25.09.2019 - 12:28 Uhr
WiesauOberpfalz

Über „Bausteine“ zum Priester

Sein Amt trat Pfarrer Markus Nees bereits vor rund vier Wochen an. Feierlich installiert wird er am kommenden Sonntag. Unterstützt wird der neue Pfarrer von einem Pfarrvikar: Pater Charles John Porimattathil.

Pfarrer Markus Nees (rechts) wird am Sonntag feierlich installiert. Bei der künftigen Seelsorge-Arbeit hilft ihm Pater Charles John, der aus dem südindischen Kerala stammt.
von Werner RoblProfil

Der Besuchstermin bei den Seelsorgern war vor einigen Tagen mit dem Pfarrbüro vereinbart worden. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt reicht Pfarrer Markus Nees - unter der Haustür - zur Begrüßung die Hand und bittet ins Pfarrbüro. Pater Charles John sei auf dem Weg von Falkenberg nach Wiesau, erklärt er.

Vor einigen Wochen ist Nees, der zuvor in Altenstadt tätig war, zu einem Wahl-Wiesauer geworden. Geboren wurde er in Neunburg vorm Wald. Aufgewachsen aber ist er - zusammen mit seinen beiden Geschwistern - in Ettmannsdorf, das zu Schwandorf gehört. Der Vater von Markus Nees war bei der Caritas, die Mutter als Hausfrau tägig.

"Pfarrer zu werden, wurde mir nicht in die Wiege gelegt", erzählt Markus Nees und verweist beim persönlichen Werdegang auf "Bausteine", die sich zu einem Ganzen zusammenfügten. "Irgendwann war es so weit: Ich wollte Geistlicher werden und das Regensburger Priesterseminar besuchen." Es folgte ein Praktikum, das ihn nach Ammerthal (Landkreis Amberg-Sulzbach) brachte. 1992 war die Priesterweihe. Danach bekam er eine Kaplan-Stelle in Pressath, drei Jahre war er auch als Kaplan in der Tirschenreuther Pfarrei Mariä Himmelfahrt tätig. Die Pfarrstelle in Chammünster betreute er 16 Jahre lang. Zuletzt, fünf Jahre lang, wurde ihm die katholische Pfarrei Altenstadt an der Waldnaab anvertraut, die er vor gut vier Wochen verlassen hat.

"Dann fällt es schwer"

"Es war ein spontaner Entschluss", beschreibt der 53-Jährige seine Entscheidung, die frei gewordene Pfarrstelle in Wiesau anzunehmen, nachdem sein Vorgänger Maximilian Roeb nach Wolnzach versetzt wurde. "Irgendwann hätte ich Altenstadt sowieso wieder verlassen müssen." Das sei normal. "Zu spät wollte ich aber halt auch nicht wechseln", fährt Markus Nees fort. Die Bindungen - so meint er - würden immer fester. "Dann fällt es schwer." In ihm reifte der Entschluss, "die Gelegenheit beim Schopf zu packen".

Seit Anfang September wohnt Nees im historischen und renovierten Pfarrhaus, mit - so der Seelsorger wörtlich - "schönen und hellen Räumen". Sein neues Heim umgibt ein großer Garten, gleich daneben steht die Pfarrkirche St. Michael. Nicht weit ist es zum Kreuzberg oder hinüber zum Pfarrzentrum. Den "weltlichen Teil" Wiesaus habe er auch schon kennenlernen dürfen. Gegenüber empfängt der "Stefflwirt" seine Gäste. An bestimmten Tagen wird dort Zoigl ausgeschenkt. "Davon habe ich schon gehört", fügt Nees hinzu. Er erfuhr, dass er in Alt-Wiesau wohnt, das von einem Teil der Bevölkerung - mehr von der älteren - als das "Dorf" bezeichnet wird. Mit Falkenberg bildet Wiesau eine Seelsorgeeinheit. Die Gottesdienste in St. Michael (Wiesau) und St. Pankratius (Falkenberg) halten die Priester Markus Nees und Charles John abwechselnd.

Tiefchristliche Familie

"Den Nachnamen dürfen Sie gerne weglassen", bittet der indische Geistliche aus dem Orden Franz von Sales. Man rufe ihn nur Pater Charles John, sagt er kurz nach seinem Eintreffen in Wiesau. Der Inder - mit Familiennamen Porimattathil - ist 47 Jahre alt und hat einen Bruder und eine Schwester. Er stammt aus Panamkutty, ein Dorf im südindischen Kerala. Aufgewachsen ist er in einer tiefchristlichen Familie. "Daheim wird viel gebetet."

Bereits in der fünften Schulklasse reifte der Entschluss, Seelsorger zu werden. Fünf Jahre danach trat er in das Priesterseminar ein. "Ich wollte ein ganz normaler Pfarrer, nicht aber ein Ordensgeistlicher werden." Charles John begründet seinen anderen Entschluss mit der hohen Bewerberzahl im ursprünglich ins Auge gefassten Seminar. In Goa - nähe Mumbai (früher Bombay) - fand er Aufnahme in der Priesterschule der Franzelianer. 2001 folgten die Weihe und die Arbeit in Nordindien, wenige Monate später in Deutschland. "Ihr Land und dessen Sprache kannte ich überhaupt nicht." 2014 musste er wieder zurück in sein Heimatland, um dort ein Priesterseminar ("mit strengen Regeln") und 40 Schülern zu leiten.

Die Arbeit dort war schwerer als die in Oberfranken, erinnert sich Pater Charles John an seine zurückliegenden Stationen Scheßlitz, Kulmbach, Coburg und Zapfendorf. "Oberfranken kenne ich gut. Danach - ich wurde gebeten, wieder nach Deutschland zu gehen - durfte ich mit Schmidgaden auch die Oberpfalz kennenlernen." Den Dialekt verstünde er inzwischen. "Sprechen werde ich ihn aber wohl nie lernen." Wohnen wird Pater Charles John in einer für ihn eingerichteten Wohnung im Pfarrzentrum.

Hintergrund:

Gottesdienst und Stehempfang

Der Kirchenzug zur Installation von Pfarrer Markus Nees formiert sich am Sonntag, 29. September, um 14.30 Uhr bei der Wiesauer Grundschule. Der Gottesdienst findet um 15 Uhr in der katholischen Pfarrkirche statt. Bei einem anschließenden Stehempfang im Pfarrzentrum ist Gelegenheit, den neuen Pfarrer offiziell zu begrüßen.

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