12.05.2020 - 16:08 Uhr
WiesauOberpfalz

Alles vorbereitet für Corona-Studie im Landkreis Tirschenreuth

Die Feinabstimmungen für die Corona-Studie für den Landkreis Tirschenreuth laufen auf Hochtouren. Über die Teilnehmerauswahl, Testablauf und weitere offene Fragen informieren die örtlichen Verantwortlichen im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, BRK-Geschäftsführer Holger Schedl, BRK-Kreisbereitschaftsleiter Christian Stahl, Landrat Roland Grillmeier, Regierungsdirektorin Regina Kestel und Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz (von links) präsentierten in der Mittelschule Wiesau die Planungen für die Corona-Studie.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Corona-Studie („Prospektive Covid-19-Kohorte Tirschenreuth“, kurz: „TiKoCo19“) für den Landkreis Tirschenreuth soll dazu beitragen, die Lungenkrankheit besser zu erforschen. Bei der Vorstellung am Freitag in Regensburg, hatten die Studienleiter, Professor Ralf Wagner und Professor Klaus Überla, die grundsätzlichen Parameter vorgestellt (wir berichteten).

Das Forschungsprojekt soll einen Nachweis von Antikörpern gegen das Corona-Virus in der Bevölkerung liefern. Eine Stichprobenanalyse soll dabei Aufschluss über die Immunität in der Bevölkerung und damit auch über die Dunkelziffer der bereits mit dem Virus infizierten Personen geben. Vermutet wird, dass die Zahl der Menschen, die sich bisher infiziert hatten, weit mehr als die durch die Corona-Tests ausgewiesenen über 1.100 Personen beträgt. Wagner sprach von einem Blick in die Zukunft und eine Art Fernglas für einen Impfstoff.

Vorstellung der Corona-Studie in Regensburg:

Regensburg

Bei einem Gespräch in der Mittelschule Wiesau erläuterten nun die örtlichen Verantwortlichen die weiteren Schritte. Dabei hob Landtagsabgeordneter Tobias Reiß noch einmal, die sehr große Unterstützung für die Studie vor Ort hervor. Das hätten ihm auch die beiden Studienleiter bestätigt. Laut Landrat Roland Grillmeier sei nach der ersten Telefonkonferenz mit den Professoren Mitte April für ihn festgestanden, „dass wir das Rote Kreuz mit ins Boot holen“.

Das BRK profitiert dabei von seinen Erfahrungen aus den Blutspende-Terminen, wie Geschäftsführer Holger Schedl erklärte. Für die Studie habe seine Organisation das entsprechende Logistikkonzept ausgearbeitet. Wobei im Gegensatz zu einem Blutspendetermin nur drei bis fünf Milliliter Blut entnommen werden. „Das ist nur ein Piks. Jeder Teilnehmer ist nach rund fünf Minuten fertig. Aber wir machen daraus keinen Wettlauf“, stellte Schedl klar. „Kein Teilnehmer braucht Angst haben“, versicherte Regierungsdirektorin Regina Kestel.

Personell sei das Rote Kreuz gerüstet, ist sich BRK-Kreisbereitschaftsleiter Christian Stahl sicher. Und Schedl ergänzte: „Seit Krisenbeginn haben wir uns auf unsere Leute verlassen können. Dies wird diesmal genau so sein.“ Besonders wertvoll mache die Studie, dass auch Kinder getestet werden sollen. Dazu müsse aber noch ein Ethikrat seine Zustimmung geben.

„Wir sind startklar und haben uns gut vorbereitet“, fasste Landrat Grillmeier zusammen. Er gehe davon aus, dass die Bürger diese Studie unterstützen werden. Die erste Testreihe soll Anfang Juni erfolgen. Und das müssen die Bürger dazu wissen:

Wie werden die Personen ausgewählt?

„Es wird streng nach dem Zufallsprinzip ausgewählt“, machte Tobias Reiß deutlich. Die Teilnahme ist freiwillig. Um einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung zu bekommen, habe ein Biometriker eine Formel entwickelt.

Wie viele Personen werden getestet?

Es sollen 3600 Serumproben auf Antikörper gegen SARS2 untersucht werden. Wegen einer erwarteten Rücklaufquote von 80 Prozent werden insgesamt 4500 Bürger (ab 6 Jahre) angeschrieben. Deren Meldeadressen werden der Studienleistung übermittelt. Die Datenermittlung läuft über die Einwohnermeldeämter der Gemeinden.

Eine Konzentration auf Hotspots, wie beispielsweise Mitterteich, ist nicht vorgesehen. Laut Reiß werden aus den 26 Gemeinden des Landkreises jeweils fünf Prozent der Bürger ausgewählt.

Wie werden die Personen informiert?

Die ausgewählten Einwohner erhalten per Post ein Informationsschreiben, eine Einverständniserklärung und einen Kurzfragebogen. Im Informationsschreiben werden die Ziele der Studie dargelegt. Die Teilnahme erfolgt durch Unterzeichnung der Einverständniserklärung, Ausfüllen des Kurzfragebogens und Aufsuchen einer Blutabnahmestation.

Wo und wie läuft die Blutabnahme ab?

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) organisiert und betreibt die Blutabnahme an drei Stationen: ehemalige Schule Waldeck (Alte Straße), Mittelschule Wiesau und in Tirschenreuth (Ort noch nicht hundertprozentig festgelegt). Medizinstudenten der Universität Regensburg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unterstützen das BRK-Team. Die Blutabnahmen erfolgen in einem Zeitraum von zwei Wochen (jeweils von Montag bis Freitag, 16 bis 21 Uhr). An jedem Standort werden pro Tag 120 Personen getestet.

Der jeweilige Termin für die Blutabnahme steht im Informationsschreiben. Über eine Studien-Hotline kann auch ein alternativer Termin vereinbart werden. Bei erkrankten Personen ist auch ein Test zu Hause möglich.

Was passiert mit den Blutproben?

Die Einverständniserklärung, Blutproben, und Fragebögen werden in die Studienlabore nach Regensburg oder Erlangen transportiert. Nach der Ersterhebung (Anfang Juni) sind zwei Folgeuntersuchungen im Abstand von vier bis sechs Monaten mit denselben Teilnehmern vorgesehen. Die Ergebnisse der Screening-Tests werden den Probanden per Post zugeschickt.

Auch das Robert-Koch-Institut forscht im Landkreis Tirschenreuth:

Tirschenreuth
Im Blickpunkt:

RKI-Studie: Noch keine Ergebnisse

Nicht zu verwechseln ist die neue Corona-Studie („TiKoCo19“) mit den Nachforschungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Landkreis: Drei Epidemiologen sollen dabei herausfinden, warum es so viele Covid-19-Infizierte und Corona-Tote im Landkreis gibt (wir berichteten). Diese Studie blickt also zurück, wohingegen „TiKoCo19“ nach vorne gerichtet ist. Ergebnisse zur RKI-Studie liegen noch nicht vor. "Wir werden da nicht drängen", stellte Landrat Roland Grillmeier klar und verwies auf die Kritik zum Zwischenbericht der sogenannten Heinsberg-Studie. Viel lieber seien ihm saubere Untersuchungen und stichhaltige Ergebnisse. (rti)

Das Schulhaus in Waldeck ist einer der drei Standorte im Landkreis, an denen den Studien-Teilnehmern Blut genommen wird.
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