18.02.2021 - 10:36 Uhr
WiesauOberpfalz

Bücher veröffentlichen: Tipps für Einsteiger

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Im Lockdown versuchen sich viele erstmals als Autor. Wer auf den Geschmack gekommen ist, möchte das Werk anschließend auch gedruckt sehen. Was es bedeutet, ein Buch zu veröffentlichen, weiß Hans G. Lauth. Er hat Tipps für Einsteiger.

"Jeder hat seinen Schreibstil", sagt Hans G. Lauth. Wie auch immer der ausfällt, bleibt eine wichtige Regel: "Ohne Lektor geht gar nichts."
von Ulla Britta BaumerProfil

Hans G. Lauth nennt Anton und Vinzent liebevoll seine "zwei Generäle". Der 68-jährige Wiesauer ist sehr glücklich über die zweijährigen Zwillinge seiner Tochter und nimmt die Opa-Aufgaben sehr ernst. So ernst, dass er nun überlegt, für die Buben eine Familiensaga zu schreiben. "Wenn die zwei in dem Alter sind, in dem sie das verstehen, bin ich vielleicht gar nicht da", ist Lauths Beweggrund.

Der Gründer der "Grenzlandschreiber" geht's professionell an. Lauth hat bereits drei Bücher veröffentlicht, veranstaltet regelmäßig Lesungen und hält Online-Schreibseminare. Ob draußen ein Vogel zwitschert oder die Weltpolitik zur Diskussion anregt: Hans G. Lauth findet immer ein Thema für seine Gedichte und Kurzgeschichten.

Ohne Lektor geht nichts

Natürlich gibt es auch jene, die akribisch eine Geschichte planen, bevor sie auf Papier kommt. "Jeder hat seinen Schreibstil", sagt Lauth. Wie auch immer der ausfällt, bleibt eine wichtige Regel: "Ohne Lektor geht gar nichts." Jeder Schriftsteller wird eines Tages die für ihn empfindliche Erfahrung machen, dass Lektoren oftmals wenig begeistert sind von Texten, die man als Autor selbst bereits als Bestseller-Buch vor Augen sieht. "Meine größte Kritikerin ist meine Frau", verrät Lauth lachend.

Ist ein Manuskript fertig, braucht es einen Verleger. Verlage gibt es bekanntlich in Massen. Nur nicht, wenn man einen braucht. Das ist die schmerzliche Erfahrung Nummer 2: Das eigene, tolle Manuskript wird reihenweise mit einem "Danke, aber ..." höflich-bestimmt abgelehnt. Lauth hat das Glück, mit Eckhard Bodner in Pressath einen Verlag zu haben.

Bevor der Frust zu groß wird, rät der Autor zum Eigenverlag. Dann müsse man sich allerdings einen Grafiker für eventuelle Bebilderung und das Cover sowie eine Fachkraft fürs Layout und die Druckerei selbst suchen.

"Hirn vor Herz"

Hardcover oder Taschenbuch? Das ist immer eine Preisfrage. "Hirn vor Herz" ist ein hilfreicher Ratschlag bei der Auflage. Lauth berichtet von einem Kollegen, der euphorisch 1000 Exemplare drucken ließ. "Jetzt sitzt er auf der Hälfte, die er nicht mehr los bringt." Dabei sei das Backen von kleinen Brötchen kein Problem mehr in Zeiten des Digitaldrucks. "Wer möchte, kann nur zehn Bücher in Auftrag geben oder ein einziges."

Hans G. Lauth hat sich für seine Veröffentlichungen auf 300 Exemplare eingelassen, mit guten Erfolgen. "Wenn man die Leser nicht überfordert und denkt, man muss jedes Jahr ein neues Buch herausgeben", schränkt der Autor ein.

Und der "große Durchbruch"? Sieht so aus: "Man kann sich glücklich schätzen, das Buch im persönlichen Umkreis zu verkaufen." Geht es um die Frage der "Berühmtheit" eines Autors, ist das in Relation der Person zu sehen. Hans G. Lauth ist in seinem Landkreis sehr bekannt als Schriftsteller, man kann von einer lokalen Berühmtheit sprechen. "In Weiden halte ich keine Lesungen mehr", gibt er offen zu. "Da kennt mich niemand mehr."

