28.07.2021 - 09:55 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Trotz Diagnose Krebs: Alois Meller hat ein Herz für kranke Kinder

Alois Meller ist 74 Jahre alt. Er hat Krebs. 17 Operationen, über 40 Krankenhausaufenthalte liegen hinter ihm. Und doch sagt er: „Ich bin dankbar, dass ich ein schönes Leben habe“. Jetzt hilft er krebskranken Kindern.

Alois Mellers ganzer stolz: Die FC-Bayern-Chronik, die es weltweit nur 4111 Mal gibt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Der 74-Jährige hat Schweißperlen auf der Stirn. „Die Hitzewallungen kommen von der Hormontherapie, die ich gerade durchmache“, erzählt der Wernberg-Köblitzer im Gespräch mit Gunda Hagn, eine guten Bekannten, die zugleich im Vorstand der Kinderkrebshilfe Ostbayern ist. Alois Meller unterstützt sie mit einer großzügigen Spende.

Alois Meller lernt Großhandelskaufmann, obwohl er gerne Schlosser geworden wäre. Dann geht er zur Bundeswehr. „Die Russen waren 1968 in Tschechien einmarschiert. Ich hab das im Panzeraufklärungsbataillon IV hautnah miterlebt.“ Die wohl schönste berufliche Zeit folgte dann bei Karl Fleischmann, der Wernberger Kaufmanns-Legende, die die Ware im rollenden Laden auf die Dörfer brachte. Meller baute die Filiale im Wernberger Kinosaal mit auf. All das gibt es nicht mehr, Alois Meller wechselte zur Flachglas.

Dann kam die Krankheit: 2009 Diagnose Prostatakrebs. Meller igelt sich nicht ein. Seine Leidenschaft fürs Autofahren bleibt. Mit einem Kleintransporter macht er Kurierdienste. Auch jetzt ist er noch in ganz Europa unterwegs. Schweiz, Holland, Spanien: „Ich werde fürs Spazierenfahren bezahlt“, meint er lächelnd.

Alois Meller hält an seinen Hobbys fest: Die Berge und der FC Bayern. Die Dolomiten haben es ihm angetan. In der Drei-Zinnen-Kapelle hat er 1980 seine Lisa geheiratet. In den Dolomiten feiert er Geburtstag mit den Geschwistern und Freunden. Er liebt waghalsige Klettersteige, hat einen Absturz nur knapp überlebt. Trotzdem: Die Faszination ist geblieben.

Auch die Leidenschaft Fußball: Seit 1966 ist er FC-Bayern-Mitglied. Lange, bevor es die Fanclubs gegeben hat. Meller organisiert und fährt zu Pokalspielen. Das erste Mal „am 30. Mai 1967, als Bulle Roth in der 117. Minute das 1:0 gegen die Glasgow Rangers schoss“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Meller ist mit Franz Beckenbauer und Sepp Maier, mit Helmer und Elber per Du, mit Bayern-Größen wie Rummenigge und Hoeneß. „Sie sagen heute noch Servus Lois zu mir.“ 295 000 Mitglieder zählt der Verein. Meller hat die Mitgliedsnummer 988, ist stolz auf die ihm verliehene Bayern-Chronik, die es weltweit nur 4111 Mal gibt.

Der Wernberg-Köblitzer engagiert sich auch in der Jugendarbeit: Er denkt noch gerne an das Zeltlager des TSV Detag in Rimini zurück, sammelte die Poster aus den Bayernmagazinen, über die sich die Kindergartenkinder freuten und besorgte Fanartikel für Weihnachtsfeiern. Wenn er dann den Blick durchs Fenster in die Oberpfälzer Landschaft schweifen lässt, die er so liebt, sagt er schlicht: „Ich bin dankbar für mein schönes Leben“.

Ein Leben, das Kämpfen heißt. 2009 die Diagnose Prostatakrebs. Er hat gute Ärzte an seiner Seite, die ihm mit Implantaten und Therapien Lebensqualität zurück gaben. Meller schätzt die Ärzte der Urologie im Klinikum Weiden. „Wir sind Freunde geworden“. 2016 kam jedoch der Krebs zurück, griff die Knochen an. Die Nebenwirkungen der Therapie „waren brutal“. Er tauschte sich mit Politiker Wolfgang Bosbach aus, ebenfalls ein Betroffener.

