04.07.2021 - 13:17 Uhr
WinklarnOberpfalz

Katalog, Video und Ausstellung: Katharina Gierlach startet neu durch

Die Corona-Pandemie hat die Kunstszene arg gebeutelt. Die Winklarner Malerin Katharina Gierlach startet im "Kultursommer 2021", gefördert vom Bundes-Rettungsprogramm, wieder durch. Im Kölner Atelier setzt sie jetzt andere Schwerpunkte.

Hochkonzentriert setzt Katharina Gierlach in ihrem Kölner Atelier die reliefartigen Pinselstriche für ihre großformatige Seerosen-Serie.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Seit 15 Monaten kämpft die Kunst- und Kulturszene ums Überleben. Und viele Bürger hungern nach neuem Stoff zum Träumen. Jetzt, da die Pandemie scheinbar eine Atempause einlegt, wagt auch die Davis-Klemm-Gallery in Wiesbaden, welche die Künstlerin Katharina Gierlach seit über einem Jahrzehnt vertritt, einen Neubeginn: Seit Mitte Mai ist mit individuellen Besuchsterminen wieder geöffnet. Dazu laufen neue Projekte: Galeristin Erika Davis Klemm hatte sich für das Rettungs- und Zukunftsprogramm der Bundesregierung "Neustart Kultur" beworben, um ihre Künstler besser präsentieren zu können. Vom Zuschlag profitieren jetzt auch Katharina Gierlach und Konrad Winter. Unterstützt durch die Förderung ist ein neuer Katalog zu den Arbeiten aus den letzten Jahren entstanden sowie jeweils ein Film-Porträt. Die gemeinsame Ausstellung mit dem Titel "Zweimal Malerei" ist vom 18. Juni bis 28. August 2021 zu sehen.

"Ich hatte Glück", gesteht Katharina Gierlach im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, als sie auf die Anfänge der Corona-Pandemie zurückblickt. Denn im Januar 2020 lief eine Ausstellung in der Wiesbadener Galerie an und im Februar stellte sie noch auf der Karlsruher Messe aus. Danach war es auch vorbei mit dem pulsierenden Leben in den Straßencafés auf dem Weg zur Arbeit. "Das drückt schon auf die Stimmung", bekennt Gierlach. Sie lebt seit 2017 in Köln und teilt sich mit anderen Künstlern ein Atelier in einem Kölner Kulturzentrum. Dort war dann schon mal "Malen mit Maske" angesagt, doch meistens war sie alleine. "Wir hatten zwar viel Ruhe zum Arbeiten, aber es wurden auch alle Ausstellungen immer wieder verschoben", so die 38-Jährige. Sie freut sich, dass im Herbst 2020 die Ausstellung im Winklarner Thammer-Haus mit Hygienekonzept stattfinden konnte. Für 2022 sei eine Neuauflage im Gespräch.

Keine Lust mehr auf Fußball

Die Pandemie brachte 2021 auch eine thematische Veränderung mit sich. Die Motive ihrer meist großformatigen Bilder waren bisher Naturansichten oder Menschenmengen in Fußballstadien. Im Vorjahr erschien der Online-Katalog "Katharina Gierlach: 1. FC Köln - die Heimspiele 2019/2020" im Verlag der Galerie. Dazu hielt die Künstlerin jedes Heimspiel live im Bild fest. "Die letzten vier waren Geisterspiele, die vor dem Fernseher entstanden sind", berichtet sie. Es könnten die letzten gewesen sein: "Trotz Europameisterschaft kann ich gerade kein Fußballbild malen." Denn so wie sich der Profifußball während der Pandemie präsentiert, das rege sie eher auf, "und da möchte ich mich nicht fünf Tage lang je zehn Stunden für ein Bild damit beschäftigen". Und sie wird noch deutlicher: "Ich dachte immer, Fußball wäre etwas total Verbindendes und die Fans spielen eine große Rolle. Doch sie sind nur Staffage."

Ihr Fokus liegt jetzt auf der Natur: "Natur ist Lebensraum und ästhetisch wunderschön." Aktuell hat sie zwei Monate für ein sehr filigranes Herbstwald-Motiv (3 mal 1,50 Meter) angesetzt. Bei ihrem nächsten Projekt will sie seltene Pflanzen im Raum Winklarn in Serie im Bild festhalten. Anfang Juni war sie dafür mit Markus Kurz vom Verein Naturpark Oberpfälzer Wald, mit Arnold Kimmerl vom Bund Naturschutz und mit Werner Schuler, Ehrenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz mit der Kamera unterwegs (Fotos bilden die Vorlage für ihre Bilder). "Es sollen deutlich überlebensgroße Pflanzen-Porträts entstehen", verspricht Gierlach und schwärmt: "Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich den Eindruck, dass die Natur total verschwenderisch ist. Alles ist im Überfluss da." Dieses intensive Erleben wolle sie "dick auftragen" und in strahlende Farben übersetzen. "Farbe ist für Künstler das, was für Musiker der Klang ist", stellt sie fest. Die Farbe werde zum haptischen Medium.

