04.08.2020 - 15:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiterer Vorfall mit US-Hubschrauber: Klinikum Weiden sucht Lösungen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Eine weitere Seniorin meldet sich: Wegen eines Hubschraubers sei sie bereits im Januar in Klinikum-Nähe beinahe gestürzt. Die Verantwortlichen planen jetzt konkrete Schritte, um Passanten auf die Gefahr hinzuweisen.

In der unmittelbaren Nähe des Klinikum-Gebäudes mit dem Hubschrauber-Landeplatz kam es offenbar zumindest in einem weiteren Fall zu Problemen: Eine 85-jährige Passantin wäre wegen des starken Luftzugs bereits im Januar beinahe gestürzt.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Den Bericht über einen 85-Jährigen, den der Abwind eines US-Hubschraubers auf die Straße schleuderte, hat die Weidener Seniorin sehr genau gelesen. Danach griff sie zum Telefon, um uns zu berichten: Beinahe wäre ihr im Januar genau das Gleiche passiert.

Ihren Namen will die Frau, ebenfalls 85 Jahre alt, nicht in der Zeitung lesen, der tue nichts zur Sache. Der Vorfall, von dem sie erzählt, datiert vom Januar. Demnach besuchte sie damals ihren Mann im Weidener Klinikum und befand sich auf dem Weg zur Bushaltestelle in der Gabelsberger Straße, als sie zwischen Klinikum-Haupttrakt und dem neuen Gebäude mit dem Dach-Landeplatz von einer starken Windböe erfasst wurde. Ihr Glück: Der Regenschirm verhakte sich an einem Peitschenmast, die Senioren konnte sich auf den Beinen halten. "Das war meine Rettung. Sonst wäre es mir wie dem Mann gegangen, und mich hätte es auf die Straße geweht."

Der Fall des 85-Jährigen

Weiden in der Oberpfalz

Später bei der Bushaltestelle traf sie eine Frau, deren Schirm der Luftzug umgestülpt habe. Wie die 85-Jährige weiter berichtete, wurde sie umgehend beim Empfang im Klinikum vorstellig, um von der unliebsamen Begegnung mit dem Helikopter zu erzählen. "Dort hieß es: Ja, das Problem ist bekannt, das sind immer diese US-Hubschrauber." Eine Aussage, die jetzt aufhorchen lässt. Die Vorkommnisse um den 85-Jährigen, der sich jüngst beim Sturz verletzte, galten als Einzelfall. So etwas sei noch nie passiert, erklärte vergangene Woche Franz Zeilmann, Pressesprecher der US-Armee-Garnison "Bavaria" in Grafenwöhr. Nach seiner Überzeugung waren ausnahmsweise verschiedene unglückliche Umstände zusammengekommen. Generell ist es wohl so, dass der Windzug bei den neun Tonnen schweren amerikanischen "Black Hawks" besonders stark ist – weit intensiver jedenfalls als beim wesentlich leichteren Rettungshubschrauber "Christoph 80" (etwa drei Tonnen).

Bereits am Erscheinungstag des Artikels wurden erste Optionen geprüft, um Passanten zukünftig für die Situation zu sensibilisieren, beispielsweise durch Warnschilder und eine Lichtsignal-Installation

Michael Reindl, Sprecher der Kliniken Nordoberpfalz AG

"Für uns ist die dargestellte Situation – wie auch für die US-Kräfte – überraschend", teilt Michael Reindl, der Pressesprecher der Kliniken AG, mit. "Natürlich entsteht beim An- oder Abflug ein gewisser Windzug, der jedoch aus unserer Sicht als nicht gefährlich einzustufen ist. Alle vorgeschriebenen Schritte, die für den Betrieb einer Landeplattform eingehalten werden müssen und auch die Risiken von Windböen am Boden einschließen, wurden entsprechend beachtet." Außer dem bereits berichteten Fall des 85-Jährigen seien bei der Kliniken AG keine weiteren Fälle bekannt. Rätselhaft bleibt somit die Auskunft, welche die Seniorin im Januar am Empfang erhalten haben will. Möglicherweise nahm der Mitarbeiter auch nur Bezug auf einen Oberpfalzmedien-Artikel vom Dezember 2019, als vermutlich Abwinde eines US-Hubschrauber Grabschmuck auf dem Stadtfriedhof ramponiert hatten.

