07.07.2019 - 18:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wichtige Mittlerin der Städtepartner: Julia Braun wird 80

Sie hegt schon immer eine Leidenschaft für Frankreich. Vielleicht liegt es daran, dass Julia Brauns Urgroßmutter väterlicherseits aus diesem Land stammte. Die Urenkelin - sie wird am Dienstag 80 Jahre alt - nahm diesen Faden wieder auf.

Erinnerungen an die Anfänge der Städtepartnerschaft. Julia Braun, die am Dienstag 80. Geburtstag feiert, hat viele Fotos, auf denen sie als Dolmetscherin mit im Bild ist.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Ihre Urgroßmutter floh als Adelige während der Revolution nach Deutschland, erzählt Julia Braun. Als langjährige Dolmetscherin und Akteurin der Partnerschaft mit Issy-les-Moulineaux ist die frühere Kulturamtsmitarbeiterin nicht nur in Weiden bestens bekannt. Belohnt wurde dieses Engagement 1986 mit der Ernennung zur Ehrenbürgerin von Issy. "Als erste Frau überhaupt", wie sich die 79-Jährige stolz erinnert. 2005 zeichnete der damalige Oberbürgermeister Hans Schröpf die gebürtige Weidenerin außerdem mit der silbernen Bürgermedaille aus. 50 Jahre lang hatte sie sich bis dahin unter anderem als Dolmetscherin in die Städtepartnerschaft eingebracht.

1954 war Weiden die zweite Stadt in Bayern, die eine Partnerschaft mit Frankreich beschloss. Gemeinsam mit ihrer Freundin zählte Julia Braun zu den Ersten, die sich für den 1955 geplanten Jugendaustausch bewarben. Sie zählten letztlich zu den 30 Auserwählten. "Frankreich war für uns Deutsche noch ganz fremd." Das galt zum Teil auch für das Essen. "Melonen oder Artischocken haben wir nicht gekannt. Das war für uns ausgesprochen exotisch." Die Unterbringung der Jugendlichen erfolgte noch ganz einfach in Klassenzimmern im heutigen Collège de la Paix.

"In dieser Zeit sind lange Freundschaften entstanden", erinnert sich die Jubilarin. Zum Beispiel zu Nicola Fritz, der später Ehrenbürger von Weiden wurde. Oder zu der Familie von Lucien Audebert. Der stellvertretende Stadtverwaltungsdirektor von Issy hatte mit den Anstoß gegeben für die Partnerschaft. Leider seien viele Freunde aus den Anfangsjahren inzwischen gestorben.

1962 war Julia Grassmann, wie sie damals noch hieß, erstmals als Betreuerin für einen Jugendaustausch mit in Issy. Dabei lernte sie Max Braun näher kennen, der ebenfalls als Betreuer mit von der Partie war. Ein Jahr später gaben sich beide das Ja-Wort. Fortan engagierte sich das Ehepaar gemeinsam für die Städtepartnerschaften. Während ihr Mann als Lehrer am Kepler-Gymnasium tätig war, arbeitete Julia Braun fünfeinhalb Jahre als Grundschullehrerin, bis sich der erste Nachwuchs einstellte. Kinderkrippen gab es damals nicht. Also blieb sie beim Sohn daheim. Nebenbei erledigte sie ehrenamtlich die Korrespondenz mit Issy. „Die Briefe ans Rathaus landeten bei mir mit dem Vermerk: m. d. B. u. Ü., also mit der Bitte um Übersetzung.“

Tragischerweise starb Max Braun mit 56 Jahren. Die beiden Söhne gingen bereits ihre eigenen Wege. „Ich musste aus dem Haus." Deshalb bewarb sich Julia Braun im Kulturamt. Im Februar 1991 fing sie dort an, kümmerte sich neben den Partnerschaften auch mit um die Literaturtage und wurde noch im gleichen Jahr Weidens erste Stadtführerin. 29 Jahre später ist Julia Braun Weidens älteste Stadtführerin, und als solche immer noch aktiv.

Den runden Geburtstag wird sie mit ihrem Lebensgefährten Konrad Leopold, den Söhnen Patrick sowie Arthur mit Ehefrau Christine und deren drei Kindern erst nachträglich feiern, wenn eine Enkelin aus dem USA-Aufenthalt zurückgekehrt ist. Der Drang nach anderen Ländern scheint irgendwie in der Familie zu liegen.

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