07.05.2021 - 20:07 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Was zum Muttertag in die Tüte kommt

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Wünsche zum Muttertag? "Ich hab keine", lächelt Christine Lippert. Ihre vier Kinder überraschen sie das ganze Jahr über mit Aufmerksamkeiten. Doch als Leiterin des Kinderhauses St. Anna wünscht sie sich einfach Normalität zurück.

Die Tüten, welche Eltern und Kindern Freude machen sollen, sind gefüllt. Sie wurden rechtzeitig zum Muttertag ausgeliefert.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

In Vor-Corona-Zeiten bastelten Kinder für Mami und Papi in der Kita St. Anna eine Überraschung, wurde ein Elterntag organisiert. Es gibt ja auch Väter in Elternteilzeit. Sie zum Muttertag einladen? Na ja. Der Elterntag war für Christine Lippert die richtige Antwort darauf. Doch wie der ganze Kindergarten befindet sich auch diese Traditionsveranstaltung im Corona-Modus. Als Ersatz hat Christine Lippert mit ihrem Team Überraschungstüten vorbereitet, denn etwa 60 Prozent der Buben und Mädchen sehen den Kindergarten derzeit nur von außen. "Wenn wir sie schon nicht drücken können, so müssen wird doch Wege finden, um Kontakt zu halten, zu den Kindern und zu den Eltern", meint die Kindergartenleiterin.

Seit 16 Jahren managt sie das Kinderhaus St. Anna mit im Schnitt 80 Kindern und insgesamt sechs Gruppen. Hinzu kommt die Schulkinderbetreuung. "Ohne mein engagiertes Team wäre das nicht möglich", erzählt Lippert. Auch auf Pfarrei und Kommune könne sie immer zählen. Doch wo früher ein turbulentes, unkompliziertes Kommen und Gehen war, ist es ruhig geworden. Wie in allen Landkreis-Kitas: Weihnachten musste der ohnehin schon eingeschränkte Regelbetrieb mit strenger Gruppendisziplin wieder eingestellt werden. Ein Großteil der Kinder ist zu Hause. Im Kinderhaus kann lediglich Notbetreuung angeboten werden.

Es gibt ein gesetzlich klar vorgegebenes Anforderungsprofil, welche Eltern diese Betreuung in Zeiten des Lockdowns in Anspruch nehmen können. Die Arbeitssituation spielt eine Rolle, auch ob Mutter oder Vater alleinerziehend sind. "Doch es gibt auch Situationen, wo Eltern einfach nicht mehr weiter wissen, ein paar Tage Luft holen oder etwas Unaufschiebbares erledigen müssen", erzählt Christine Lippert. "Homeschooling, Homeoffice, da kann dann eine Mutter oder ein Vater einfach nicht mehr. Keine Frage, das müssen wir einfach helfen", so die Leiterin. "Familien sollen doch funktionieren".

Der Kindergarten St. Anna ist derzeit zu 30 bis 60 Prozent ausgelastet. "Das ändert sich fast täglich und auf diese Unbekannte muss der gesamte Betrieb ausgerichtet werden. Christine Lippert hat sich in der Ausnahmesituation ihre Ausgeglichenheit bewahrt. Flexibilität, Improvisations- und Organisationstalent sind Tag für Tag gefragt. Jede Woche, meist am Donnerstag, wird den Kindern ein Zettel mitgegeben, um die Notbetreuung in der nächsten Woche abzufragen. SMS, Whats App, Diensthandy: Alle Kanäle werden bespielt, um eine Peilung zu bekommen: Wieviele Kinder kommen, wieviel Personal wird benötigt? Die Personalstärke 24 hört sich nach viel an. "Als Inklusionseinrichtung sind wir gut aufgestellt", so Christine Lippert. Doch es gibt Langzeitkranke, Mitarbeiterinnen mit Kindern, die auch Familie und Corona managen müssen, die bestimmte Arbeitszeitfenster haben, denen corona-bedingt freie Tage zustehen. Da wird die verfügbare Mitarbeiter-Decke schnell dünner. Dienstpläne erarbeiten ist zur Herausforderung geworden.

Lippert verdeutlicht: Es ist ja nicht so, dass Notbetreuung auch eine personelle Reduzierung bedeutet. Die Gruppen, ob mit vier oder zehn Kindern, dürfen nicht gemischt werden. Und wenn nun am kommenden Montag die Schule aufgrund der neuen gesetzlichen Inzidenz-Schwelle öffnet, müssen auch wieder die Schulkinder im Kindergarten versorgt werden, selbst wenn er noch im Notbetreuungsmodus fährt. Christine Lippert hat schon vor einigen Tagen den Personalplan gemacht.