US-Hubschrauber als wahrscheinliche Verursacher von Beschädigungen am Stadtfriedhof

Weiden in der Oberpfalz

Wichtiger allemal: Die Verantwortlichen des Klinikums handeln. "Bereits am Erscheinungstag des Artikels wurden erste Optionen geprüft, um Passanten zukünftig für die Situation zu sensibilisieren, beispielsweise durch Warnschilder und eine Lichtsignal-Installation", informiert Reindl. "Diese Optionen sind aktuell in der Prüfung." Und noch ein Wort zum 85-Jährigen: "Wir bedauern außerordentlich, dass es beim Anflug des Hubschraubers zu einer Verletzung des Passanten kam. Wir wünschen ihm gute Besserung und alles Gute."

Hintergrund:

Die bekannten Vorfälle

 

  • Dezember 2019: Etliche Gräber auf dem Stadtfriedhof sind ramponiert. Vandalismus? Ein Pilot der Weidener Luftrettung und Polizeisprecher Mario Schieder tippen auf Rettungshubschrauber, vermutlich "Black Hawks". Belege dafür gibt es jedoch nicht. Und die US-Army erklärt sich für unschuldig.
  • Januar 2020: Eine 85-jährige Passantin wird vom Abwind eines Hubschraubers erfasst. Nur ein verhakter Regenschirm verhindert, dass sie auf die Straße geschleudert wird.
  • Juli 2020: Ein 85-jähriger Weidener, der sein Rad in Klinikum-Nähe schiebt, stürzt mitten auf die Straße. Schuld ist zweifelsfrei der Luftzug, den ein US-Hubschrauber erzeugt hat. Der Mann erleidet starke Schürfwunden.
Kommentar:

Achtung, Hubschrauber!

Alle Naselang passiert das sicher nicht. Bisher sind gerade mal zwei Fälle bekannt geworden, in denen Passanten in Klinikumsnähe mit den Abwinden eines Hubschraubers zu kämpfen hatten. Einmal endete es glimpflich, das andere Mal landete ein Senior unsanft auf der Straße. Gefahr droht offenbar nur, wenn gewisse Umstände zusammenkommen: ein schwerer US-Hubschrauber, eine Windrichtung, die ihn zu einem bestimmten An- oder Abflugweg zwingt, Passanten, die zufällig dort unterwegs sind, wo der Luftzug am stärksten ist. Und die dann "kalt erwischt" werden. Eben dort wollen die Verantwortlichen des Klinikums ansetzen. Schilder oder gar Lichtzeichen sollen den Fußgängern bewusst machen, dass sie sich womöglich in einer extrem zugigen Einflugschneise bewegen. Wissen, das zu größerer Standfestigkeit führen kann: Wer sich bei lauter werdenden Rotorengeräuschen auf Ungemach einstellt, den haut die Begegnung mit dem Heli sicher nicht mehr ganz so leicht um. Es reicht ja auch, dass der Hubschrauber im Klinikum landet.

Ralph Gammanick

 

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Stefan Srp

Dann muss man halt solange auf Seite 1 berichten bis die US-Kampfhubschrauber ein Landeverbot bekommen. Was müssen die damit überhaupt nach Weiden fliegen? Selbst versorgen, kleineren Heli nehmen, Christoph kaufen/ordern. Ich möchte nicht vom Fahrrad vor ein Auto/Bus/LKW geweht werden! Da ist nichts mit schnell festhalten oder Windschatten suchen. Vielleicht erledigt sich das Problem mit Truppenanzug... Wurden die Senioren wenigstens anständig entschädigt?

07.08.2020