30.07.2021 - 17:00 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Feuerwehrführung im Landkreis Schwandorf unterwegs in neuem Fahrwasser

Keine100 Tage nimmt sich Kreisbrandrat Christian Demleitner Zeit, um die Feuerwehrführung neu aufzustellen. Jetzt ist sein Team komplett. Vier Posten sollen die Rolle als Dienstleister für den gesamten Landkreis Schwandorf untermauern.

Der neue Kreisbrandrat Christian Demleitner (rechts) kann jetzt auf neue Fachstellen bauen. Dazu gehört auch der Bereich, den Hans-Jürgen Schlosser abdeckt: Medienarbeit, Bevölkerungsinformation, Gefahrgut und Umwelt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Mitten in der Corona-Pandemie hat Christian Demleitner aus Wernberg-Köblitz sein Amt als Kreisbrandrat angetreten. "Ich wusste ja, was auf mich zukommt", sagt der 42-Jährige angesichts der Herausforderungen, mit denen er sich nach seiner Wahl am 7. März konfrontiert sah. Am 16. Mai übernahm er dann offiziell das Amt von Vorgänger Robert Heinfling. Seither ist viel passiert: Neben bewährten Kräften für die jeweiligen Gebiete steht ein ganz neues Team in den Startlöchern.

"Im Benehmen mit dem Landratsamt kann jeder Kreisbrandrat seine Inspektionen so aufstellen, wie er es für sinnvoll hält", informiert Demleitner zusammen mit Pressesprecher Hans-Jürgen Schlosser über die neuen Strukturen. Fachthemen bei der Ausbildung im Landkreis, die Bedeutung der Medien, die Sozialen Netzwerke: Vielen neuen Entwicklungen will er mit einem Konzept begegnen, das unter Kreisbrandinspektor Christoph Beier eine Art "Dienstleistungsgesellschaft für die Feuerwehren im Landkreis" etabliert. Mit im Boot sind dort die Kreisbrandmeister Josefine Duscher (Aus- und Fortbildung), Hans-Jürgen Schlosser (Medienarbeit, Bevölkerungsinformation, Gefahrgut Umweltschutz) und Stefan Schmid (Atemschutz). Sie sollen im gesamten Landkreis Ansprechpartner sein für die jeweiligen Fachthemen.

Digitale Flammen

"Allein Corona hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt", berichtet der Kreisbrandrat. Ansteckungsgefahr, Hygienekonzept, Ausbildungsstau, ständig neue Anpassungen – "da war sehr viel Kommunikation erforderlich". Wie in vielen Wirtschaftsbereichen ist auch bei der Feuerwehr die "Digitalität immer präsenter geworden", sagt Schlosser und verweist zum Beispiel auf einen digitalen Funklehrgang. Zumindest die Theorie habe man so abdecken können. "Eine Online-Schulung, das war früher unvorstellbar", merkt Demleitner an. Gleichzeitig habe man gemerkt wie viel schneller man durch ein "Zusammenschalten" bei bestimmten Themen" agieren könne. "Ein Stück weit können wir das, was uns Corona beschert hat, jetzt implementieren", meint der 42-Jährige. Ein Vorteil: Der Feuerwehrdienst wird flexibler, wenn Mitglieder nicht kilometerweit zum Treffen fahren müssen, sondern sich "einwählen" können.

"Hut ab vor jedem Einzelnen, der in den vergangenen Monaten dazu beigetragen hat, den Dienstbetrieb aufrecht zu erhalten", meint Schlosser, zu dessen Aufgabengebiet neben Medienarbeit und Bevölkerungsinformation auch Gefahrgut und Umweltschutz gehören. Ein Kommandant, das sei heutzutage ein kleiner Manager, einer der beispielsweise auch die Brandschutzberatung für Kommunen übernehmen müsse. Einsätze seine mittlerweile der kleinere Part. Umso wichtiger sei da ein Ansprechpartner im Landkreis.

"Jeder Gruppenführer bringt sich ein", berichtet er und erzählt von Planspielen, bei denen sich digital die Flammen in 3D-Karten einfügen lassen. Selbst wenn es um Feste geht, könne man auf die kreative Ideen bauen. Unvergessen für Demleitner: der Autokorso zum 65. Geburtstag seines Vorgängers oder der "Wern-Burger", der in seinem Heimatort ganz ohne Johannisfeier zum Mitnehmen angeboten wurde.

