26.06.2020 - 12:06 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Funkmast-Standort verärgert Dorfgemeinschaft Wildenau

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Ein Mobilfunkmast in Wildenau - ja gerne! Aber nicht am Ortsausgang Richtung Wurmsgfäll. Für den Masten der Telekom gibt es bessere Standorte, finden die Anwohner.

Es formiert sich Widerstand. Rund 20 Wildenauer sind zwar nicht gegen den 28 Meter hohen Funkmasten, den die Telekom am Ortsausgang des Orts Richtung Wurmsgfäll plant (Bild). Sie kritisieren den Standort. Ihrer Meinung nach gibt es bessere Standorte für den Mobilfunkmasten, die bürgerfreundlicher wären.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Andreas Chobrok wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen am Ortsausgang von Wildenau - 170 Meter vom geplanten 28 Meter hohen Mobilfunkmasten entfernt. Er ist stinksauer. "Wenn man vorher mit uns gesprochen hätte, wäre das alles nicht passiert." Vom Bauvorhaben hat die Familie aus der Zeitung erfahren. Die Anfrage der Telkom wurde im Bauausschuss der Marktgemeinde Plößberg behandelt. Chrobok versteht nicht, warum die Telekom ausgerechnet diesen Platz favorisiert. "Jeder andere vorgeschlagene Standort wäre weiter vom nächsten Haus entfernt", sagt Chrobok. "Vergangene Woche hatte ich das Weidener Bauamt am Telefon, ob sie für eine Stromleitung für den Masten durch mein Grundstück graben dürfen. Eine Frechheit!", empört sich Chroboks Ehefrau.

Am Dienstagabend versammelten sich rund 20 Wildenauer im Garten der Chroboks. Mit dabei waren auch die Wildenauer Markträte Susanne Bittner und Marcus Fritsch (beide SPD) sowie Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger und Armin Reiter, Sachbearbeiter der Verwaltung. In einer Diskussionsrunde wollten die Wildenauer geklärt haben, wie man zu diesem Standpunkt gekommen ist und was man dagegen tun kann.

Bürger fühlen sich übergangen

Gegen den Funkmasten an sich haben die Wildenauer nichts. "Wildenau will den Masten, das steht außer Frage", betont Susanne Bittner. Die Bürger stören sich aber erheblich am Standort. Vor allem sind die Anwohner verärgert, dass sie nicht in die Planung eingebunden und nicht über das Bauvorhaben informiert wurden. "Warum übergeht man in so einer kleinen Gemeinde die Bürger?", fragen sich die Anwohner. Nicht einmal Susanne Bittner, damals Dritte Bürgermeisterin, wusste Details (siehe Chronologie).

Baugebiet geplant

"An der Schloßleite ist ein Baugebiet geplant. Da will doch keiner mehr hinbauen, wenn da der Masten steht", ärgern sich die Wildenauer. "Der Mast braucht Strom, der Standort ist der kürzeste Weg zum Verteilerkasten", vermutet ein anderer. Ein weiteres Problem ist die Nähe zum Haus der Familie Chobrok und dass der 28 Meter hohe Mast das Ortsbild massiv beeinträchtigt. Ursprünglich war ein Mast mit 15 Metern Höhe vorgesehen. "Mit einem niedrigeren Masten ist Familie Chrobok auch nicht geholfen", wirft ein Anwohner ein. "Aber irgendwo muss der Funkmast hin. Eine Lösung, mit der alle zu 100 Prozent einverstanden sind, werden wir nicht erreichen", entgegnet ein weiterer Bürger.

Die Telekom habe leichtes Spiel gehabt, denn außer dem Grundstücksbesitzer, der nichts dagegen hat, dass die Telekom einen Funkmasten auf seinem unbebauten Grundstück errichtet, gibt es nur einen direkten "Nachbarn" - das Feld eines Landwirts aus dem Ort.

