02.04.2020 - 16:13 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Sicherheitsdienste an vorderster Front gegen Corona

Eigentlich sorgen sie für Ordnung bei Konzerten und Partys. Jetzt sind die Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten im Einsatz für die Gesundheit – und dabei hohen Risiken ausgesetzt. „Fri-Sec“-Chef Marcus Fritsch berichtet.

In Coronazeiten stehen Marcus Fritsch (Mitte) und seine Mitarbeiter nicht mehr am Eingang von Partys oder Konzerten, sondern etwa am Eingang des Tirschenreuther Krankenhauses.
von Autor LSTProfil

10 Uhr morgens: Nach nur vier Stunden Schlaf klingelt der Wecker. Die nächste Doppelschicht steht an. Für Marcus Fritsch, Chef der Sicherheitsfirma "Fri-Sec" aus Wildenau, ist das seit fast drei Wochen ganz normaler Alltag. "90- bis 100-Stunden-Wochen sind aktuell an der Tagesordnung", sagt der 42-Jährige. Die Arbeit der Sicherheitsdienste hat sich seit Mitte März, seit der getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, grundlegend verändert.

"Binnen zwei Tagen brachen uns alle Veranstaltungen weg. Dafür vermehrten und vermehren sich wegen des Coronavirus die Anfragen anderer Einrichtungen", erzählt der 42-Jährige. Feste, Partys und Konzerte, für die Fritschs Team engagiert wurde, fielen ins Wasser. Gleichzeitig erhöhte sich der Sicherheitsbedarf bei Behörden, Ämtern, Supermärkten und Krankenhäusern.

"Fri-Sec" ist momentan unter anderem verstärkt für Drogerie-, Einkaufs- und Baumärkte oder für das Arbeitsamt und die Kliniken Nordoberpfalz im Objektschutz eingesetzt. "Wir tragen eine große gesellschaftliche Verantwortung, ergänzen und unterstützen viel intensiver die Arbeit der Polizei", berichtet Fritsch. Der Sicherheitschef kritisiert: Im Gegensatz zu Pflegern, Verkäufern, Kinderbetreuern oder Ärzten würde der Einsatz des Sicherheitsdienst in der Öffentlichkeit nicht wertgeschätzt. "Wir sind täglich 24 Stunden den Gefahren des Coronavirus und der Unvernunft der Mitmenschen ausgesetzt. Manchmal haben wir - gewollt oder ungewollt - körperlichen Kontakt mit anderen Personen. Wir haben nicht die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten", bemängelt der 42-Jährige. Er und seine Mitarbeiter seien mindestens genauso gefährdet, wie Krankenpfleger oder Verkäufer. Deswegen ergriff der Sicherheitschef für sein Team Sicherheitsmaßnahmen. Sie tragen während der Arbeit Mundschutz und Einweghandschuhe. Auch Desinfektionsmittel stünde bereit. Alles auf eigene Kosten. Auf finanzielle Unterstützung braucht Fritsch nicht hoffen. "Die würden wir aufgrund unserer Auftragslage ja auch gar nicht bekommen", sagt er und fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für seine Branche. "Uns geht es derzeit wie vielen Sicherheitsfirmen, die mit ausgebildeten Angestellten arbeiten: Wir tragen ein enormes Risiko, bekommen dafür aber nicht einmal den Lohn einer Reinigungskraft", berichtet Fritsch, der noch einmal einen kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse nimmt, ehe er sich auf dem Weg zu seiner ersten von zwei Schichten an diesem Tag aufmacht.

Hintergrund:

Gefragte Fachkompetenz

Markus Fritsch ist machte nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Schreiner, bevor er als Zeitsoldat des ersten Kontingents im Kosovo war. Dort kam er das erste Mal mit bekannten Politikern wie Günther Beckstein oder Rudolf Scharping in Kontakt. Nach seinem Ausscheiden von der Bundeswehr entschied sich Fritsch für eine Karriere im Sicherheitsdienst. Nach seiner Ausbildung an einer Sicherheits-Academy in Frankfurt sammelte er Erfahrungen in der Frankfurter Botschaft, am US-Stützpunkt Heidelberg, in Mannheim, Grafenwöhr und München. 2008 kehrte der heute 42-Jährige nach Wildenau zurück und gründete „Fri-Sec“. Seine Fachkompetenz ist bei vielen Veranstaltern und Behörden gefragt. Fritsch arbeitet zudem eng mit der Polizei der Region und in Bayern zusammen, sowie mit der Bayerischen Staatskanzlei. Besonderen Wert legt der Sicherheitschef auf engagierte und gut ausgebildete Mitarbeiter. Stolz ist er auf die familiäre Atmosphäre im Team.

Schutzmasken und Einweghandschuhe gehören aktuell mit zur Grundausstattung der Firma „Fri-Sec“.
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