19.06.2019 - 12:24 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Ein Klassiker, der schmerzt

Langgehegter Traum: Ralph Egeter, Benedikt Ach, Michael Herrmann und Florian Bösl überqueren mit dem Mountainbike auf der "Albrecht-Route" die Alpen.

Florian Bösl (von links), Ralph Egeter, Benedikt Ach und Michael Herrmann machen Pause am Stausee am Reschenpass und sind nicht mehr weit von ihrem Endziel entfernt.
von Autor LSTProfil

Seit knapp einer Woche sind Ralph Egeter, Benedikt Ach, Michael Herrmann und Florian Bösl wieder zurück in Deutschland. Noch schmerzen die Beine und das Sitzfleisch etwas. Aber all die Anstrengungen waren es unterm Strich absolut wert. "Eine unvergessliche Reise", blickt der 29-jährige Egeter, ehemaliger Fußballer der SpVgg SV Weiden und der DJK Ammerthal, der in der neuen Saison den Kreisklassisten TuS Schnaittenbach als Spielertrainer betreuen wird, zurück. Zusammen mit seinen drei Freunden aus Weiherhammer und Schirmitz hatte er vom 8. bis zum 13. Juni mit dem Mountainbike erstmals die Alpen überquert.

"Der Alpencross war ein langgehegter Traum, den wir uns jetzt endlich erfüllt haben", erzählt Egeter. Zusammen mit seinen Kumpels plante er in den vergangenen drei Jahren die Tour, die aber aus verschiedensten privaten und beruflichen Gründen immer wieder verschoben werden musste, aber heuer endlich realisiert wurde. Dabei nahmen die vier ursprünglich die sogenannte "Albrecht-Route" ins Visier.

Ins Hochgebirge

Hier handelt es sich um eine Mountainbike-Strecke, die in sieben Tagen durch Hochgebirgsregionen der Alpen von Garmisch-Patenkirchen nach Torbole am Gardasee führt. Sie wurde von Andreas Albrecht ausgearbeitet und im Jahr 2004 das erste Mal auf dessen Website veröffentlicht. Unter den zahlreichen Alpencross-Routen gilt sie als Klassiker.

Sie ist nicht eigens ausgeschildert, nur im Sommer fahrbar, führt ins Hochgebirge und nimmt Schiebestrecken in Kauf. Die "Albrecht-Route" überwindet auf einer Strecke von rund 490 Kilometern eine Differenz von knapp 12 000 Höhenmetern. Für sie existieren neben der siebentägigen Hauptroute verschiedene Abkürzungen und Alternativstrecken, um etwa im Falle schlechten Wetters oder Schnees auf den hohen Pässen weiterzukommen. "Diese Alternativen mussten wir dann auch in Anspruch nehmen", sagt Egeter. Denn aufgrund des Kälteeinbruchs und der noch vorhandenen Schneemassen konnte die ursprüngliche "Albrecht-Route" nicht befahren werden. Am Ende standen dennoch 430 Kilometer und 10 100 Höhenmeter in sechs Tagen zu Buche.

"Und das war richtig gut anstrengend", erinnert sich der 29-Jährige, der mit seinen drei Freunden bei der Höhenmeterzahl unbedingt fünfstellig sein wollte. "Eigentlich ist man zum Teil auf über 2500 Meter Meereshöhe unterwegs. Aber wegen des Schnees, selbst die Hüttenwirte warnten uns davor, fuhren wir nicht höher als 2000 Meter", berichtet Egeter. Zumal schon im Vorfeld die Reise aufgrund der Bedingungen lange auf der Kippe gestanden war.

Technik und Kondition

Die Strecke mit dem Mountainbike über die Alpen verlangt dabei einiges an Fahrtechnik und Kondition. "Flo und Benedikt haben sich darauf vorbereitet und trainiert. Michael und ich überhaupt nicht. Nachdem wir allesamt Sportler sind, dachte ich, dass die Tour auch so zu schaffen wäre", erklärt Egeter. Im Nachhinein taten er und Michael Herrmann das auch, allerdings haben man "schon den Unterschied zu den beiden anderen gemerkt".