Leute mit chronischem Zeitmangel sollten das mit dem Buch sowieso genau überdenken. Unumgänglich sind Lesungen aus dem eigenen Werk. Je mehr, desto besser verkauft es sich. Zwar zeigen sich Buchhandlungen oder kleine Läden als Verkaufsstellen meist hilfsbereit. Aber oft nur gegen hohe Provision. Dann bleibt von einem Buch für, sagen wir einmal 10 Euro, abzüglich der Druck-und Provisionskosten sowie Verlagsanteile oder Fachkräftehonorare gerademal ein 50-Cent-Stück als Lohn für den Urheber übrig. Rentabel wird das erst bei Auflagen in Millionenhöhe wie für die Harry-Potter-Bücher.

ISBN-Nummer

Weniger spektakulär zu erarbeiten: Die wichtige ISBN-Nummer bekommt nach Aussage von Lauth jeder Schriftsteller, entweder über den Verlag oder er kauft sie sich. Geht es um den Lohn der Arbeit, nimmt Lauth allen Überfliegern den Wind aus den Segeln: "Reich wird man nicht."

Zurück zur Familiensaga: Man kann sie erfinden, was nicht Zweck der Sache ist. Wer authentisch über seine Vorfahren schreiben will, muss viel Zeit investieren. Bei seinen Recherchen fand der Autor einen Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert, geboren in Luxemburg, nach Ungarn aussiedelt, dreimal verheiratet und Vater von 15 Kindern. Das gibt einiges her fürs Manuskript, ergänzt mit Überlieferungen über weitere Angehörige aus dem Sudetenland.

Archivrecherche

Fündig wurde Lauth über Standesämter, Wohnorte der Vorfahren und Archiven wie in Amberg für die Oberpfalz. Der Wiesauer hat für den Stammbaum eine Ethnizitäts-Forschung in einem Berliner Institut machen lassen. "Das kostet 50 Euro und läuft mittels Stäbchen im Selbsttest ab." Lauth staunte nicht schlecht über das Ergebnis: Er sei zu 50 Prozent West- und zu sieben Prozent Osteuropäer. Festgestellt worden seien 26 Prozent eines Engländers, 13 Prozent eines Iren oder Schotten und zwei Prozent eines Asiaten.

Manches Mal stieß der erfahrene Schriftsteller an seine Grenzen. Sehr alte Archivdokumente sind in Altdeutsch verfasst oder müssten übersetzt werden, stammen Vorfahren aus anderen Ländern. "Da muss ich passen", so Lauth. Am Ende zählt der Glücksmoment. Wer unter den Hobby-Autoren nach allen Hürden sein eigenes Buch in Händen hält, fühlt sich "wie ein Autofreak, der endlich seinen Porsche unterm Hintern spürt".

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Amberg
Hintergrund:

Zur Person

  • Hans G. Lauth ist 68 Jahre alt. Er war Studiendirektor und Bauzeichner und arbeitete bis 2013 an der Berufsschule Wiesau.
  • Seit seiner Pensionierung schreibt er intensiv. Sein zweites großes Hobby ist Fotografieren. Vor einigen Jahren hat Hans G. Lauth die Autorengruppe „Grenzlandschreiber“ im Landkreis Tirschenreuth gegründet.
  • Seine drei Bücher „Grenzlaut(he), „Selbstlaut(h)e“ und „Laut(h)stark“ sind ab 2019 im Verlag Eckard Bodner erschienen.
  • Wegen der Pandemie hat Hans G. Lauth im September Online-Lesungen der Grenzlandschreiber für Youtube in die Wege geleitet sowie einen Online-Kurs „Kreatives Schreiben“ für das Evangelische Bildungswerk als Veranstalter angeboten.
  • Wegen Corona sind die von Hans G. Lauth regelmäßig anberaumten Lesungen der „Grenzlandschreiber“ in Friedenfels vorübergehend eingestellt. (ubb)
Hans G. Lauth hat drei Bücher geschrieben. Das vierte ist fertig, konnte wegen Corona aber bisher nicht öffentlich vorgestellt werden. Für sein fünftes Werk, die Familiensaga, ist der Heimatschriftsteller mit Recherchen beschäftigt.

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