08.08.2019 - 12:31 Uhr
WinklarnOberpfalz

Baustellenkonzert in Winklarn weckt Begeisterung für klassische Musik

Als "festlich und rasant" ist die Musik angekündigt, die zum Auftakt der Baustellenkonzerte am ehemaligen Thammer-Anwesen erklingt. Dem Publikum wird eine Stunde erlesener Kunstgenuss geboten, die viel zu schnell vergeht.

von Johanna BaierProfil

Bereits beim Stehempfang zur angekündigten Konzertreihe "Klassik auf dem Lande" war der Andrang an Musikliebhabern enorm. Die Idee dafür hatten Bürgermeisterin Sonja Meier und die gebürtige Winklarnerin Sissy Thammer geboren. Beim Veranstaltungsort, das sich in Gemeindebesitz befindet und aktuell saniert wird, handelt es sich um Thammers Elternhaus. Sie selbst ist schon lange in Bayreuth ansässig und dort seit 1986 als geschäftsführende Intendantin des Festivals junger Künstler tätig.

Zum Auftakt war am Dienstag das Turkmenische Kammerorchester unter der Leitung von Rasul Klychev angereist. Doch unter freiem Himmel am Marktplatz konnte das Gastspiel nicht stattfinden. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit, die den Instrumenten hätte schaden können, wurde das Konzert in die Pfarrkirche verlegt. Gut 400 Personen füllten das Gotteshaus, als Sissy Thammer in ihrer Begrüßung die Bezeichnung „Baustellenkonzert" erläuterte. Der Begriff werde natürlich der momentanen Bauphase gerecht, doch bedeute "Baustelle“ im Übertragenen auch "Neues" und "Weiterentwicklung". Und genau das solle in Winklarn passieren: Das fertige Thammerhaus soll dazu beitragen, Heimatbewusstsein bei nachfolgenden Generationen zu entwickeln.

Das fertige Thammerhaus soll dazu beitragen, Heimatbewusstsein bei nachfolgenden Generationen zu entwickeln.

Sissy Thammer, Initiatorin der Konzertreihe "Klassik auf dem Lande"

Beschwingt rhythmisch eröffnete das Kammerorchester das Konzert mit einer Streicherserenade von Tschaikowski. Dirigent Rasul Klychev und sein Orchester nahmen die Zuhörer auf eine farbenfreudige und außergewöhnliche Musikreise mit. Auf dem Programm standen unter anderem Werke von Spohr, Piazzolla, Marchesi und Bartók. Auch traditionelle turkmenische Musik, gespielt auf nationalen Instrumenten, wurde präsentiert. Ebenso kamen Solisten auf Violine, Klarinette und mit Sopran-Gesang zum Einsatz. Im Publikum brandete tosender Beifall auf, und die Zuhörer erhoben sich von ihren Plätzen – Beweis dafür, dass alle Erwartungen mehr als erfüllt worden waren. Nach einer Zugabe, die ebenso virtuos präsentiert wurde, ließen Gäste und Künstler den Konzertabend am Marktplatz bei einem Plausch und Getränken ausklingen.

„Der Markt Winklarn ist mit der Sanierung des Thammer-Anwesens neue Wege gegangen“, hatte Bürgermeisterin Sonja Meier bei ihrer Begrüßung erläutert. Leerstand und Abriss sollten vermieden, dafür Altbewährtes und Geschätztes erhalten werden. Sie dankte für die Unterstützung beim Projekt „Sanierung“, insbesondere Johannes Thammer, der den Besitzwechsel des Anwesens auf den Weg gebracht habe. Abschließend wünschte sich die Bürgermeisterin, dass von diesem Projekt „Signalwirkung“ ausgeht und auch andere Hauseigentümer motiviert, etwas zu tun.

„Die bisher geflossenen Fördergelder in Höhe von 820 000 Euro sind in diesem Projekt gut angelegt“ lobte Regierungspräsident Axel Bartelt den Baufortschritt beim Thammer-Anwesen. Ihn hatte Bürgermeisterin Sonja Meier als "treuen Verfechter und Unterstützer der Sanierung" begrüßt. Bartelt signalisierte, dass für das Vorhaben nochmals Gelder in gleicher Höhe fließen werden. Er schilderte, wie er vor zwei Jahren von Bürgermeisterin Meier für dieses Projekt gewonnen wurde. Schon heute freue er sich auf das große Fest zum Abschluss dieser Maßnahme. Begeistert zeigte sich der Regierungspräsident vom Marktplatz, den er als "Juwel" bezeichnete.

Axel Bartelt würdigte auch Sissy Thammer für ihr musikalisches Engagement in Winklarn. „Wir brauchen mehr so energische Frauen mit Durchsetzungsvermögen.“ Abschließend trugen sich die Festival-Chefin und der Regierungspräsident in das Goldene Buch der Marktgemeinde ein.

Das nächste Konzert der Reihe erklingt bereits am Freitag, 9. August, um 19.30 Uhr im Saal im ehemaligen Thammer-Anwesens: Serenade, Werke für flauto dolce und Akkordeon; Duo Allegria (Boschena Korchynska, Flöte, und Bohdan Kozhushko, Akkordeon), Eintritt gegen Spende.

Festival junger Künstler:

Gegründet wurde das Festival junger Künstler Bayreuth im Jahr 1950. Seit jeher gilt es als Stätte der Ausbildung für junge Künstler aus aller Welt, und als Ort der Begegnung und des interkulturellen Dialogs. Hier übernehmen junge Musiker Verantwortung und angehende Kulturmanager organisieren Workshops und Konzerte. (bej)

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