschen und Bäumen.

Dienstleistungsunternehmen mit Holzerntemaschinen übernehmen mittlerweile einen Teil der Arbeit und auch durch Mittelkürzungen gibt es in der Forstwirtschaft immer weniger Ausbildungsplätze. Still wird es nächsten Winter in der Werkstatt von Personalratsvorsitzendem Robert Hechtl in Kühried sein: Im Bereich der umliegenden Forstämter werden 2004 keine neuen Lehrlinge eingestellt.

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