25.02.2021 - 11:18 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

IG Metall will bei BHS Corrugated Zähne zeigen und fordert vier Prozent mehr Lohn

Die BHS Corrugated trotzt mit Bravour den Stürmen des covidgebeutelten Weltmarkts und investiert nebenbei 40 Millionen Euro. Doch nun heben auch die Beschäftigten in der Metallindustrie die Hand. Nicht nur in Weiherhammer.

Mitarbeiter in Fertigung und Montage der BHS Corrugated haben derzeit gut zu tun. Durchaus ein Grund für Lohnerhöhungen, finden Betriebsrat und IG Metall.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Am 1. März endet die Friedenspflicht in der Metallindustrie. Dann will die IG Metall vier Prozent mehr Lohn durchsetzen. Dies soll teils als Gehaltserhöhung erfolgen, teils als Ausgleich, wenn Betriebe die Arbeitszeit auf eine Vier-Tage-Woche runterfahren, um Jobs zu retten. Dazu kommen Forderungen nach der Übernahme von Azubis und Altersteilzeit.

All das will die Gewerkschaft auch bei einem der größten Arbeitgeber der Region festschreiben, der BHS Corrugated. Betriebsratsvorsitzender Stefan Roth und Udo Fechner von der IG Metall Amberg sehen dafür durchaus Spielraum. "2020 war ein sehr schwieriges Jahr, aber wir haben es fast unbeschadet überstanden", erklärt Roth. Die Kurzarbeit sei mittlerweile ausgesetzt, Neueinstellungen und die Anheuerung von Leiharbeitern bestätigten einen Aufwärtstrend. Dazu passe auch, dass Fertigung und Montage über Monate im Voraus ausgelastet seien. Zwar seien die Deckungsbeiträge beim Maschinenverkauf nicht optimal, dafür explodiere aber der Ersatzteilvertrieb. Das sei durchaus der richtigen Weichenstellung der Geschäftsführung zu verdanken, unterstreicht Roth. Ebenso begrüßt er deren Pläne, in Weiherhammer 40 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum zu investieren, was im ersten Schritt mindestens 70 neue Arbeitsplätze bringe.

Trotzdem bleibe immer noch genug für dickere Lohntüten. Die Arbeitnehmer hätten Einbußen durch Kurzarbeit sowie höhere Öl- und Benzinpreise schlucken müssen. Die Unternehmen hätten auf der anderen Seite Zuschüsse für die Kurzarbeit kassiert, was auch zum Erhalt der Arbeitsplätze beigetragen habe. Daher müsse eine "vernünftige Lösung" möglich sein.

Dazu sind die Metaller bereit, Pflöcke einzuschlagen. "Wir haben 21 Betriebe zu Aktionen aufgerufen", lässt Fechner die Muskeln spielen. Die IG Metall Amberg vertritt rund 16000 Arbeitnehmer in der nördlichen und mittleren Oberpfalz.

Sie will nicht, dass ihre Betriebsräte separat mit den Arbeitgebern über Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen verhandeln müssen, wie es die Unternehmerseite fordert. Die sieht wegen Corona keine Möglichkeiten für höhere Gehälter. Würde sich der Betriebsrat auf individuelle Vereinbarungen mit den Geschäftsführungen einlassen, würde er sich beispielsweise das Streikrecht aus der Hand wringen lassen, fürchten Fechner und Roth. "So etwas in einer schwierigen Zeit ausnutzen zu wollen, ist beschämend."

Auf Krawall gebürstet klingen beide nicht. Sie anerkennen, dass die BHS-Chefetage aus einer Entlassungswelle 2008 gelernt habe, dass Fachkräfte nicht mit einem Fingerschnippen wiederzugewinnen seien. Auch die Übernahme sämtlicher Lehrlinge in den vergangenen Jahren sei weitsichtig gewesen. Diesen Weg weiterzugehen, sei wichtig. Denn: "Uns rennen die Kollegen die Tür ein, weil sie in den Vorruhestand wollen", sagt Roth. Das treffe vor allem den kaufmännischen Bereich. Der Grund: Viele ältere Kollegen hätten zusehends Schwierigkeiten, mit der Digitalisierung Schritt zu halten.

Dagegen helfe nur Weiterbildung, erklärt Fechner. Viele Arbeitgeber sträubten sich aber, dies in ein Tarifwerk einzubauen. Roth lobt an dieser Stelle die BHS Corrugated als Ausnahme. Durch das Überbetriebliche Bildungszentrum Oberpfalz (ÜBZO) geschehe in Weiherhammer sehr viel.

Das Wort Streik fällt in diesem Zusammenhang nicht. Ausschließen wollen es die Gewerkschafter jedoch keineswegs. Es wäre seit Langem der erste Arbeitskampf am Beckenweiher. Mit harten Bandagen wurde dort vor allem 2002 um Löhne und Arbeitsbedingungen gerungen. Am Ende verließ die BHS Corrugated den Arbeitgeberverband und damit die Tarifgemeinschaft. Nach der Finanzkrise 2008 kehrte sie in diese Strukturen zurück.

Die Logistikpläne der BHS Corrugated

Weiherhammer

"Uns rennen die Kollegen die Tür ein, weil sie in den Vorruhestand wollen."

Stefan Roth, Betriebsratsvorsitzender der BHS Corrugated

Stefan Roth, Betriebsratsvorsitzender der BHS Corrugated

 

 

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