20.04.2021 - 10:49 Uhr
WiesauOberpfalz

Burschenverein "Concordia" Wiesau: Gesellig, engagiert und unvergessen

Wenn es ihn noch geben würde, könnte der Burschenverein „Concordia“ nächstes Jahr sein 130. Gründungsfest feiern. Ende der 1950er Jahre erlahmte die Vereinstätigkeit, berichtet die Wiesauer Chronik. Vergessen ist "Concordia" nicht.

Das Foto entstand 1932 im Garten der Gastwirtschaft "Zur Krone". Vorne in der Mitte sitzt Katharina Härtl, die später als "Schuller Kathi" und Wirtin im Wirtshaus an der Alten Schulstraße bekannt wurde.
von Werner RoblProfil

Wer sich in der Wiesauer Geschichte ein wenig auskennt, gerät angesichts des Namens „Concordia“ ins Grübeln. 1913 gründete sich ein Radfahrverein gleichen Namens, der in der NS-Zeit in das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps integriert wurde und somit namentlich aus den Wiesauer Vereinslisten verschwand.

Der historische Streifzug führt zurück in das Jahr 1892: In der Buchnerschen Gastwirtschaft am Kreuzberg (später „Stadt Wien“) trafen sich 26 junge Männer, um den Burschenverein „Concordia“ aus der Taufe zu heben. Nach Informationen von Heimatforscher Adalbert Busl (Wiesau) wählte man als Vereinsleitspruch: „Gemütlichkeit und Frohsinn walte stets in unserem Kreis. Unsere Lebensregel ist Arbeitsamkeit und Fleiß."

In der Generalversammlung am 12. Juni 1892 wurde Johann Dobner zum Vorsitzenden bestimmt. Thomas Konz übernahm das Amt des Stellvertreters. Protokollführer wurde Franz Josef Höcht. Die Vereinsgelder sollte Johann Buchner verwalten. Moritz Platzer und Anton Schaumberger wählte man in den Ausschuss, um das Gremium komplett zu machen. Eine Besonderheit stellte ein Amt dar, das Josef Klarner übernehmen sollte. Der Wiesauer wurde zum „Vereinsdiener“ bestellt. Ehrenvorsitzender wurde der volksnahe Pfarrer Jakob Ferstl. In Wiesau ist nach ihm auch eine Straße am Kreuzberg benannt.

Tanzveranstaltungen

Bereits drei Monate später gab Dobner sein Amt als Vorsitzender wegen eines Zerwürfnisses – so die Vereinsunterlagen – jedoch wieder ab. An dessen Stelle trat Josef Reuschl. Fortan widmete sich „Concordia“ dem gesellschaftlichen Leben in Wiesau. Es folgte Tänze, Ausflüge und einiges mehr. Im Jahr 1900 verließ man den gewohnten Treff beim Buchner am Kreuzberg, um in Quirin Konrads Gastwirtschaft (heute „Stefflwirt“) einzukehren. Vier Jahre später überlegte man es sich anders. Favorit war erneut die Buchnersche Gastwirtschaft. Grund für den erneuten Wechsel war – so berichtet die Vereinschronik – der Tod des beliebten Wirtes Quirin Konrad. Doch das war längst nicht das letzte Vereinslokal von „Concordia“, wie man später erfahren kann.

Mit dem „Bergfest“ feierte man das 15-jährige Bestehen. Organisiert wurde ein großer Festzug. „Der Festplatz war mit Kränzen und Girlanden sowie mit der Landesfahne und Triumphbögen (…) geschmückt“, erzählt die Vereinschronik an anderer Stelle.

Noch heute existiert die alte Vereinsfahne mit dem Abbild des heiligen Antonius (was die Geistlichkeit freute) und dem deutlich erkennbaren „Concordia“-Leitgedanken. Aufbewahrt wird das Banner derzeit auf dem Dachboden im "Stefflwirtshaus". Die Fahnenweihe feierte man am Samstag, 24., und Sonntag, 25. Juni 1911. Als Patenverein konnte die Mitterteicher „Concordia“ gewonnen werden.

Fahne vor Flammen gerettet

Neben den "Concordia"-Mitgliedern war auch die Vereinsfahne im Ersten Weltkrieg in Gefahr. Davon berichtet ein Vereinsprotokoll: Am 24. Juni 1916 - vormittags 9 Uhr - brach im Kellnerischen Stadel (Alte Schulstraße) Feuer aus und konnte am Herde nicht beschränkt werden. Ungefähr in zehn Minuten war der Gasthof Meier (heute „Stefflwirt“) ein Raub der Flammen. Und in der Aufregung dachte niemand an die Vereinsfahne. "Aber doch: Ein junges Bürschchen namens Georg Stock von Wiesau eilte noch in das Flammenmeer mit größtem Eifer.“ Somit war die Vereinsfahne – dank eines Buben – gerettet, erzählte die „Concordia“ vor über 100 Jahren.

Reisen und Ausflüge

In den 1930er Jahren wechselte man das Vereinslokal erneut. Fortan trafen sich die Wiesauer "Concordia"-Burschen im Gasthaus „Zur Krone“ an der Alten Schulstraße, die seinerzeit Josef Wührl gehörte. Theater wurde gespielt, die Aufführungen der Luisenburg wurden regelmäßig besucht. Man bot Reisen und Ausflüge an. Das jähe Ende der "Concordia" kam während der NS-Zeit, als man anordnete, die Vereine gleichzuschalten. Der Kassenbestand fand – so die Chronik – „in einer Feierstunde seine Auflösung“. Danach wurde der Wiesauer Burschenverein verboten.

Nach 1945 erfuhr die „Concordia“ mit 46 Mitgliedern neues Leben. Der Verein machte sich unter anderem auch für die Errichtung des Kriegerdenkmals stark. Zeitweise stellte man einen Maibaum auf, so die Chronik. Gesellige Ausflüge und Abende waren beliebt. Doch langsam wurden die Vereinsaktivitäten spärlicher. Heute ist die ideenreiche „Concordia“ nur noch Wiesauer Geschichte und wartet auf eine Wiederbelebung.

Viele Geschichten ranken sich um Gewerberat Jakob Sußner, eine schillernde Persönlichkeit in Wiesau

Wiesau
Hintergrund:

Saalschlacht am Kirchplatz

  • In Band 21 der Schriftenreihe „Wir am Steinwald“ (herausgegeben von der Gesellschaft "Steinwaldia" Pullenreuth) berichtet Heimatforscher Adalbert Busl von einer massiven Rauferei im Summersaal am Wiesauer Kirchplatz.
  • Da der Burschenverein schon immer auch für die Ärmsten etwas übrig hatte, veranstaltete er am 11. September 1946 einen Wohltätigkeitsball. Dabei gab es durch rauflustige, unliebsame Gäste gegen 22.30 Uhr einen „plötzlichen Überfall auf das Publikum“. Angesichts der bewaffneten Raufbolde suchte man „durch die Türen und Fenster das Weite“. Kaum jemand wagte es, sich zur Wehr zu setzen.
  • Die Bilanz der blutigen Auseinandersetzung war ein Trümmerhaufen: 68 Bierkrüge, 3 Stühle, 1 Tisch und 12 Fensterscheiben wurden zertrümmert, zählte man später nach.
  • Für den Schaden - 580 Reichsmark - kam der Verein "Concordia" auf. Für die Kriegsversehrten, denen der Erlös der Veranstaltung zugute kommen sollte, blieb nichts mehr übrig. Weiter schreibt der Chronist: „Die Veranstaltungen verliefen sonst immer gemütlich und schön.“

 

 

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