30.06.2021 - 00:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weniger Geld im Portemonnaie: Vom Unterschied zwischen Mann und Frau

234 Euro verdienen Frauen im öffentlichen Dienst in Bayern weniger. Das sagt der aktuelle Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Frauen verdienen überall in der Wirtschaft nicht so viel wie Männer. Auch in der Oberpfalz.

Kein Geheimnis: Männer verdienen im Schnitt mehr als Frauen.
von Gabi EichlProfil

Jede zweite Frau arbeitet laut Gleichstellungsbericht Teilzeit, während das nur jeder fünfte Mann tut. Doch das erklärt die Einkommensunterschiede nur zum Teil. Schließlich verdienen Frauen im öffentlichen Dienst in Bayern laut dem Bericht 234 Euro weniger als Männer. Aber was sind die Gründe?

Eine Nachfrage bei den Arbeitsagenturen in der Region führt nur bedingt weiter. Diese erheben keine Daten zur Lohngleichheit. Das sagen übereinstimmend die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in Schwandorf, Dorothea Seitz-Dobler, und die Pressesprecherin der Weidener Agentur, Sirid Lang. Beide versichern jedoch, dass die Agenturen für Arbeit sehr genau darauf achteten, keine Stellenangebote mit unterschiedlichen Bezahlungen von Frauen und Männern zu veröffentlichen und zu bewerben. Die jeweiligen Beauftragten für Chancengleichheit, die in jeder Agentur vorgeschrieben sind, wiesen auf die Problematik des Gender Gaps und des Gender Pension Gaps hin und versuchten durch Informationsveranstaltungen Frauen dahingehend zu informieren, wie wichtig eine eigene lückenlose Erwerbsbiographie sei. Bei der Vermittlung spiele das Thema Lohngleichheit insofern eine Rolle, dass die Agenturen für Arbeit nur in sozialversicherungspflichtige Stellen vermittelten und nicht in Minijobs.

Wie sieht es mit Firmen in der Region aus, denen die Geschlechter-Fairness besonders am Herzen liegt und bei denen das in gleicher Bezahlung von Frauen und Männern zum Ausdruck kommt? Weder die Arbeitsagenturen noch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberpfalz in Regensburg können entsprechende Unternehmen benennen. Die IHK-Referentin Kommunikation, Simone Hannes, sagt, die großen Unternehmen seien oftmals tarifgebunden und deren Gestaltungsspielraum sei durch die Tarifstufen weitestgehend festgelegt.

Deutlich wird Peter Hofmann bei dem Thema, der Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Oberpfalz. Es müsse endlich ein gewaltiger finanzieller Sprung in Richtung Frauen passieren, denn sie verdienten 22 Prozent weniger als Männer, sagt er. Die Geschlechtergerechtigkeit im Freistaat habe sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert. Um die Lohnlücke zu schließen, bedürfe es eines „gewaltigen Lohnsprungs für die Frauen“.

Hofmann sagt, es müsse an vielen Stellschrauben nachjustiert werden. Frauen arbeiteten sehr häufig in schlecht bezahlten Branchen, oft in Teilzeit, seltener in Führungspositionen und übernähmen meistens die Verantwortung bei der Kindererziehung.

„Dem kann man nur gegensteuern, indem der Niedriglohnsumpf trocken gelegt wird und die Tarifbindung erhöht“, sagt er wörtlich. Dasselbe gelte für die prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs, Midijobs oder unfreiwillige Teilzeitstellen. Wenn übergangsweise im Minijob gearbeitet werden müsse, „dann aber auf jeden Fall ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig“, so Hofmann. Um später niedrigen Renten und Altersarmut entgegenzuwirken, müsse der Mindestlohn auf mindestens 12 Euro angehoben werden.

In Betrieben mit Tarifbindung, in denen Betriebs- und Personalräte mitbestimmten, zeige sich, „wie es richtig geht“. Dort gebe es eine höhere, gerechte geschlechterneutrale Bezahlung, planbare Arbeitszeiten und eine bessere soziale Absicherung.

Gendern verbreitet sich auch in der Oberpfalz

Amberg
Peter Hofmann vom DGB.

 

 

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