18.06.2020 - 16:03 Uhr
WiesauOberpfalz

An Lärmschutz führt kein Weg vorbei

Bessere Anbindung, aber auch mehr Verkehr auf den Schienen: Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg sorgt für Veränderungen. Wie stehen Bürgermeister von betroffenen Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth dazu?

Die geplante Elektrifizierung wird auch in Wiesau begrüßt. Dank eines neu aufgelegten Förderpaketes könnten dort auch die Bahnsteige im zentral gelegenen Bahnhof behindertengerecht umgebaut werden.
von Werner RoblProfil

Wegen der Corona-Pandemie hat die Deutsche Bahn ihre Informationsabende zur Elektrifizierung ins Internet verlegt. Startschuss war am Dienstag mit der Bahnstrecke Immenreuth-Schirnding. Am Mittwoch, 18. Juni, folgte die Bahnstrecke Hof-Regensburg, konkret ging es um den Abschnitt Marktredwitz-Luhe.

Ein Thema war der Schallschutz und wie er umgesetzt werden kann. Erkundigt wurde sich unter anderem nach Geschwindigkeitsbeschränkungen in den Nachtstunden, was Projektleiter Horst Leißner verneinte. "Daran ist nicht gedacht", so der Sprecher. "Die Strecke bleibt den ganzen Tag gleich befahrbar." Zudem bestätigte er, dass der Güterverkehr auch an den Wochenenden rollen wird.

Dieselloks nicht ausgeschlossen

Gefragt wurde außerdem, ob nach der Elektrifizierung auch Dieselloks fahren werden, was Leißner grundsätzlich nicht ausschließen wollte. Ausschließen konnte er aber die Möglichkeit von Wasserstoff betriebenen Lokomotiven, die nach Ansicht der Deutschen Bahn auf dieser Strecke wohl keine Rolle spielen werden.

Zum Thema "Strom-Einspeisewerk", für das man Wiesau vorgesehen hat, nahm Martin Piech Stellung. Über den Standort konnte er noch keine Auskunft geben. Dafür müssten noch Grundstücksverhandlungen geführt werden.

Ein Thema, von dem der Bahnhof in Wiesau betroffen sein wird, war auch der behindertengerechte Ausbau der Bahnsteige, der aufgrund eines neuen Konjunkturprogramms der Staatsregierung in Aussicht gestellt wurde. Neue Haltestellen seien entlang der Strecke aber nicht geplant, erläuterte Leißner. Zusammenfassend betonten die Bahnsprecher, dass der Ausbau eine "einmalige Chance" sowohl für den Güter- als auch für den Fernverkehr sei. Angedacht sei auch die Möglichkeit eines Intercity-Zuges, der nach Fertigstellung in der Region verkehren könnte.

Elektrifizierung bis Regensburg: Lärmschutz Thema Nummer eins

Weiden in der Oberpfalz

Einen Tag nach dem Bürgergespräch befragte Oberpfalz-Medien die Bürgermeister der drei betroffenen Bahnhof-Gemeinden Pechbrunn, Wiesau und Reuth bei Erbendorf. Das Pechbrunner Gemeindeoberhaupt, Stephan Schübel, betonte, dass seine Kommune ein Augenmerk auf den Schallschutz legen werde. "Die Bahnlinie führt mitten durch den Ort. Wir möchten am Ende nicht als die Lackierten dastehen." Zudem müsse die Bahn AG für die Kosten beim Brückenbau aufkommen. "Die Gemeinde Pechbrunn will und kann die finanziellen Lasten nicht tragen." Das sei Sache der Bahn, darauf werde man auch drängen. "In dieser Sache sind der Staat und unsere Abgeordneten gefragt", fügte Schübel hinzu und mahnte, dass die "Hausaufgaben" beim Schallschutz auch gemacht werden.

"Grundsätzlich befürworten wir die Elektrifizierung", kommentierte Bürgermeister Toni Dutz. Wie Schübel forderte auch er den Schallschutz mit deutlichem Nachdruck. Zufrieden zeigte sich Dutz, was den behindertengerechten Ausbau der Bahnsteige im zentral gelegenen Bahnhof Wiesau anbelangt. "Die Forderung ist nicht neu", erinnerte der Rathauschef an die bereits geführten Verhandlungen in dieser Sache. "Leider verliefen die Gespräche bislang erfolglos." Die Gemeinde Wiesau hätte sich daran mit einem hohen Millionenbetrag beteiligen müssen, "was wir aber ablehnten". Dank der Förderpakete komme endlich Bewegung in die Sache, ergänzte Dutz. Zudem forderte er auch eine Verbesserung nicht nur beim Güter-, sondern auch beim Personenverkehr.

Mögliche Bürgerversammlung

Als ein "sehr wichtiges Thema" bezeichnete Bürgermeister Werner Prucker den geforderten Lärmschutz. Die Gesprächsbasis mit der Deutschen Bahn AG ist laut dem Reuther Gemeindeoberhaupt "völlig problemlos." Auf die Entscheidungen der Bahn habe man aber keinen Einfluss.

"Die Gemeinde Reuth besitzt am Bahngelände keine Liegenschaften", erklärte Prucker. Er versprach, die Stellungnahmen, Einwände oder Sorgen der Bürger zu sammeln, um sie im Rahmen einer vielleicht möglichen Bürgerversammlung, "aber nur wenn dafür Bedarf besteht", eingehend zu diskutieren. Falls es dazu konkret auch Neues gibt, werde man dazu Vertreter der Bahn einladen.

Die Online-Bürgerversammlung der Deutschen Bahn für den Abschnitt von Immenreuth bis Schirnding war einen Tag vorher:

Immenreuth
Bleiben werden auch nach der Elektrifizierung der Bahnstrecke die bisherigen Bahnübergänge, wie hier im Wiesauer Gemeindeteil Schönfeld. Gegebenenfalls müssen sie aber an die Elektrifizierung angepasst werden.
Die Online-Bürgerversammlung leitete Marion Fink von der Deutschen Bahn AG, die auch die Fragen an die Fachleute weitergab.

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