07.07.2020 - 18:33 Uhr
Winbuch bei SchmidmühlenOberpfalz

Aus Acker wird Blühwiese: Idylle für Mensch und Natur

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Malve, Kamille, Nachtkerze recken ihre Blüten in den weiß-blauen Himmel. Hummeln brummen, Schmetterlinge flattern: Die Idee von Landwirt Herbert Fleischmann ist aufgegangen – aus einem Acker in Winbuch wurde eine Blühwiese.

Landwirt Herbert Fleischmann aus Winbuch freut sich, dass seine Idee, eine intensiv genutzte Ackerfläche an die Natur zurückzugeben, Blüten trägt.
von Heike Unger Kontakt Profil

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hatte Landwirt Herbert Fleischmann aus Winbuch (Schmidmühlen) auf die Idee gebracht, selbst etwas für die Natur zu tun: Sein Plan war es, aus einem bislang intensiv bewirtschafteten Acker eine ökologisch wertvolle, insektenfreundliche Blühfläche zu machen. Möglich werden sollte dies mit Hilfe so genannter Blühwiesen-Paten – Naturfreunde, die das Projekt fünf Jahre lang mit jährlich 50 Euro finanziell unterstützen. Diese Idee trägt nun Früchte. Oder besser gesagt Blüten. Im wahrsten Wortsinn.

Fleischmann steht an diesem Juli-Vormittag mitten in einer Idylle. Im Hintergrund sieht man den kleinen Ort Winbuch (Schmidmühlen/Landkreis Amberg-Sulzbach). Die Sonne blitzt durch den sehr bayerischen, blau-weißen Himmel. Unzählige weiße, blaue, gelbe und zartrosafarbene Blüten wiegen sich sanft im Wind. Insekten summen, fliegen von Blüte zu Blüte. Fleischmann strahlt. "Ich bin begeistert", sagt er, sucht nach den richtigen Worten und muss dann doch passen: "Das kann man nicht beschreiben." Auch er hat mit seinem Projekt Blühwiese Neuland betreten. Und freut sich, was daraus geworden ist: Zu den anfangs 23000 Quadratmetern Blühfläche haben sich heuer weitere 17000 gesellt.

Rund 90 Paten geben Geld

Rund 90 Paten helfen dem Landwirt mit ihren Pacht-Beiträgen, diese Flächen sich selbst zu überlassen. Denn genau das ist der Plan: Die Natur soll hier einfach mal "machen", Fleischmann hat nur Starthilfe geleistet, indem er den einstigen Acker vorbereitet und eine insektenfreundliche Wildblumenmischung gesät hat. Wobei darin schon einiges an Arbeit steckt, auch wenn er darüber nicht viel spricht.

Was hier blüht, ist Nahrungsquelle. Und was nicht so schön aussieht, ist Lebensraum.

Herbert Fleischmann

Gerade hat er das letzte Puzzlestück hinzugefügt – einen Teich. Das, erzählt Fleischmann, war gar nicht so einfach auf der Steinhöhe. "Da ein Loch reinzubringen war schon ein Akt", bilanziert er. "Und alle haben gesagt, ohne Zulauf kriegst du das nicht abgedichtet." Fleischmann hat es hinbekommen, dank einer speziellen Folie auf Kautschukbasis.

Blühwiese: So hat alles begonnen

Winbuch bei Schmidmühlen

In der Mitte ist das Gewässer einen Meter tief, nach außen hin wird es flacher. Totholz und Steine schaffen Lebensraum für Insekten und andere Teichbewohner. "Die Libellen waren nach drei Tagen da", freut sich Fleischmann. Er betont aber auch: "Das ist kein Gartenteich, sondern ein Teich für die Natur." Deshalb haben hier auch Totholz und Steinhaufen ihren Platz. Genauso wie die verdorrten Sonnenblumen vom vergangenen Jahr inmitten der Blühwiese. Das, meint Fleischmann, sei vielleicht sogar "der falsche Ausdruck", denn es geht nicht um akkurat Gepflanztes, wie man es aus Blumenbeeten kennt. "Was hier blüht, ist Nahrungsquelle. Und was nicht so schön aussieht, ist Lebensraum." Den hat inzwischen auch ein Fasan für sich entdeckt. "Ich bilde mir sogar ein, dass er eine Familie gründet." Gesehen hat Fleischmann bislang aber nur den Fasanen-Gockel.

Erstes Blühwiesen-Patentreffen in Winbuch

Winbuch bei Schmidmühlen

Infos per Whatsapp

Seine Mitstreiter, die "Paten", sind zum großen Teil noch an Bord. Einige sind abgesprungen, dafür sind neue hinzugekommen. Etwa 90 Sponsoren unterstützen Fleischmann. Die Amberger Zeitung/Oberpfalzmedien gehört auch dazu. Und sogar etliche Naturfreunde, die weit entfernt leben und übers Internet von dem Projekt erfahren haben. Die, die in der Nähe wohnen, schauen gerne mal vorbei, erzählt Fleischmann. Und die, die beispielsweise in Memmingen oder Frankfurt leben, nehmen per Internet und über die eigens gegründete Whatsapp-Gruppe Anteil. Fleischmanns Sohn Markus hält die Paten über diese Gruppe mit Infos und Bildern von der Blühwiese auf dem Laufenden.

Eigentlich hatte Herbert Fleischmann für Juni ein Patentreffen in Winbuch geplant. Doch dann kam Corona. "Mal schauen, ob's heuer noch klappt mit einem Treffen", sagt Fleischmann – vielleicht wäre ja der 15. August ein schöner Termin. Wenn es die Pandemie zulässt. Dann wäre auch eine persönliche Begegnung möglich. Obwohl die Unterstützer auch so ganz nah dran sind dank der neuen Medien. "Eine Patin hat gestern in der Whatsapp-Gruppe gepostet, dass sie stolz ist, bei dem Projekt dabei zu sein", berichtet Fleischmann. Eine andere hat ihn angerufen, um ihm zu sagen, dass ihr Geld hier in guten Händen sei. Solche Rückmeldungen freuen Fleischmann. Auch, weil sie dokumentierten, was er selber so ausdrückt: "Nicht ich hab das gemacht. Wir haben das zusammen gemacht."

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