Dann geht es ihm wieder gut, bis im April dieses Jahres ein erneuter Rückschlag kommt. 90 Tage dauert eine neue medikamentöse Therapie, dann zeigt sich, ob sie anspricht. Trotzdem fährt er weiter seine Auftragstouren. „Ich muss mich ablenken, ich bin glücklich wenn ich eine Aufgabe habe, wenn ich anderen helfen kann. Wenn ich fahre, bin ich ein zufriedener Mensch. Dann kann ich alles ausblenden.“

Oft schütten auch Menschen mit ähnlichen Krankheitsbildern Alois Meller ihr Herz aus. Sein Rat: „Vertrauen zu den Ärzten haben und positiv denken – das ist 50 Prozent der Heilung –, Kampfgeist entwickeln und ein Auge für die Schönheit der Heimat haben. Es ist ein Segen, hier leben zu dürfen. Und man muss auf sich schauen“. Meller geht ins Fitnessstudio, macht Yoga. „Wenn du nicht auf dich schaust, kannst du nicht für andere da sein, haben sie mir in der Therapie gesagt“. Und das wichtigste „ist ein Netz aus Familie und Freunden. Man erkennt wahre Freunde daran, wenn sie sich trauen, zu Besuch Krankenhaus zu kommen“.

Alois Meller will etwas zurückgeben: Das langjährige CSU-Mitglied hat im Wahlkampf 2020 Landrat Thomas Ebeling als Aushilfsfahrer zu vielen Veranstaltungen gefahren und aus arbeitsrechtlichen Gründen das Geld dafür "nehmen müssen". Zudem ließ sich der Dauerkartenbesitzer die zuschauerlosen Spiele in der Pandemie gut schreiben. Insgesamt spendet er daraus 1500 Euro für die Kinderkrebshilfe Ostbayern. Bei einem Leberkäsessen überreicht Alois Meller den Spendenbetrag an Herbert Putzer, den Vorsitzenden der Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz Nord. Auch Landrat Thomas Ebeling folgt gerne der Einladung: Als er von der Großzügigkeit seines Aushilfschauffeurs erfährt, stockt er die Spende spontan um einen weiteren Betrag auf

Es berührt, wie offen der 74-Jährige über seine Krankheit spricht. Er tut es bewusst: „Wie viele Menschen haben Krebs, wir haben doch nicht die Pest“. Er appelliert an jeden, das Netz der Vorsorgeuntersuchungen zu nutzen. Wo er er gebraucht wird, steht er zur Seite: Mit Therapieempfehlungen, mit Trost.

Auch Kommunionkinder helfen

Wernberg-Köblitz
Hintergrund:

Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord

  • "Wir können keine Krankheit heilen, aber Leid lindern“, umschreibt Vorsitzender Herbert Putzer die ehrenamtliche Arbeit des Vereins.
  • Die Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz Nord unterstützt krebskranke und schwerstkranke Kinder finanziell und durch persönliche Betreuung.
  • Familien wird auch bei wirtschaftlicher Hilfsbedürftigkeit und in sozialer Notlage geholfen.
  • Mit den zuständigen Ärzten, Kliniken und Therapieeinrichtungen wird ein Netzwerk geschaffen.
  • Die Kinderkrebshilfe in der Oberpfalz-Nord e.V. finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wer Mitglied werden will: Der Jahresbeitrag kostet zwölf Euro. Spendenkonto Vereinigte Sparkassen Neustadt/WN, IBAN: DE45 7535 1960 0300 0931 84

"Krebskranke Kinder und ihre Familien brauchen unsere Unterstützung".

Gunda Hagn, Dritte Vorsitzende der Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord und eine Freundin von Alois Meller

Gunda Hagn, Dritte Vorsitzende der Kinderkrebshilfe in der Region Oberpfalz-Nord und eine Freundin von Alois Meller

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