An einen unbeschwerten Regelbetrieb denkt die Wernberger Kindergartenleiterin noch nicht. Sie sehnt sich allerdings wenigstens einen eingeschränkten herbei. "Wenn die Sieben-Tage -Inzidenz im Landkreis Schwandorf fünf Tage unter 100 liegt, darf am siebten Tag geöffnet werden", rechnet sie vor. Dann könnten wieder alle Kinder an Bord sein, doch nach wie vor in strikt getrennten Gruppen, möglichst auch mit getrenntem Personal. Steigt die Inzidenz dann an drei Tagen wieder über 100, hieße es Kommando zurück zur Notbetreuung. Normalen Regelbetrieb gäbe es erst ab einer Inzidenz unter 50. Die behördlichen Vorgaben erreichen die Kindergärten, da inzidenzabhängig, kurzfristig. "Schnell rauf oder runterfahren, den Kita-Betrieb darauf ausrichten, das ist die eigentliche Herausforderung", so Lippert.

"Denn der Umgang der Kinder mit Corona, das hat sich eingespielt", berichtet die Leiterin. "Hände waschen, Maske tragen, das ist alles kein Problem". Statt künstlich Projekte hochzuziehen, wird der Alltag gelebt. Kinder helfen neben Spielen und Basteln bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, legen auch mal Handtücher zusammen, waschen sich nach entsprechender Anleitung gewissenhaft die Hände. "Das klappt super", erzählt Christine Lippert. Wenn die Kleinen ihren Gruppenraum verlassen, in andere Räume, zu anderen Kindern oder auf die Toilette gehen, setzen sie wie selbstverständlich die Maske auf. Und Frühstück gibt es jetzt am Buffet, "wie im Hotel". Das Personal ist geimpft, zwei Mal in der Woche wird ein Selbsttest gemacht. "Denn man kann es drehen und wenden wie man will, unser Beruf ist nicht kontaktlos", so Christine Lippert. "Wenn ein Kind hinfällt und weint oder einfach Kuschelnähe sucht, kann ich nicht auf zwei Meter Abstand gehen. Das muss ich doch auch drücken und in den Arm nehmen."

Denjenigen, die derzeit nicht ins Kinderhaus kommen dürfen, fehlt dieser Kontakt. Wie das Defizit ausgleichen? Kontakt halten Kita-Team, Eltern und Kinder über die Kindergarten-App, Newsletter, Homepage und das Diensthandy. Da gibt es aufmunternde Videobotschaften, liebe Briefe und Fotos, Basteltipps, Gewinnspiele und Grüße, die am Gartenzaun hängen. Ostern wurden den Kindern kleine Nester vor die Tür gestellt und für den Muttertag hat das Personal Tüten mit Sonne und Herz verziert. Was da alles zum Vorschein kommt: Fotos von den Kindern auf Seifenspender gelebt und mit einem Herzgruß versehen, eine Karte für die Eltern, je nach Alter Bastelanleitungen, was zum Lernen, Spielen und Expermentieren. Das Material gibt es gleich dazu. Christine Lippert ist froh, dass Eltern und Kindergarten so verständnisvoll zusammenarbeiten: "Auf beiden Seiten". Jetzt hat Christine Lippert mit Blick auf Mäuse-, Eisbären-, Käferl-, Schneckerl- und Fledermausgruppe doch noch einen Muttertagswunsch: "Dass wir sie bald wieder komplett im Haus haben".

Zum Muttertag darf auch gebacken werden

Amberg

"Ich wünsche mir, dass wir bald alle Kinder wieder hier im Haus haben".

Kindergartenleiterin Christine Lippert

Kindergartenleiterin Christine Lippert

Die Tüten, welche Eltern und Kindern Freude machen sollen, sind gefüllt. Sie wurden rechtzeitig zum Muttertag ausgeliefert.
Eine nette Idee in Corona-Zeiten: Seifenspender mit dem Bild der Kindergartenkinder.
Die Freude ist groß: Da sind viele schöne Bastelsachen drin.
Hintergrund:

Kindergärten im Landkreis Schwandorf

  • Betreut werden 5961 Kinder in 96 Einrichtungen.
  • Es gibt 41 Kindergärten 41, 19 Kinderkrippen, 5 Hort-Einrichtungen, 31 Häuser für Kinder
  • Notbetreuung: Alle Einrichtungen bieten Notbetreuung an. Die Zahl der Kinder in den Notbetreuungen variiert täglich.
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