"Über die Kriterien, warum die Telekom diesen Standort für den geeignetsten hält, können wir nur spekulieren", wirft Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger ein. "Der Funkmast ist für die Infrastruktur zwingend notwendig, ein privilegiertes Bauvorhaben." Die Telekom teilte mit, dass sie vom Standort am Ortsausgang Richtung Wurmsgfäll aus bautechnischen Gründen nicht abweichen kann. Nur dort könne man alle Orte bestmöglich abdecken. "Wir haben nur eingeschänkte Möglichkeiten, den Standort zu beeinflussen", meint Preisinger. Er kann den Unmut der Versammlung verstehen. "Es ist unglücklich gelaufen", gibt der Zweite Bürgermeister hinsichtlich der Standortsuche zu. "Es ist unsensibel, die Leute vor Ort bei so einem wichtigen Thema nicht mit einzubinden", kritisiert eine Anwohnerin.

Im Bauausschuss berieten die Marktgemeinderäte über den geplanten Funkmasten bei Wildenau

Plößberg

Andere Standorte ausgelotet

Die Wildenauer haben Angst, dass ihnen von heute auf morgen der Funkmast vor die Nase gesetzt wird. Andreas Chrobok vermutet, dass die Telekom und die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) schnell vorankommen möchten, da ihr Vorhaben aktuell noch förderfähig ist. Doch das Landratsamt muss erst die Baugenehmigung erteilen. Der Vorgang dauert etwa fünf bis sechs Wochen. Innerhalb dieser Zeit will die Dorfgemeinschaft aktiv werden.

Marcus Fritsch war mit einem Funkmesser rund um den Ort unterwegs um Standort-Alternativen zu finden. Die fand er am Ödberg Richtung Plößberg und am Wattberg Richtung Auerberg. "In beiden Fällen wären die Masten weit ab vom Schuss, wo sie keinen stören." Die Anwohner fragten sich, warum die Telekom auf den Funkmasten an der B 15 nicht einfach das D1-Netz "draufschalten" könne. Denn O2-Kunden in Wildenau hätten keine Beschwerden mit dem Netz.

Chance im Denkmalschutz

Eine Chance sehen sie Wildenauer im Denkmalschutz. Dass der Funkmast die Sicht auf Kirche und Burg, ein Wahrzeichen im Ort, versperrt, könnte ein Argument sein, dass die Telekom vom Standort abweichen muss, machte sich Bittner am Landratsamt schlau. Auf Artenschutz zu setzten, bringe hier wenig.

"An der Telekom beißen wir uns die Zähne aus", befürchtet die Dorfgemeinschaft. Die Wildenauer wollen daher Gemeinde, Landratsamt und Vertreter der Telekom an einen Tisch holen, um Fragen zu stellen und Alternativen zu diskutieren. Sie überlegen, eine Bürgerinitiative zu gründen, Unterschriften zu sammeln und Briefe ans Landratsamt und Telekom zu schreiben. Der Grundstückseigentümer und der direkte Nachbar wären bereit ihre Einwilligung zurückzuziehen. Die versammelten Bürger wollen nichts unversucht lassen. "Wir möchten, dass sich jemand für uns einsetzt und unsere Bedenken gehört werden."

Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger zeigt den Plan mit den Standortvorschlägen, die die Marktgemeinde ausgearbeitet hat.
Chronologie:

Böse Überraschung im Bauausschuss

Bereits seit Jahren wünscht sich Wildenau ein besseres Mobilfunknetz. Im Februar 2019 teilte die Telekom der Marktgemeinde mit, dass zur Verbesserung der Funkversorgung ein neuer Mobilfunkmast mit einer Höhe von 15 bis 20 Metern geplant ist. Dieser soll Wildenau, Wurmsgfäll, Schirnbrunn, Schalttein und Auerberg versorgen. Die Gemeinde könne sich an der Standortsuche innerhalb eines von der Telekom vorgegebenen Suchkreises - 350 Meter Radius im Ortskern - beteiligen. Auf drängen der Gemeinde willigte die Telekom ein, eine Alternative außerhalb der Ortschaft zu suchen. Die Lösung sollte möglichst außerorts und konfliktfrei sein, schilderte Zweiter Bürgermeister Markus Preisinger. Der Markt schlug im März sieben verschiedene Standorte außerhalb von Wildenau vor. Die Vorschläge arbeitete ein Mitarbeiter der Verwaltung aus, der sich damals in Ausbildung befand. Bei dieser Suche nach Alternativen wurden weder die Wildenauer Bürger noch die Markträte aus dem Ort hinzugezogen.

