23.09.2021 - 10:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zimmer mit Aussicht: Die "Weidener Hütte" in Tirol

370 Kilometer sind es von Weiden bis zum Parkplatz in Innerst. Von dort führt der Weg hoch zur „Weidener Hütte“. Hier fühlen sich nicht nur im Sommer Wanderer und Radfahrer wohl. Spaß macht auch die Winterrodelbahn mit Gütesiegel.

Die "Weidener Hütte" des Deutschen Alpenvereins, Sektion Weiden, ist ein beliebtes Wanderziel und liegt 1799 Meter hoch in den Tuxer Alpen.
von Helmut KunzProfil

Zur Belohnung nach dem zweistündigen Aufstieg gibt es Almdudler, Weizenbier und einen Teller Kaspressknödelsuppe. Zugegeben: Eine alpinistische Herausforderung ist die Wanderung zur "Weidener Hütte" nicht. Auch nicht der 500 Meter lange Waldpfad über das Nurpensbachbrückerl, der den kostenpflichtigen Parkplatz (drei Euro pro Tag) in Innerst mit dem schattigen Forstweg verbindet, der zur Liegenschaft der Weidener Alpenvereins-Sektion hochführt. Ins Schwitzen kommt man dennoch. Immerhin liegen zwischen Parkplatz und Zielort 534 Höhenmeter.

Es gibt zwei, drei weitere Wege. Die sind aber ungleich zeitraubender. Der längste Aufstieg dauert laut Beschilderung vier Stunden. Von Weiden bis zum Parkplatz sind es 370 Kilometer. Wer auf der Autobahn aus Richtung Kufstein kommt, wählt am besten die Ausfahrt Schwaz, biegt dann nach Pill ab und hält sich immer in Richtung Weerberg.

Die meisten Gäste aus Bayern

„85 Prozent meiner Gäste kommen aus Deutschland, die meisten aus Bayern“, erzählt Hüttenwirt Gerhard Baumgartner, der die „Weidener Hütte“, die auf 1799 Höhenmetern in den Tuxer Alpen liegt, mit seiner Frau Martha bewirtschaftet. Seit kurzem ist auch Adoptivtochter Sheetal als Praktikantin Teil des Teams. Dazu kommen ein Koch und mehrere Servicekräfte. Die Entscheidung, die Hütte zu pachten, sei kurzfristig gefallen. „Das war im Juli 2019. Ich hatte die volle Sommersaison. Der Winter war gut. Und dann kam Covid-19. Und jetzt haben wir die Beeinträchtigung schon im zweiten Jahr.“

Während der kompletten vergangenen Wintersaison, die normalerweise von Ende Dezember bis Ende März dauert, war die Hütte zu. „Und im letzten Sommer musste ich auch schon früher schließen als geplant." Grund sei die deutsche Reisewarnung gewesen, sagt Gerhard Baumgartner. „Sobald die ausgesprochen war, kamen nur noch Stornierungen. Von den 150 Reservierungen sind nur drei Leute gekommen.“

Rodelbahn mit Tiroler Gütesiegel

Natürlich wurde Baumgartner, wie andere Unternehmer auch, vom österreichischen Staat entschädigt. Aber nur für die laufenden Kosten. Nicht für die Investitionen, die er vorher geleistet hatte, darunter Aufwendungen für die Kücheneinrichtung oder die neue Pistenraupe. Die habe er angeschafft, um die Winterrodelbahn hinunter ins Tal zu präparieren. Die Rodelbahn gibt es seit gut 20 Jahren. 2021 wurde sie vom Land Tirol mit dem Gütesiegel ausgezeichnet.

Während der Sommer- und Wintersaison leben die Baumgartners auf der Hütte. Außerhalb der Saison wohnen sie in Innsbruck. An schönen Wochenenden kann sich Gerhard Baumgartner vor Gästen kaum retten. "Dann kommen viele. Vor allem Radfahrer und E-Biker. Das Wetter muss halt passen."

Ladestation für E-Biker

Die meisten seiner Gäste starten mit ihrem Rad in den kleinen Ortschaften Weer oder Kolsass im Tal. Beide Strecken hinauf zur Hütte sind rund zehn Kilometer lang. Die "Weidener Hütte" ist aber nur eine Zwischenstation eines längeren Rundkurses. Für E-Biker gibt es eine Ladestation direkt vorm Haus. Nach der Einkehr radeln die meisten am Nafingsee vorbei zum Geiseljoch hoch und anschließend ins Zillertal hinunter. Die Strecke führt an Mayrhofen vorbei und endet am Ausgangspunkt.

"Andere fahren nur herauf, essen etwas und fahren wieder runter." Natürlich seien auch viele Tourenwanderer unterwegs. "Wir sind Teil des Inntaler-Höhenwegs, der in Innsbruck losgeht und in Schwaz endet." Stationen dieser 70 Kilometer langen, fünftägigen Tour: Patschkofelhütte, Lizumer Hütte, Weidener Hütte, Raskogelhütte und Kellerjochhütte. Man bewegt sich ständig auf 2000 Höhenmetern. "Ein bisserl bergerfahren sollte man schon sein."

Hausberg "Hubertusspitze"

Der Rundblick von der Terrasse der "Weidener Hütte" oder vom Fenster des Matratzenlagers aus ist großartig. Von links nach rechts erblicken die Gäste Hippoldspitze (2642 Meter), Grafennsspitze (2619 Meter), Hirzer (2781 Meter) und Wildofen (2553 Meter). Die Hubertusspitze (2205 Meter) - benannt nach einem früheren Wirt der "Weidener Hütte" - ist der Hausberg und das Ausflugsziel vieler Gäste. Hoch zum Gipfelkreuz dauert es eine Stunde.

