11.07.2019 - 10:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit zwei Mann weniger auf Torejagd

In den vier BV-Klassen des Fußball-Kreises Amberg/Weiden wird in der Saison 2019/20 das System „9 gegen 9“ umgesetzt. Der große Vorteil für die Vereine: Die Zahl der Ausfälle und Abmeldungen soll verringert werden.

Und los geht’s: In allen B-Klassen des Fußball-Kreises Amberg/Weiden wird ab der Ende Juli beginnenden Saison der Modus „9 gegen 9“ angewendet. Archivbild: lst
von Autor LSTProfil
Das neue System ist auch mit ein Grund, warum beispielsweise die SpVgg Ebermannsdorf nach nur einem Jahr Pause gleich wieder mit zwei Teams in den Spielbetrieb einsteigt. Bild: lst
Augen zu und durch: Sind die Erfahrungen nach dieser Saison positiv, ist angedacht, ab 2020/21 das Spielfeld beim „9 gegen 9“ zu verkleinern. Archivbild: lst

Premiere im Fußball-Kreis Amberg/Weiden: Erstmals in dessen Geschichte wird in der Ende Juli beginnenden Saison 2019/20 auch im System „9 gegen 9“ gespielt. „Das Fazit bei den Befragungen bei den drei Spielgruppentagungen in Amberg, Etzenricht und Luhe Markt war durchwegs äußerst positiv“, sagt Kreisspielleiter Albert Kellner. Heißt konkret: Der neue Modus wird sogar in allen vier B-Klassen umgesetzt.

Ende Juni erfolgte zunächst bei der Tagung in Amberg die erste Abstimmung. Über 100 Funktionäre aus den A- und B-Klassen sowie auch aus höheren Ligen hatten die Gelegenheit genutzt, um über das neue System, das ausschließlich in den B-Klassen gespielt werden kann, zu votieren. „Zunächst hatte für die B-Klasse 2 und die B-Klasse 4 die Mehrheit dafür gestimmt“, blickt Kellner zurück.

Nachdem vor allem die ersten Mannschaften eher etwas skeptisch waren, wurden die beiden weitere Abstimmungen in Etzenricht und in Luhe Markt mit Spannung erwartet. Doch auch hier war schließlich das Votum eindeutig. „Das neue System kommt so gut an, dass wir für die Saison 2020/21 überlegen können, ob wir nicht mit beweglichen Toren von Sechzehner bis Sechzehner spielen“, so der Kreisspielleiter weiter.

Für Kellner liegen die Vorteile des Modus „9 gegen 9“ klar auf der Hand: Vereine müssen nicht mehr Spiele absagen, wenn der zehnte oder elfte Spieler fehlt. Die Klubs können zudem eine zweite Mannschaft anmelden, auch wenn die Spielerdecke keine 20 Akteure oder mehr hergibt. Bestes Beispiel dafür ist die SpVgg Ebermannsdorf, der Heimatverein der Nationalspielerin Sara Däbritz, der nach seinem Rückzug nach nur einem Jahr Pause heuer gleich wieder mit zwei Teams in den B-Klassen an den Start gehen wird.

„Die Vereine können bei Verletzungen die Mannschaft im Spielbetrieb halten und auch eine Saison, in der vielleicht mal nicht so viele Akteure zur Verfügung stehen, problemlos überbrücken“, unterstreicht der Kreisspielleiter. Das neue System sei einfach ein Instrument für die Klubs, um Spieler auch an den Verein zu binden und die „Zweite“ am Leben zu halten. Denn, so Kellner, eine Abmeldung würde nicht so gute Fußballer dazu bewegen, aufzuhören. Die Leute würden dann dem Verein auf Dauer verloren gehen, auch im Funktionärsbereich.

Der weitere Hintergrund für die Einführung von „9 gegen 9“ ist die in den vergangenen Jahren steigende Anzahl an Ausfällen aufgrund Spielermangels, insbesondere am Saisonende und in den untersten Klassen. Das Modell, das nun im Kreis Amberg/Weiden eingeführt wird, wird in anderen bayerischen Bezirken bereits erfolgreich praktiziert. Im Frauenfußball ist es seit letzter Saison sogar bayernweit gültig. Die Zahl der Spielausfälle ist dadurch deutlich zurückgegangen.

Die durch den Bezirksspielausschuss mit allen Herrenspielleitern ausgearbeiteten Rahmenbedingungen für das „9 gegen 9“ wurden den Vereinen bereits auf den Wintertagungen vorgestellt und auch bereits vorab zur Verfügung gestellt. „Auf den Tagungen im Sommer 2019, vor Beginn der Saison 2019/2020, wurde dann über die Einführung abgestimmt“, erklärt Bezirksspielleiter Christian Wolfram die Verfahrensweise. Hierbei sei für jede Liga eine einfache Mehrheit der jeweiligen Vereine notwendig gewesen. „Das Modell findet nur in den B-Klassen Anwendung, in denen bei der Abstimmung eine Mehrheit zustande kommt. Eine flächendeckende Zustimmung in allen B-Klassen der Oberpfalz wäre wünschenswert“, so Wolfram weiter.

In den B-Klassen, in denen die „9 gegen 9“-Regelung greift, gelten folgende Rahmenbedingungen: Möchte ein Verein von der Veränderung der standardmäßigen Mannschaftsstärke von elf auf neun Spieler Gebrauch machen, so hat er dies dem gegnerischen Verein und dem Spielleiter spätestens zwei Tage vor dem Spieltermin über das BFV-Postfach mitzuteilen. Eine spätere Änderung der Mannschaftsstärke ist nur mit Zustimmung des Gegners möglich.

Für die Mannschaft, welche die Reduzierung der Spielerzahl beantragt hat, ist die Gesamtspielerzahl für dieses Spiel auf maximal elf begrenzt. Diesem Verein stehen somit maximal zwei Ersatzspieler zur Verfügung. Sollte der Verein mehr als elf Akteure zur Verfügung haben, so ist das Spiel im gewohnten Modus „11 gegen 11“ auszutragen. Für die gegnerische Mannschaft besteht keine Begrenzung der Gesamtspielerzahl. Die Spielfeldgröße bleibt – egal welches System greift – unverändert.

Die Spielzeit für ein Spiel im Modus „9 gegen 9“ weicht jedoch von der regulären Spielzeit ab und beträgt lediglich zweimal 40 Minuten, um die geringere Spielerzahl auf der normalen Feldgröße zu kompensieren. Die Anzahl der erlaubten Auswechslungen beträgt für die Mannschaft, welche die Reduzierung der Spielerzahl beantragt hat, zwei. Die Anzahl der erlaubten Auswechslungen für die andere Mannschaft beträgt fünf, damit der Verein keinen Nachteil hat. Das Rückwechseln ist für beide Mannschaften in unbegrenzter Häufigkeit erlaubt.

Auch die Torgröße bleibt beim „9 gegen 9“ unverändert. Im Falle eines Aufstiegs in eine Liga, in welcher das Spielen mit verminderter Spielerzahl nicht möglich ist, hat die betreffende Mannschaft als „11er“-Team anzutreten oder auf das Aufstiegsrecht zu verzichten. Alle Relegations- und Entscheidungsspiele zu einer Spielklasse, die nur mit „11er“-Mannschaften spielt, müssen als 11er-Team bestritten werden. Der Aufstieg in die A-Klasse ist unverändert möglich, unabhängig davon, wie oft ein Verein von der Möglichkeit des „9 gegen 9“ Gebrauch macht.

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