14.06.2021 - 16:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zwei Tote: Was ist los an Weidens Gewässern?

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Eine Frau wird tot aus dem Weidingbach in Weiden geborgen. Neun Tage später wird eine leblose Frau nahe des Flutkanals gefunden. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen drei Jugendliche: Ihr Freund starb im Flutkanal.

Friedlich liegt der Flutkanal in diesen Tagen da. Zuletzt aber kämpften Rettungskräfte auf dieser Brücke um das Leben einer 74-jährigen Frau, nachdem sie zuvor wohl unglücklich im Wasser gelandet war.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Unglücke an Weidens Fließgewässer wie Weidingbach und Flutkanal häuften sich zuletzt. Am Pfingstsonntag fanden Spaziergänger eine leblose durchnässte Frau auf einer Brücke am Flutkanal. Die 74-Jährige war stark unterkühlt, erst Rettungskräfte konnten sie stabilisieren. Nur neun Tage zuvor konnten Rettungskräfte eine 50-Jährige nur mehr tot aus dem Weidingbach nahe der Albrecht-Dürer-Straße bergen. Und im September 2020 ertrank nachts ein junger Mann im Flutkanal. Zwei Menschen also sind nach ihrem Sturz ins Wasser tot, eine Frau kämpfte um ihr Leben. Wie groß also ist die Gefahr an Weidens Fließgewässern?

Das Amt für Öffentliche Ordnung in Weiden sowie das Wasserwirtschaftsamt Weiden erklären hierzu einhellig: "Gewässer stellen immer eine allgemeine Gefahrenlage dar." Diese könne nicht vermieden werden. Auf die Notwendigkeit weiterer Sicherheitsmaßnahmen an den Ufern oder Brücken gehen die Behörden nicht weiter ein. Die Polizeiinspektion Weiden dagegen betont, der Flutkanal ist einfach als Naherholungsgebiet in Weiden sehr beliebt. Entsprechend gut und regelmäßig nützten Spaziergänger und Sportler die Wege rechts und links davon. "Unsererseits konnten aber noch keine Mängel im Bereich des Flutkanals festgestellt werden. Auch wurden bisher keine Mängel, Beanstandungen etc. an uns herangetragen." In der Folge spricht die Polizei von "bedauerlichen Ereignissen, die nach unserem Dafürhalten nichts mit der Örtlichkeit im Speziellen zu tun haben".

Zu den "bedauerlichen Ereignissen" im Einzelnen heißt es seitens der Kriminalpolizei Weiden, dass die tote Frau im Weidingbach obduziert wurde. Das Ergebnis: Die 50-Jährige ist ertrunken. "Es liegen keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte vor." Die Ermittlungen scheinen damit abgeschlossen zu sein.

Tote Frau: Feuerwehren und Wasserwacht im Einsatz

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Auch im Fall am Pfingstsonntag, bei dem Spaziergänger eine 74-Jährige ohne Puls und ohne Atmung auf einer Brücke am Wehr des Flutkanals gefunden haben, geht die Polizeiinspektion Weiden von einem Unglücksfall aus. Die Frau war wohl ins Wasser gefallen, konnte sich aber vermutlich selbst wieder ans Ufer retten. Die Polizei suchte damals nach Zeugen. Inwiefern diese ausgesagt haben, bleibt unklar. Das Fazit der Polizei aber lautet: "Hinweise auf Fremdverschulden liegen nicht vor."

Zur Vorgeschichte: Flutkanal-Einsatz am Pfingstsonntag

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Nach dem Tod eines 21-Jährigen aus Sulzbach-Rosenberg im Flutkanal in einer Nacht im September 2020 beginnt an diesem Dienstag, 15. Juni, der Strafprozess gegen drei seiner Freunde. Ihnen wird vorgeworfen, ihren Kumpel nicht vor dem Ertrinken gerettet zu haben.

Tod am Flutkanal: Drei junge Menschen vor Gericht

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Info:

Gefahr in fließenden Gewässern

  • Laut der Wasserrettungsorganisation DRLG ist Schwimmen in fließenden Gewässern besonders gefährlich.
  • Die tatsächlich zu schwimmenden Distanzen sind schwer einzuschätzen, weil sie abhängig von der Fließgeschwindigkeit um ein Vielfaches länger sind als es scheint.
  • Bei Wehren und Wasserfällen strömen die oberen Wasserschichten immer mit größerer Geschwindigkeit als die unteren. Die Folge: Ein Schwimmer wird stets mit den oberen Wasserschichten an die Wehr- bzw. an die Wasserkante gedrückt oder aber über den Kamm hinweggespült.
  • Selbst ein Sturz ohne Verletzungsfolgen reduziert nicht die Ertrinkungsgefahr, weil die meist vorhandene Wasserwalze unterhalb des Wehr- bzw. Wasserfalles weitere Gefahren birgt. Drehkraft, Geschwindigkeit und Sog-Kraft der Walzen können sehr unterschiedlich sein. Innendrehende Walzen etwa lassen auch dem geübten Schwimmer fast keine Chance. Sie bedeuten höchste Lebensgefahr.

 

 

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