12.07.2021 - 14:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zahl der schwerverletzten Radfahrer steigt "eklatant"

2020 ging die Zahl der Unfälle in Weiden zurück. Dafür gibt es – entgegen dem Bayerntrend – "eklatant" mehr Schwerverletzte hier. Das ist laut Statistik auf Unfälle mit Radfahrern zurückzuführen. Bitter: Meist sind die Radler selbst schuld.

Hier an der Ecke Leimberger Straße/Am Alten Dorf kracht es immer wieder: Nun soll eine Ampel her. Doch die kostet. Ob sich die Stadt das leisten kann, bleibt offen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Wenn die Coronamaßnahmen etwas Gutes hatten, dann das: 2020 hat es im Vergleich zum Vorjahr seltener gekracht auf Weidens Straßen (1359 Verkehrsunfälle; minus 18,2 Prozent). Allerdings gibt es nach wie vor Unfallschwerpunkte in der Stadt. Besonders bedenklich: Es verletzten sich bei weniger Unfällen in Weiden signifikant mehr Menschen schwer. Und das während bayernweit die Zahl der Schwerverletzten um 8,4 Prozent sank.

In Weiden dagegen stieg die Zahl der Schwerverletzten im Jahresvergleich laut Polizei „eklatant“ um 82 Prozent (von 22 auf 40). Vor allem Unfälle mit Radfahrern (72 an der Zahl) rücken hier in den Fokus. „Bei 72,2 Prozent ergibt sich eine schuldhafte Beteiligung der Radfahrer“, zitiert die Rechtsdezernentin Nicole Hammerl aus der Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Weiden. Sie ist nach Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Weiden jährlich Bestandteil der Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses im Neuen Rathaus.

Typische Radfahr-Fehler

Die häufigste Unfallursache entlarvt die Statistik auch: Der Radfahrer benutzt den Geh- oder Radweg in falscher Richtung oder missachtete das Rechtsfahrgebot. Radfahrer trifft es bei Unfällen besonders hart. Die neue Generation Räder entschärfe die Situation nicht gerade, meint die Rechtsdezernentin und verweist auf E-Bike- und Pedelec-Boom mit schwer abschätzbaren Geschwindigkeiten und neuartigem Fahrverhalten. Ohne Fremdbeteiligung stürzten 2020 laut Statistik 20 Radler, 4 davon mit Pedelec. An den 72 Unfällen mit Radfahrern waren 8 Pedelecs beteiligt.

Tod nach Sturz ohne Helm

Viele Radfahrer würden zudem den Helm verschmähen – mit schlimmen Folgen. So erlitt im Mai 2020 ein Radler ohne Helm nach einem Sturz im Stadtgebiet ohne fremdes Zutun derart schwere Kopfverletzungen, dass er starb. Insgesamt trugen von den im vergangenen Jahr 67 bei einem Unfall verletzten Radfahrer nur 17 einen Helm. Auch 9 Kinder zwischen 6 und 14 verletzten sich bei Radunfällen, nur 2 trugen einen Helm. Der Fahrradhelm sei einfach ein Muss, um schwere Verletzungen zu verhindern, appellieren Hammerl und die Polizei, vertreten von Polizeihauptkommissar und Verkehrsexperten Johann Wurm.

Rasen Radler in der Fußgängerzone?

Kritik setzte es auch für die Radfahrer in der Fußgängerzone. Sie würden sich vermehrt nicht mehr an die geltenden Regeln halten, so Hammerl. „Ich musste zuletzt in der Fußgängerzone wegen eines Radfahrers zur Seite springen“, berichtet SPD-Stadträtin Gabriele Laurich wenig erfreut und fordert: „So etwas muss stärker geahndet werden.“ Dabei sei sie nicht gegen das Radfahren in der Altstadt. „Aber ich bin gegen Raser, weil da einfach viel zu viel passiert.“ Verkehrsverstöße von Radfahrern seien zudem vermehrt auch außerhalb der Fußgängerzone zu beobachten, betont Hammerl. All die Verkehrsaktionstage der Polizei für Radfahrer scheinen bislang zu wenig zu fruchten.