Dass nun neben den Gebietsinspektionen Fachstellen eingerichtet werden, wird mit den gestiegenen Anforderungen an die einzelnen Feuerwehren begründet. "Das alles könnte ein Einzelner auf Ortsebene gar nicht stemmen", meint der 42-Jährige. Täglich rollen über unsere Autobahn Gefahrgut-Transporter", gibt Schlosser zu bedenken. Atemschutz werde immer wichtiger, die jüngste Flut-Katastrophe habe gezeigt, wie wichtig Infos für die Bevölkerung sind. "Es ist eine spannende Zeit, weil viele unterschiedliche Themen innerhalb kürzester Zeit auftauchen", zieht der Kreisbrandrat Bilanz.

Bereit für Veränderungen

In dieser "Umschwungzeit" will Demleitner auch die Jugend- und Kinder-Feuerwehrarbeit nicht aus den Augen verlieren. "Wir müssen junge Menschen für unsere Arbeit gewinnen, dazu haben wir eine Verpflichtung", gibt er zu bedenken. Bei insgesamt 159 Feuerwehren im Landkreis, darunter zwei Werks-Feuerwehren, gibt es aktuelle 24 Kinderfeuerwehren mit Eintrittsalter sechs statt wie früher zwölf Jahre. Das Fachgebiet Nachwuchs- und Jugendarbeit liegt bei Christoph Spörl, der als Kreisbrandmeister direkt dem Kreisbrandrat unterstellt ist. "Flexibilität begleitet uns hier mehr denn je", räumt der Neue an der Feuerwehrspitze ein und strahlt beim Gedanken an die ersten Leistungsabzeichen, die nun wieder möglich waren. "Wir werden nicht alles umsetzen können, aber wir haben einen Ideen-Pool und packen aus, was möglich ist."

Mit nachzuholenden Jahreshauptversammlungen, verschobenen Gründungsfesten und Ehrungen wartet viel Arbeit auf den Newcomer, dem auch klar ist, dass der Feuerwehrdienst von der Kameradschaft lebt, von praktischen Übungen und dem "danach". Es sei der Zusammenhalt, der nun Mut mache, nach vorne zu schauen. Mit dem neuen Team sieht sich der Kreisbrandrat jedenfalls für Zukunft und Wandel gerüstet: "Wenn jetzt alles Struktur gewinnt, wird sich auch die Feuerwehr ein Stück weit verändern."

So lief die Wahl zum Kreisbrandrat

Schwandorf
Kreisbrandrat Christian Demleitner hat die Feuerwehrführung im Landkreis Schwandorf neu strukturiert und um Fachstellen erweitert.
Ohne rotes Auto, dafür mit einem schnell zu installierenden Blaulicht ist Kreisbrandrat Christian Demleitner im Notfall unterwegs.
Hintergrund:

Der Feuerwehr-Chef und sein Team

  • Der Neue: Kreisbrandrat Christian Demleitner, Jahrgang 1978, kaufmännische Ausbildung, Filialleiter bei Wernberger Unternehmen, mit 14 Jahren bei der Feuerwehr Oberköblitz, 2003 Leiter der Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung, 2012 Kreisbrandmeister, 2013 Kommandant, seit Mai Kreisbrandrat.
  • Nachwuchs- und Jugendarbeit: Christoph Spörl
  • Im Süden: Kreisbrandinspektor (KBI) Thomas Schmid mit den Kreisbrandmeistern (KBM) Klaus Brunner (auch Stadtbrandinspektor Schwandorf), Heinrich Seltl, Markus Dechant, Allen Patrick.
  • Im Osten: KBI Richard Fleck mit den KBM Peter Killermann, Christian Weinfurtner, Konrad Hoch und Ferdinand Duscher.
  • Im Norden: KBI Helmut Schatz mit den KBM Andreas Ringlstetter, Günther Ponnath, Stefan Sattich, Dieter Schweiger.
  • Fach- und Ausbildung: KMI Christoph Beier mit den KBM Hans-Jürgen Schlosser, Josefine Duscher und Stefan Schmid.

"Wenn jetzt alles Struktur gewinnt, wird sich auch die Feuerwehr ein Stück weit verändern."

Kreisbrandrat Christian Demleitner

Kreisbrandrat Christian Demleitner

"Ein Kommandant ist heutzutage ein kleiner Manager. "

Kreisbrandmeister Hans-Jürgen Schlosser

Kreisbrandmeister Hans-Jürgen Schlosser

 

 

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