Heinz-Sielmann-Stiftung legt Waldmantel für die Artenvielfalt an

Es ist rührt sich was am Waldrand oberhalb von Zilchenricht. Die "Schlaufüchse" vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) helfen beim Anlegen eines Waldmantels mit. Das und noch mehr ist Teil eines Projektes der Heinz-Sielmann Stiftung.

Die Jugendgruppe des LBV ist motiviert. Die Erwachsenen sind als Handlanger dabei.
von Irma Held Kontakt Profil

Die Kindergruppe des LBV im Kreis Schwandorf setzt wilde Johannisbeeren, Schlehen, Liguster und Haselnuss in die Erde. Der Waldmantel sei ein wichtiger Lebensraum für Tiere, erklärt derweil Bernhard Gohlke, Projektmanager der seit rund eineinhalb Jahren in Schwandorf ansässigen und über den Landkreis hinaus tätigen Heinz-Sielmann-Stiftung. Ziel dieses Engagements ist es, durch eine Art Trittsteine einen Biotopverbund-Nordostbayern zu schaffen.

Einer dieser Trittsteine ist die Maßnahme südlich des Schwarzenfelder Ortsteils Zilchenricht. Bernhard Gohlke ist mit Paul und Regine Baumann auf Wald- und Grundbesitzer getroffen, die im LBV aktiv und passionierte Naturschützer sind. Diesen beiden Initiatoren und der Heinz-Sielmann-Stiftung steht der Zilchenrichter Landwirt Hans Scheuerer tatkräftig zur Seite. Er hat das mit Ampfer bewachsene Grundstück für den Umbau mit Waldmantel und Streuobstwiese aufbereitet. Er wird weiterhin ein pflegerisches Auge auf das entstehende Biotop werfen. Das leidige Springkraut auf dieser Fläche haben die "Schlaufüchse" entfernt.

Alte Obstsorten

Regine Baumann ist es ein Anliegen, hier ein Biotop zu schaffen, deshalb werden nur alte Apfel- und Birnensorten, aber auch Gröicherl (wilde Zwetschge), Vogel- oder Elsbeere gepflanzt. Als einziger "Exot" kommt eine Edelkastanie dazu. Bernhard Gohlke sieht angesichts des Klimawandels darin einen Baum der Zukunft.

Doch die Maßnahme zieht sich auch in den Wald hinein, den Hang hoch. Eine Quelle wird revitalisiert. Die Arbeiten dazu beginnen in den nächsten Wochen. Landschaftsarchitekt Gohlke erklärt anhand der Topografie, dass hier immer ein Wasserlauf war. "In den letzten 20 oder 30 Jahren kümmerte sich keiner mehr darum." Zum Teil ist das winzige Fließgewässer versiegt, zum Teil verrohrt. Die Rohre kommen raus, der Lauf wird aufgemacht. Konkret heißt das auch, Austrittsflächen des Wassers von Fichtenwuchs zu befreien.

Wassermulden für Amphibien

Das seltene Lebermoos ist ein Hinweis auf dauerhaftes, sauberes Oberflächenwasser.

Die Sohle des Quellbetts wird naturnah gestaltet. Mulden zum Beispiel böten dann Lebensraum für viele Tierarten, vor allem Amphibien. Bernhard Gohlke möchte Unken wieder ansiedeln. "Heckengehölze sind für den Neuntöter lebenswichtig", erklärt Bernhard Gohlke. Der Neuntöter ist ein Vogel, der seine Beutetiere (Insekten) auf Dornen aufspießt.

Regine Baumann will außerdem einen Lebensraum für Eidechsen und ein Insektenhotel schaffen. Eine Unkenansiedlung, besonders der Gelbbauchunke, strebt Bernhard Gohlke auch im Kötschdorfer Moor bei Wernberg-Köblitz an. Dieses Projekt steht im nächsten Frühjahr auf der Agenda. Von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt habe er bereits grünes Licht. "Vom Ursprung her ist das Unkengebiet". Damit meint er auch das Zilchenrichter Quellgebiet.

Hier, verspricht er, werde bereits im kommenden Jahr die Renaturierung deutlich sichtbar. Insgesamt ist der Projektmanager sehr angetan von der Resonanz auf die Tätigkeit der Heinz-Sielmann-Stiftung und auch der Zusammenarbeit mit dem LBV beispielsweise oder dem Naturpark Oberpfälzer Wald. Als große Maßnahme, die in die Millionen gehen werde, nennt er den Ausbau des Sulzbaches. Nicht auf die lange Bank geschoben wird die Aufwertung des Schwarzenfelder Kirchgartens, vielleicht sogar mit einer Art grünem Klassenzimmer oder Rastplatz. Auch Unternehmen würden mit Ideen bei der Heinz-Sielmann-Stiftung vorstellig. Lammsbräu in Neumarkt zähle dazu, aber auch die Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld mit einem Maßnahme im Landkreis Cham. Infos zur Heinz-Sielmann-Stiftung: www.sielmann-stiftung.de

Der Start der Sielmann-Stiftung

Schwandorf
Bernhard Gohlke deutet auf einen Quellaustritt hin. Der gesamte Wasserlauf wird aber verbessert.

Informationen zur Heinz-Sielmann-Stiftung

Vom Ursprung her ist das Unkengebiet.

Bernhard Gohlke, Projektmanager Heinz-Sielmann-Stiftung

Bernhard Gohlke, Projektmanager Heinz-Sielmann-Stiftung

Ich möchte hier ein Biotop schaffen.

Regine Baumann, Grundstücksbesitzerin

Regine Baumann, Grundstücksbesitzerin

Weitere Projekte:

Planung bis 2023

  • Renaturierung und ökologischer Ausbau des Sulzbaches (Markt Bruck)
  • Revitalisierung des Kötschdorfer Moores bei Wernberg-Köblitz
  • Magerstandort und Biotopschutz an der Schwarzach in Schwarzhofen
  • Ökologische Aufwertung eines innerstädtischen Grünzuges der Stadt Oberviechtach
  • Streuobstwiese in Neukirchen-Balbini
  • Blühwiese und Schaffen eines intakten Waldmantels bei Sollbach (Markt Bruck)
  • Gestaltung des Kirchengartens in Schwarzenfeld

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