27.06.2019 - 11:00 Uhr
Oberpfalz

Zurück zu den Wurzeln

Der Anbau von Obst, Kräutern und Gemüse in Städten und ihrer nächsten Umgebung ist als "Urban Gardening" globaler Trend. Auch zwischen Schwandorf und Tirschenreuth ist die Saat auf fruchtbaren Boden gefallen.

Im städtischer Garten an der Stadtmauer in Weiden darf man ernten, was die Stadtgärtnerei gepflanzt hat.
von mvsProfil

Schwandorf:

Am Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasium an der Kreuzbergallee entsteht aktuell ein hocheffizientes, digital steuerbares Gewächshaus - eine Kooperation im Rahmen der Bund-Länder-Initiative "Leistung macht Schule" mit dem Landmaschinenhersteller Horsch. Ziel: Einflussfaktoren auf die Kultivierung und das Wachstum von Nutzpflanzen sollen fächerübergreifend erforscht werden. Stand: Der Spatenstich heuer Mitte Mai legte die Saat für das auf zehn Jahre angelegte Projekt.

Tirschenreuth:

"Ich denke ,Urban Gardening' ist ein Trend für die Großstadt - bei uns hat ja fast jeder einen eigenen Garten daheim", überlegt Andreas Ockl, Leiter des Stadtbauamtes in Tirschenreuth. Wenn auch nicht unter dem Titel und nicht städtisch organisiert, gemeinschaftliches Garteln ist auch in Tirschenreuth präsent: "In unseren Schrebergärten wird freilich angebaut und viele sind Mitglied im Obst- und Gartenbauverein."

Von dessen Engagement profitieren die Jüngsten der Stadt, die den katholischen Kindergarten "Unsere Liebe Frau" besuchen: "Ende September, Anfang Oktober sind wir mit unseren Kindern zu Gast bei Gabriele Laubert. Die Kleineren dürfen mit Äpfel sammeln und die Vorschulkinder gehen mit zum Pressen - manchmal dürfen auch alle, je nachdem wie die Ernte ausfällt", erzählt Leiterin Monika Zeitler.

Heuer biegen sich die Bäume wieder unter der Obstlast, genau wie 2018. "Letztes Jahr haben wir 700 Liter gepresst. Sie lagern in Beuteln im kühlen Keller und reichen uns fürs ganze Jahr - auch weil der Saft so stark ist, dass wir ihn nur stark verdünnt trinken." Ein Hochbeet und ein Naschgarten sind weitere kleine Schritte in Richtung "Urban Gardening".

Weiden:

Der "Interkulturelle Garten", 2007 begonnen, ist auf gut 5000 gepachteten Quadratmetern verwurzelt: Bürger verschiedener Nationen bauen Obst und Gemüse an. In eigenen Parzellen und auf gemeinschaftlichen Flächen, inklusive eigener Bienenvölker.

Einen anderen Ansatz verfolgt der Stadtgarten an der Stadtmauer seit 2018: In aktuell acht Hochbeeten pflanzt die Stadtgärtnerei Gemüse für die Allgemeinheit. Gärtnermeister Thomas Huber: "Wasser pumpen wir aus dem Bach in einen 1000 Liter Eimer, unsere Mitbürger gießen dann, jäten Unkraut und ernten. Wir schauen einmal in der Woche, ob alles passt, pflanzen nach und stellen auch mal ein Schild auf, zum Beispiel, dass der Kohlrabi noch etwas Zeit braucht."

Das Angebot werde sehr positiv aufgenommen, Vandalismus gebe es kaum. Huber: "Ich höre oft: Es is schej zouzumseng wia's wachst." Vom ursprünglichen Plan, dass auch alle pflanzen dürfen, ist man abgerückt: "Damit der Boden nicht einseitig ausgelaugt wird, muss schon ein Plan dahinter sein." Schulgärten bekommen von der Stadtgärtnerei Hilfe zur Selbsthilfe, zum Beispiel Hochbeete und Wege, Pflaster oder Bienenhäuser.

Amberg:

Das P-Seminar des Amberger Erasmus-Gymnasium hat einen öffentlichen Garten eingerichtet, Hochbeete aus Paletten stehen schon. Der Fortschritt wird auf Instagram unter "urbangardening_amberg" dokumentiert. Wer die Schüler unterstützen will, kann Setzlinge spenden. Oder beim Fotowettbewerb der Sparkasse für dieses oder ein anders Projekt bis einschließlich Sonntag, 30. Juni, abstimmen (www.spkas.fotowettbewerb.de).

Fazit:Zwar ist (noch?) keine Oberpfälzer Stadt als offiziell "essbar" gelistet, wie zum Beispiel Schwabach und Nürnberg in Franken, und im Land der Kartoffeln wird auch noch nicht auf Hausdächern und vertikal gegärtnert. Dennoch ist der Trend "zurück zu den Wurzeln" längst präsent: Vielfältig spitzen Ideen und Projekte aus dem Boden, wie der Anbau und Ernte von Lebensmitteln auf städtischem Pflaster funktionieren kann. (mvs)

Wasser, Weite, Nektar: Der Fischhof in Tirschenreuths Herz ist eine erholsame Oase und Beispiel gelungener Stadtplanung mit viel Grün. Und allen anderen Farben der Natur.
Fleißige Erntehelfer des katholischen Kindergartens "Unsere Liebe Frau" in Tirschenreuth sammeln Streuobst und genießen...
... die süße Frucht der Belohnung: Apfelsaft frisch aus der Presse. Stolze 700 Liter waren es 2018.
Symbolischer Spatenstich für ein autonomes Gewächshaus am Schwandorfer Gauss-Gymnasium: Cornelia Horsch (Sechste von rechts) und Schulleiter Johannes Werner (Vierter von rechts) zusammen mit Kollegen, Schülern und Auszubildenden.
Ein paar Schubkarrenreifenumdrehungen von der OTH Amberg entfernt entsteht ein Stadtgarten. Schüler des Erasmus-Gymnasiums, Bauamt und Betriebshof laden Bürger zum Mitgestalten ein.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.