Radfahrer sollen Verhalten ändern

Dabei bemühe sich auch die Stadt lange schon baulich mit Fahrradschutzstreifen möglichst viel Sicherheit für Radfahrer zu schaffen, betont Rainer Sindersberger (FDP/Freie Wähler). Radfahrer aber müssten für ihre Sicherheit ebenfalls etwas tun – und ihr Verhalten ändern, mehr Rücksicht üben. Schon allein, weil es immer mehr Radler gebe. Sindersberger schlägt zudem vor, vor allem Schulen ins Boot zu holen. Sie sollen die Kinder, die mit dem Fahrrad zum Unterricht kommen, darauf hinweisen, wie wichtig das Tragen eines Helms ist. Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) hakt nach: Gibt es eine gesetzliche Helmpflicht für Fahrradfahrer? Polizeihauptkommissar Johann Wurm, der verantwortlich für die Unfallstatistik zeichnet, verneint.

Unfallschwerpunkt Leimberger Straße I

5 Unfälle braucht es binnen 12 Monaten an einer Stelle um als Unfallschwerpunkt zu gelten. Sogar 7 Mal krachte es 2020 in der Leimberger Straße an der Kreuzung Am Alten Dorf, 6 Unfälle waren auf missachtete Vorfahrtsregeln zurückzuführen. Alle passierten bei Tageslicht. Damit ist ein altes Problem an einer Stelle wieder akut, das seit 2015 gelbe Blinkleuchten neben den Stopp-Schildern entschärfen sollten. Polizei und Unfallkommission sehen nun nur noch eine Lösung: Ampeln müssen her, um hier dauerhaft für Sicherheit zu sorgen. Und eine geänderte Verkehrsregel für die Zeit, in der die Ampel außer Betrieb ist: Die Leimberger Straße soll zur Vorfahrtsstraße werden. 2022 sollen die Ampeln kommen, allerdings nur sofern der städtische Haushalt das hergibt. Das Problem: Bis zu 200 000 Euro können die Lichtsignalanlagen kosten, und es handelt sich hier um eine freiwillige Leistung, räumt die Rechtsdezernentin auf Nachfrage von Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) ein. Freiwillige Leistungen sind in der Regel für eine Stabilisierungskommune wie Weiden tabu.

Unfallschwerpunkt Leimberger Straße II

Ebenfalls 7 Verkehrsunfälle (4 Vorfahrt, 3 beim Abbiegen) gab es 2020 an der Leimberger-/Frauenrichter Straße. Entweder die Ampel war außer Betrieb oder deren Rotlicht wurde ignoriert. Die weitere Entwicklung könne hier – auch mit Blick auf eine neue Ampelanlage Am Alten Dorf abgewartet werden. Sie müsse aber wegen des hohen Verkehrsaufkommens äußerst kritisch beobachtet werden, mahnt die Polizei.

Blitzer an der Südost-Tangente

Wie ein Wischer zieht der Verkehr an der Leuchtenberger Straße vorbei. Oft zu schnell, weiß die Polizei wegen der vermehrten Unfälle an dieser Stelle. Nun soll verstärkt geblitzt werden.

5 Vorfahrtsunfälle zeigt die Statistik an der B 22 zur Leuchtenberger Straße. Als Ursache sind trotz der Übersichtlichkeit der Kreuzung wohl Licht-Schatten-Situationen bei der Unterführung und zu hohes Tempo auszumachen. Deshalb soll es Tempokontrollen geben. So wie zuletzt im Dezember 2020. Damals passierten bei drei Messungen 1740 Fahrzeuge die Kontrollstelle. Mit 103 Verstößen stellte die Polizei eine überdurchschnittliche Temposünderquote von 5,9 Prozent fest.

Gute Nachrichten gibt es auch: Als Unfallschwerpunkte gelten nicht mehr die Kreuzungen Asyl- und Herrmannstraße (hier sensibilisiert ein weißer Punkt auf der Straße für die Vorfahrtsregelung) sowie die Kreuzung Manteler Straße/Trippach mit der Staatsstraße 2166 (Installation eines Stopp-Schildes vom Straßenbauamt).

Weißer Punkt sorgt für Aufsehen

Weiden in der Oberpfalz

Autos schleichen sich in der Asylstraße

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Die Unfallkommission

  • Aufgabe: Die Unfallkommission untersucht die Unfälle in der Stadt Weiden.
  • Zusammensetzung: Vertreter der Straßenverkehrs- sowie der Straßenbaubehörde und der Polizeiinspektion Weiden
  • Werkzeug: Auswertung der Verkehrsunfallstatistik, Analyse der Unfallschwerpunkte im Stadtgebiet
  • Ziel: Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation und zur Entschärfung von Unfallhäufungspunkten

 

 

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