16.12.2020 - 13:57 Uhr
WiesauOberpfalz

Bürgermeister Bernd Sommer: Landkreis Tirschenreuth ist unterversorgt

Die kinderärztliche Versorgung im Landkreis Tirschenreuth bereitet auch den Mitgliedern des Kreistags Sorgen. Ein Bürgermeister wurde in der jüngsten Sitzung sehr deutlich.

Die ärztliche Versorgung im Landkreis ist ein emotionales Thema. Auch der Kreistag beschäftigte sich damit.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Ein Bericht von Oberpfalz-Medien über den Mangel an Kinderärzten im Landkreis und vor allem die Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) hatten CSU-Fraktionssprecher Bernd Sommer die Laune verdorben. In der Sitzung des Kreistags wetterte er vor allem gegen die Festlegung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach bei Hausärzten die Unterversorgung erst bei 75 Prozent und bei Fachärzten sogar erst bei 50 Prozent beginne.

Die KVB stellt keine Unterversorgung fest

Tirschenreuth

"Das ist Häme hoch drei", sagte Sommer. Auch als Bürgermeister von Waldsassen, wo Ende Juni 2020 ein Kinderarzt in Ruhestand gegangen ist und seitdem eine empfindliche Lücke klafft, forderte er die Kommunalpolitiker auf, sich lautstark zu melden: "Mit nur drei Kinderärzten im Landkreis sind wir unterversorgt." Diese Einschätzung lasse sich auch auf andere medizinische Bereiche übertragen.

Bernd Sommer regte ein Schreiben des Landkreises an, um die "Entmachtung" des Bundesausschusses zu fordern. In diesem Gremium seinen zwar die Krankenkassen, Kliniken und Ärzte vertreten. "Die verteilen den Kuchen. Aber die Patienten, um die es geht, sind nur beratend vertreten und haben kein Stimmrecht." Auch die Kommunen seien nicht im Ausschuss vertreten, beklagte der CSU-Sprecher. "Wir können erst reagieren, wenn es zu spät ist. Es dauert Jahre, bis man einen neuen Arzt gewinnt."

Landrat Roland Grillmeier kündigte an, demnächst ein Konzept zur Stärkung der Arztversorgung vorzustellen: "Das hätten wir schon eher machen sollen."

Der Tirschenreuther Kinderarzt machte den Engpass öffentlich

Tirschenreuth
Hintergrund:

Patienten ohne Stimmrecht im Bundesausschuss

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

  • Der G-BA bestimmt mit seinen Richtlinien, welche konkreten medizinischen Leistungen nach den gesetzlichen Vorgaben die rund 73 Millionen Versicherten in Deutschland beanspruchen können.
  • Die grundsätzlichen Entscheidungen zum Leistungsanspruch der gesetzlich Krankenversicherten trifft der Gesetzgeber.
  • Der Ausschuss beschließt auch Maßnahmen der Qualitätssicherung für Praxen und Krankenhäuser.
  • Mitglieder im G-BA sind die vier großen Selbstverwaltungsorganisationen im Gesundheitssystem: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und
    Spitzenverband Bund der Krankenkassen.
  • Organisationen von Patienten und Selbsthilfegruppen haben Mitberatungs-​ und Antragsrechte, jedoch kein Stimmrecht.

 

 

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