Im April prüfte die Telekom die Standortvorschläge auf Übertragungsqualität. Nur ein einziger Standort scheint für das Unternehmen passend: Am Ortsausgang Richtung Wurmsgfäll, zwischen der Staatsstraße 2181 und der Straße An der Schloßleite.

Im Mai teilte die Telekom der Gemeinde mit, dass einer der anliegenden Grundstückseigentümer bereit wäre, den Masten auf seinem Grundstück errichten zu lassen. Das zwei Hektar große Grundstück ist unbebaut, dort lagert der Eigentümer Holz. Anfang November schloss die Telekom einen Mietvertrag mit dem Grundstücksbesitzer.

Ende November kam das Gespräch bei einer Dorfversammlung zufällig zum Mobilfunkmasten. Niemand der Anwesenden, auch nicht Susanne Bittner, kannte den aktuellen Planungsstand. Bürgermeister Lothar Müller, der später zur Versammlung kam, meinte damals, dass die Planungen noch nicht spruchreif wären. Darauf meldete sich der Grundstücksbesitzer zu Wort: Er habe mit der Telekom einen Vertrag abgeschlossen.

Im Februar 2020 teilt Bürgermeister Lothar Müller in der Marktratsitzung auf Nachfrage mit, dass weder er persönlich, noch die Gemeinde einen Vertrag mit der Telekom bezüglich der Mobilfunkmast-Standorte haben. Der Markt beteiligte sich lediglich an der Standortsuche außerhalb der Ortschaft.

Ende April ging der Bauantrag der Telekom bei der Gemeinde ein. Erst hier soll klar gewesen sein, wo der Mobilfunkmast errichtet werden soll. Am 8. Juni 2020 ist der Bauantrag auf der Agenda in der Bauausschusssitzung und sorgt für mächtig Diskussionen. Vor allem Susanne Bittner und Marcus Fritsch kritisierten die Standortwahl und dass der Mast nun 28 Meter hoch sein soll. Bürgermeister Lothar Müller sollte noch einmal das Gespräch mit der Telekom suchen, ob alternative Standorte möglich sind. Die Telekom zieht den Bauantrag nicht zurück. Der Bauantrag liegt nun ohne gemeindliches Einvernehmen dem Landratsamt vor.

Hintergrund:

Dorfgemeinschaft nicht spalten

Die SPD-Markträte Marcus Fritsch und Susanne Bittner aus Wildenau waren überrascht, als sie die Unterlagen für die Bauausschusssitzung wenige Tage vorher bekamen. "Unser Dorf bettelt seit Jahren nach einen Funkmasten für besseren Mobilempfang", berichtet Fritsch. "Niemand hatte Infos über Standorte oder Planungsstand." In der Ausschusssitzung sollte aber der Beschluss - der Standort war schon extern bestimmt worden - über die Bühne gehen. Nachbarn und Betroffene stellten ihn entsetzt zur Rede. Fritsch ist erst seit Mai im Gremium. "Ich konnte da nicht guten Gewissens meine Hand heben und das durchwinken."

Er wurde per Telefon und in den sozialen Medien angegriffen, dass er gegen den Funkmasten sei. "Das stimmt nicht. Ich bin für den Masten, aber gegen den Standort", betont er. Ihm ist wichtig, dass die Standortfrage für den Mobilfunkmasten das Dorf nicht spaltet. Fritsch erwarten eine Standortprüfung der alternativen Vorschläge durch den Betreiber.

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