Durch ihren unverwechselbaren Stil, den pastosen Farbauftrag, gewinnen die Gemälde einen strukturale Ausstrahlung. Im Videofilm taucht sie den Pinsel tief in den Eimer mit weißer Ölfarbe und setzt erste Reliefs auf die Leinwand. Die Zuschauer erhalten einen Einblick, wie nach und nach unterschiedlich grüne Blätter mit geradezu explodierenden Blüten entstehen. Bei ihrer Seerosen-Serie spielen die leuchtenden Farben eine Hauptrolle. Denn im Gegensatz zu Monet arbeitet sie mit einem viel dickeren Farbauftrag.

Ohne Kontakte kein Verkauf

Für viele Künstler wurde die Freiberuflichkeit in der Coronakrise zum Existenzkampf. Die Umsatzeinbußen bekam auch Katharina Gierlach zu spüren: "Keine Ausstellung bedeutet auch keine zufälligen Kontakte." Doch sie ergänzt: "Einige Sammler haben trotzdem etwas gekauft." Diese lieben so wie sie die "butterige Konsistenz" der dick aufgetragenen Ölfarbe, die oft plastisch aus dem Werk hinaus in den Raum greift. Die Ausstellung "Zweimal Malerei", welche Mitte Juni mit der Filmpräsentation in der Wiesbadener Galerie (auf der Webseite abrufbar) startete, birgt für die Wahl-Kölnerin noch ein weiteres "einmaliges Erleben": Sie hat mit Künstlerkollegen Konrad Winter zwei Fotos als Skizzengrundlage getauscht. Trotz gleichem Motiv sind zwei völlig unterschiedliche Bilder entstanden. Denn während Katharina Gierlach eher klassisch mit "Öl auf Leinwand" arbeitet, ist dies bei Winter "Autolack auf Aluminiumplatte".

Die enge Verbindung zur Heimat ist für die 38-Jährige wichtig. Zusammen mit ihren Eltern Anne und Paul Gierlach freute sie sich über das Eintreffen der Kataloge in Winklarn. Inmitten der Naturbilder (2015 bis 2021) sind auch die Päonien aus Mamas Garten verewigt. Mitte Juli ist die Künstlerin für einen Mal-Workshop an der Mittelschule Neunburg wieder in der Oberpfalz. Die beliebte Kinder-Ferienmalaktion der Freunde der Kunst in Oberviechtach muss leider aus Hygieneschutzgründen auch heuer entfallen. Doch jetzt freut sich Katharina Gierlach erst mal darüber, dass die bildende Kunst wieder live für das Publikum erlebbar ist und die Präsentation ihrer Ausstellung mit viel Lob begleitet wurde. Außerdem sind die Cafés auf dem Weg ins Atelier wieder voll, so dass nicht nur die Bilder vor Leben sprühen. Weitere Bilder: www.onetz.de/

Näheres zu Künstlerin Katharina Gierlach aus Winklarn

Winklarn

Das Video der Davis-Klemm-Gallery über Katharina Gierlach

Das Porträt über Katharina Gierlach

"Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich den Eindruck, dass die Natur total verschwenderisch ist."

Katharina Gierlach

Katharina Gierlach

Hintergrund:

Förderprogramm "Neustart Kultur": Katharina Gierlachs Galerie erhält Zuschlag

  • Zwei Milliarden für die Kultur: Im Sommer 2020 hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien das Rettungs- und Zukunftsprogramm "Neustart Kultur" für Kunst, Kultur und Medien aufgelegt. Nachdem Anfang des Jahres 2021 bereits ein großer Teil der Mittel in Höhe von einer Milliarde Euro verplant war, hat die Bundesregierung im Februar eine weitere Milliarde zur Verfügung gestellt.
  • Die Ausstellung "Zweimal Malerei" mit Arbeiten von Katharina Gierlach (Öl auf Leinwand aus den Jahren 2015 bis 2021) sowie von Konrad Winter (Autolack auf Aluminiumplatte) ist vom 18. Juni bis 28. August 2021 in der Davis-Klemm-Gallery in Wiesbaden (Steinern-Kreuz-Weg 22) zu sehen.
  • Dazu gibt es jeweils einen neuen Katalog der beiden Künstler sowie ein Video-Porträt (https://vimeo.com/564346745).
  • Vita: Katharina Gierlach wurde 1983 in Würzburg geboren und wuchs in Winklarn auf. 2004 bis 2010 Studium der Freien Malerei und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. 2011 Ernennung zur Meisterschülerin von Professor Ottmar Hörl. Es folgten zwei internationale Stipendien, zahlreiche Ausstellungen und Publikationen.

 

 

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