Unvergessen bleibt dabei der zweite Tag der Tour: "Da musste ich ganz schnell feststellen, dass Mountainbiken im Gebirge eine komplett andere Belastung als Fußballspielen ist. Ich hatte so einen brutalen Muskelkater, dass ich fast die Treppe nicht mehr runtersteigen konnte. Aber die positive Stimmung und Gruppendynamik helfen dabei, weiter zu machen. Nach ein paar Kilometern lief es dann auch wieder", sagt Egeter.

Steile Anstiege

Dabei waren die ersten 83 Kilometer und 1550 Höhenmeter von Garmisch-Patenkirchen über den Fernpass nach Landeck eigentlich noch zum Eingewöhnen. Doch spätestens am zweiten Tag spürt jeder Alpencrossler die Beine immer mehr. Die nächsten Tage durch die Berge folgten einem festen, immer härter werdenden Rhythmus: morgens steile Anstiege, am späten Nachmittag dann rasche Abfahrten ins Tal. Die Königsetappe der Tour war dabei bereits am zweiten Tag von Landeck nach Nauders mit 2100 Höhenmetern und einer Länge von 60 Kilometern. Es folgten die Etappen von Nauders nach Goldrain über den Reschenpass (1640 Höhenmeter und 77 Kilometer), von Goldrain nach Oberplanitzing (1450 Höhenmeter und 87 Kilometer), von Oberplanitzing nach Cavedago entlang der Weinstraße und über den Mendelpass (2080 Höhenmeter und 71 Kilometer) und zum Abschluss von Cavedago nach Riva del Garda am Gardasee (1400 Höhenmeter und 61 Kilometer).

"Es geht in die Knochen, denn wir sind ja nicht mit E-Bikes gefahren und waren größtenteils im Wald unterwegs", weiß Egeter. Eben eine Extrembelastung und Grenzerfahrung für die vier Jungs, die auch oftmals die Räder tragen mussten. So beispielsweise am zweiten Tag, als ein Teil der Strecke wegen Waldarbeiten eigentlich komplett gesperrt war. "Aber am Sonntag wurde Gott sei Dank nicht gearbeitet, so dass wir mit unseren Rädern einfach über die Baumstämme kletterten", so der Weiherhammerer.

Begegnungen

Natürlich hätte man an vielen Stellen mit Gondel und Bus schummeln können, was für die vier Freunde aber nicht infrage kam. Dafür begegneten ihnen auf diesem schwierigen Passagen immer wieder interessanten Menschen: Wie die Wirtin einer Pension, in der sie ihre Zimmer gebucht hatten. Zunächst fanden die vier den neu renovierten Bauernhof nicht. Als sie dann weit nach 18 Uhr nach über neun Stunden auf dem Rad dort angekommen waren, sprach die Gastgeberin nur Italienisch, die vier Oberpfälzer jedoch nur Englisch und Deutsch. "Irgendwie sind wir dann doch zusammengekommen. Die Frau war so nett und hat uns schließlich sogar ihr Auto überlassen, damit wir noch zum Abendessen fahren konnten", blickt Egeter zurück.

Apropos Rückblick: Nachdem sie in Italien ankamen und der Gardasee sichtbar wurde, wussten sie: Das Ziel war alle Strapazen wert. "Wir alle lieben das Mountainbiken und Outdoor-Sportarten. Die Landschaften, durch die wir gefahren sind, waren einmalig. Man erlebt viele ansonsten nicht so wichtige, kleine Dinge viel intensiver und bewusster", berichtet Egeter. Daher ist klar: "Wir werden das sicherlich nochmals im August oder September machen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir noch unbedingt auf die Gipfel wollen." Auch wenn es schmerzt ...

Der Weg ist das Ziel, wobei hier der Endpunkt der Tour für Ralph Egeter nur noch einen Kilometer entfernt ist.
Offroad-Qualitäten waren nicht nur einmal gefragt…
Eindrucksvolle Landschaften hatte der Alpencross für die vier Oberpfälzer parat.
Da ist das Ding: Ralph Egeter bejubelt in Torbole seine erste Alpenüberquerung mit dem Mountainbike.
Sonntag ist Ruhetag: Gott sei Dank, so konnten die Jungs aus Weiherhammer und Schirmitz einen wegen Baumfällarbeiten gesperrten Weg dennoch bewältigen.
Die Gipfel der Alpen mit Schnee bedeckt: Deshalb konnten die vier Freunde die „Albrecht-Tour“ nicht in ihrer originären Streckenführung befahren und mussten immer wieder improvisieren.
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