An jenem Montagmittag sitzen in Gerhard Baumgartners urgemütlicher Gaststube nur eine Handvoll Gäste. Das Wetter ist wechselhaft. Es nieselt zeitweise. Wolkenfetzen verdecken die mächtigen Bergrücken. Manchmal reißt die Wolkendecke aber auf und gibt den Blick frei auf umliegende Berge. Das Panorama ist traumhaft. Die Übernachtungsräume sind wenig belegt. Im Matratzenlager hat sich eine Yoga-Gruppe für drei Nächte eingemietet. "Promis waren noch keine da. Die brauchen wir hier auch nicht." Dann allerdings erinnert sich der Wirt an den österreichischen Schauspieler Harald Windisch, der mit Frau und Kindern auf der Hütte nächtigte. "Immerhin ein James-Bond-Nebendarsteller", erklärt er schmunzelnd.

Seit 1927 im Besitz der DAV-Sektion Weiden

Die Mitglieder der DAV-Sektion Weiden besuchen die Hütte in aller Regel gegen Ende der Sommersaison. "Das sind immer so 35 Personen." Vereinzelt kämen Weidener Alpenvereins-Mitglieder aber auch individuell. "Es ist schon eine weite Anreise." Die Hütte wurde 1927 von der Sektion erworben und 1959 erweitert. Die Zahl der Österreicher halte sich dagegen in Grenzen. "Momentan sind hier viele Holländer und Belgier unterwegs." Das Zimmergeld sei Sache der Sektion. "Ich bekomme fürs Sauberhalten und für die Verwaltung eine Pauschale pro Lagerplatz."

Auf der "Weidener Hütte" gibt es 56 Betten: 30 Zimmerbetten und ein Matratzenlager für 26 Personen. Während der Corona-Pandemie sind Schlafsäcke verpflichtend. Sie können auch ausgeliehen werden. Übernachten kann jeder, eine Mitgliedschaft im Alpenverein ist nicht erforderlich. Die Preise liegen bei 17 Euro (Nichtmitglieder 28 Euro) für einen Schlafplatz im Zimmer sowie 12 Euro (23 Euro) für einen Matratzenplatz.

Skiabfahrten nur im Tiefschnee

"Meine Gäste bleiben in der Regel nur eine Nacht." Im Winter sei das anders. "Da bleiben die Gäste schon mal drei, vier Tage und unternehmen von hier aus ihre Skitouren." Der Aufstieg zur Hütte im Winter: mit Fellen unter den Skiern, Schneeschuhen oder dem Schlitten im Schlepptau, gerne auch direkt über die Rodelbahn. "Wir haben hier nur Tourengeher, einen Lift gibt es ja nicht." Skiabfahrten seien nur im Tiefschnee möglich.

Die Aufgaben eines Hüttenwirts? "Es ist nicht so, dass ich nur oben am Bergsee sitze und den Sonnenuntergang genieße." Baumgartner kümmert sich unter anderem um den Einkauf. Im Sommer sei das einfach, sagt er. "Da werden wir von den Lieferanten beliefert." Anders im Winter. "Da muss ich Ware, die unten im Container zwischengelagert ist, mit dem Quad hochtransportieren. Ein- bis zweimal die Woche mache ich das." Auch der Müll muss einmal pro Woche im Tal entsorgt werden, im Winter zweimal. Dazu kommen die Gastronomie, die regelmäßige Entsorgung der Kläranlage und die Instandhaltung von Hütte und Zaun. "Da hilft mir aber die Weidener Sektion."

Trekking-Touren in Nepal

Hüttenwirt zu sein, sei eine herrliche Aufgabe. Vor allem für einen wie Gerhard Baumgartner, der früher selbst Kletterer war und Touren ging. "Ich habe auch Trekkingtouren in Nepal unternommen." Heute lege er dieselbe Anzahl von Schritten zurück, wie seine Gäste, die zur Hütte hochwanderten. "Allerdings von der Küche zur Terrasse", sagt er schmunzelnd. "Du bist dein eigener Herr, bist selbstständig. Es ist aber auch harte Gastronomie-Arbeit, bei teilweise 16 Stunden am Tag. Und das 7 Tage die Woche." Die zweieinhalb Monate Pause in der Zwischensaison habe er dann aber auch dringend nötig: zur Erholung vom Berg.

Die "Karlsbader Hütte" in den Lienzer Dolomiten

Tirschenreuth

Die "Amberger Hütte" im Ötztal

Amberg
Hintergrund:

Weidener Hütte

  • Die Weidener Hütte liegt auf 1799 Metern Höhe in den Tuxer Alpen im Bundesland Tirol in Österreich.
  • Übernachten kann jeder, eine Mitgliedschaft im Alpenverein ist nicht notwendig.
  • Preise: Erwachsene (Schlafplatz im Zimmer für Mitglieder): 17 Euro, Nichtmitglieder 28 Euro; Matratzenplatz: 12 Euro, Nichtmitglieder 23 Euro.
  • Derzeit muss ein eigener Schlafsack mitgebracht oder vor Ort angemietet werden.
  • Von Weiden zur Weidener Hütte sind es 370 Kilometer. Wer auf der Autobahn aus Richtung Kufstein kommt, wählt am besten die Ausfahrt Schwaz, biegt dann nach Pill ab und hält sich immer in Richtung Weerberg.
  • Der Aufstieg zur Hütte dauert je nach Weg zwischen 1Stunde, 45 Minuten, und 4 Stunden.
  • DAV-Sektion Weiden: 2620 Mitglieder (Stand: 31. Dezember 2020).

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.