29.07.2020 - 13:28 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Weiherhammerer Eltern kritisieren: Auslagerung einer Kindergartengruppe fühlt sich wie Rauswurf an

Im Schlichtungsgespräch wegen der Auslagerung einer Kindergartengruppe in die Schule sind alle Parteien um Vermittlung bemüht. Dennoch kochen immer wieder die Emotionen hoch. Optimal ist der Vorgang nicht gelaufen.

Im Kinderhaus St. Barbara ist nicht genug Platz für alle Buben und Mädchen. Eine Kindergartengruppe soll deswegen übergangsweise in die Schule umziehen. Eine Lösung, die den Eltern Sorgen bereitet
von Stefan NeidlProfil

Behörden und Gemeinde hatten beschlossen, eine Kindergartengruppe des Kinderhauses St. Barbara im Keller der Schule unterzubringen. Platzmangel im katholischen Kindergarten macht diese Übergangslösung notwendig, bis ein geplanter Neubau fertig ist. Vielen Eltern passt dies nicht. Sie wollen ihren Nachwuchs nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen, befürchten fehlendes pädagogisches Angebot und fordern ein Konzept, wie der Umzug von Kindergarten in die Schule funktionieren solle. Die Fronten sind verhärtet.

Gemeindevertreter, Elternbeirat, Jugendamt, Kirche und weitere besorgte Eltern trafen sich im Sportheim der TSG Weiherhammer, um den Fall zu besprechen und Unstimmigkeiten aus der Welt zu schaffen. Andrea Schmid ist Mutter und bemängelte die Berichterstattung zur vorangegangenen Gemeinderatssitzung. Ihre Aussagen seien darin gekürzt worden und damit aus dem Kontext gerissen - dies habe unnötige Schärfe in die Sache gebracht. Die Vertreter der Eltern hatten drei Gegenkonzepte zum geplanten Umzug einer Gruppe in den Schulkeller vorbereitet und präsentierten sie im Schlichtungsgespräch (Infokasten).

CSU-Fraktionssprecher im Gemeinderat Julian Kraus fand die Vorschläge zu teuer. Die Kosten für die Container bewegten sich zwar im Bereich des Umbaus der Schulkeller, jedoch sei dabei noch keinerlei Inventar eingeplant. Bürgermeister Ludwig Biller wollte die Kosten nicht in den Vordergrund stellen, schließlich gehe es um die Zukunft der Kinder. Aber für die vorgeschlagenen Projekte seien Verträge mit der Kirche als Eigentümer des Areals notwendig, darum bevorzuge er die Umlagerung der Kinder in ein gemeindeeigenes Gebäude. Pfarrer Varghese Puthenchira hielt die Vorschläge auch für nicht genehmigungsfähig, da die Diözese bereits andere Baumaßnahmen gestattet habe und sich eher restriktiv verhalte.

Gemeinderat Wolfgang Krauß war selbst Schulamtsdirektor und kennt sich in der Materie aus. Er lobte die Mühe der Eltern für die Präsentation, hinterfragte aber gleichzeitig: "Warum dieser Aufwand? Was spricht gegen den Umzug in die Schule? Warum wird die Expertise von Fachleuten in Frage gestellt?" Damit begann die geforderte Aussprache.

Melanie Lehnert fühlte sich schlecht informiert und durch die Entscheidung überrumpelt. Über Detailfragen seien die Eltern nicht aufgeklärt worden: Dürfen Kinder den Spielplatz zu Schulzeiten trotz des Lärms uneingeschränkt nutzen? Ist das Mittagessen sichergestellt? Warum wird eine bestehende Gruppe trotz eines laufenden Vertrages aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen, anstelle eine neue Gruppe gleich dort zu integrieren? Ist es wahr, dass die Kinder um 13.30 Uhr das Gebäude verlassen müssen? Wie läuft der Transfer von Veranstaltungen im Kinderhaus zur Schule und zurück, gerade im Winter? Wenige Informationen und viele Gerüchte sorgten für Unsicherheit.

Über einiges konnte Isabella Schmid vom Fachreferat für Kindertageseinrichtungen der Caritas aufklären, für anderes sei es zu früh, um ein genaues Konzept zu entwickeln. Sie bat um Verständnis, nicht 120 Eltern in die Entscheidungsfindung einbeziehen zu können. Der Elternbeirat sei bei Sitzungen geladen gewesen. Andreas Schmid bemängelte, dass das Protokoll dieser Sitzung erst nach zehn Tagen freigegeben worden sei - viel Zeit für Ungewissheit und neue Spekulationen. Bürgermeister Biller wollte sich in das Konzept nicht einmischen - dies sei Aufgabe der zuständigen Fachstellen.

Christine Riedel bedauerte, dass durch das Auseinanderreissen der Gruppen nun ihrem Kind die pädagogische Maßnahme des Patenkinderkonzepts genommen werde. Andrea Schmid erinnerte daran, dass das Personal ebenso vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei und unter der Entscheidung leide. Für Katharina Häußler fühlt sich die Versetzung wie ein Rauswurf an.

Andrea Höning, Leiterin des Jugendamtes, glaubt nicht, dass die Kinder unter der Verlegung leiden. Ihren Erfahrung zufolge sind es meist die Eltern, die eher ein Problem mit solchen Situationen haben. Sie bat darum, die eingesetzte Energie für die Integration zu nutzen. Mitarbeiterin Susanne Kick bat um einen Vertrauensvorschuss, damit die zuständigen Fachstellen zeigen können, dass der Umzug die beste Lösung sei. Im Gegenzug bat die Elternseite um mehr Transparenz und Einbeziehung in die Erstellung des Konzepts.

Vertreter der Eltern machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und legen Gegenvorschläge zur geplanten Verlagerung einer Gruppe in den Schulkeller vor.
Eine Kindergarten-Gruppe soll übergangsweise in den Keller der Grundschule umziehen. Im Kinderhaus ist es zu eng geworden. Ein Neubau ist in Planung.

Die geplante Übergangslösung für die Kinder der Gruppe Fuchsbau wird schon seit geraumer Zeit heftig diskutiert.

Weiherhammer
Gegenvorschläge der Eltern:

Container oder ein Modulbau

Die Vertreter der Elternseite waren für das Schlichtungsgespräch gut vorbereitet: Sie hatten drei Gegenkonzepte zum geplanten Umzug einer Gruppe in den Schulkeller vorbereitet: Eine Container-Lösung mit 144 Quadratmetern würde einen Gruppenraum, einen Nebenraum, ein WC, einen Aufenthaltsraum, ein Büro und Schlafmöglichkeiten bieten. Dies würde einmalig 26 000 Euro sowie weitere 40 000 Euro im Jahr Miete kosten.

Eine kleinerer Container mit 72 Quadratmetern würde nur Gruppen- und Nebenraum sowie Toiletten bieten, dafür wären einmalig 17 000 Euro und 22 000 Euro Miete im Jahr aufzubringen. Beide Alternativen benötigen ein Fundament und könnten entweder an das bestehende Gebäude oder am Ausgang der Kinderkrippe aufgestellt werden. Eine Schaukel müsste vielleicht versetzt werden, Erdbewegungen wären nicht nötig. Andrea Schmid betonte, dass beide Möglichkeiten günstiger als der Umbau des Schulkellers wären.

Die dritte Variante wäre ein Modulbau. Dieser sei nachhaltiger, könnte versetzt oder wieder verkauft werden. Für Modul, Fundamente, Anschluss von Leitungen , Planungen und Statikberechnungen würde dieser allerdings 1,5 Millionen Euro kosten.

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