26.11.2020 - 12:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens bekanntester Nikolaus Peter Ertl sagt: Aus für den Nikolaus

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An die 250 Familien besuchen Nikolaus Peter Ertl, sein Knecht sowie weitere vier Nikolaus-Gespanne jedes Jahr. Im Coronajahr nicht! Obwohl es möglich wäre. Weidens wohl bekanntester Nikolaus entschied sich dagegen – und nennt Gründe.

Nikolaus Peter Ertl und sein Knecht sind stets begehrt. So wie hier bei der Eröffnung des Christkindlmarkts in Weiden 2018. Heuer aber fällt der Markt aus. Und auch die Besuche des Gespanns bei Familien.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Ständig klingelt derzeit das Telefon bei Peter Ertl: "Die Leute wollen wissen, ob der Nikolaus heuer kommt." Gut 160 Familien haben bereits angefragt. Was sie nun hören werden, ist hart: Der Nikolaus muss absagen. Das fällt Ertl nicht leicht. Er bietet seit nunmehr 42 Jahren ehrenamtlich den Nikolausdienst an, beginnt mit den Vorbereitungen für die Besuche Ende August. Erstmals werden sie ausfallen. Dabei wären sie theoretisch möglich. "Nicht für uns. Denn wir wollen die Familien und uns vor dem Virus schützen." Der einzige Grund für Ertls Absage ist das aber nicht.

Für heuer müssten Nikolaus und Knecht heiraten

Die Antwort auf die persönliche Anfrage des Weideners vom Staatsministerium zu den Nikolausbesuchen in diesem Jahr hat dem 64-Jährigen nicht gefallen. Demnach sei der Nikolausbesuch zwar möglich. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zum Beispiel dürfen sich nur zwei Hausstände treffen. Die Familie ist der eine, der Nikolaus der zweite. "Damit ist es rechtlich nicht möglich, dass der Knecht den Nikolaus begleitet. Da müsste ich meinen Ruprecht erst noch heiraten."

Ginge Ertl als Nikolaus allein in die Wohnzimmer müsste er Maske über dem Rauschebart tragen und Abstand zu den Kindern halten. "Ich kann ihnen ja nicht mal ein Geschenk übergeben. Und nebendran müssen die Fenster offen stehen. Wer reißt die denn im Winter im Wohnzimmer auf?", fragt Ertl skeptisch. Der Alternative, die Kinder draußen vor der Haustür zu besuchen, kann der Weidener nichts abgewinnen: "Das ist sicher ein Weg, aber nicht unserer. Wir stellen uns den Nikolausdienst einfach anders vor, also zu zweit und mit Kontakt." Abgesehen davon warne das Staatsministerium auch unter Einhaltung dieser Regeln drinnen und draußen vor einem hohen Ansteckungsrisiko, das dem Besuchsreigen anhafte. "Drei meiner Nikolaus-Knecht-Paare haben sich auch deshalb gegen die Besuche heuer ausgesprochen, um uns selbst und die Familien zu schützen. Es erscheint uns einfach zu gefährlich und zu unverantwortlich." Mit den Folgen dieser Entscheidung hat Ertl derzeit viel Arbeit.

Absagen: So reagieren die Eltern

"Nach und nach telefoniere ich die Familien ab, um abzusagen." Die Reaktionen seien bislang durchweg verständnisvoll. "Die Betroffenen haben ein Einsehen." Sie müssten nun selbst ran am Nikolaustag: "Beim einen klopft dann der Nachbar ans Fenster, beim anderen steht ein Pakerl vor der Haustür." Auch die Schnuller der Kleinkinder können heuer nicht im Sack auf ewig verschwinden. Ertl lacht bei dem Gedanken laut auf und sagt: "Tatsächlich habe ich noch ein paar Hände voll Schnuller im Keller. Aber das müssen die Eltern heuer leider auch selbst regeln."

Hunderte Termine im Vorjahr

Zum Vergleich: 270 Termine hatten Ertl und seine Niko-Knecht-Gespanne allein im vergangenen Jahr. Bei Familien oder auch Vereinen, Verbänden und Firmen. "50 bis 60 Weihnachtsfeiern waren es 2019." Den Pflichttermin Christkindlmarkt-Eröffnung in Weiden nicht zu vergessen. "Auch das klappt heuer nicht. Heuer ist einfach alles nix." Dabei liefen die Vorbereitungen für all diese Besuche das ganze Jahr über. "Wir arbeiten an Verbesserungen, ab den Neuanmeldungen im August an Routen, und, und, und." Ein, zwei Besuche aber werde es auch heuer geben: kontaktlose. "Wir werden an Kindergärten außen am Fenster vorbeigehen und kurz zum Fenster hin rufen, wo der Sack mit den Mitbringseln steht."

"Wir freuen uns aufs nächste Jahr"

Wo Ertl E-Mail-Adressen hat, kommt die Absage per elektronischer Post. "Wir senden aber eine Art Weihnachtspost, vielleicht kommt auch noch eine Videobotschaft. So oder so sollte die wichtigste Aussage ankommen: Wir freuen und schon aufs nächste Jahr." Und eins möchte der Nikolaus-Profi in Anspielung an das oft ungute Gefühl der Kinder in der Magengrube am Nikolaustag auch noch zu bedenken geben: "Manche Kinder sind vielleicht ganz froh, dass in diesem Jahr mal keiner kommt."

Persönliche Videobotschaft als findige Alternative zum Nikolausbesuch: So funktioniert's

Michldorf bei Leuchtenberg

Nikolausdienst-Überlegungen schon im Sommer

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Zur Person Peter Ertl

  • Der Weidener Peter Ertl ist 64 Jahre alt, katholisch und seit 42 Jahren ehrenamtlich als Bischof Nikolaus unterwegs.
  • Bis zum 55. Geburtstag war Ertl Telekom-Beamter, aktuell wirkt er als Rettungsassistent und nimmt bei der ILS Notrufe entgegen.
  • Für seine Nikolaus-Nachfolge hat er einen Engel auserkoren, der ihn schon länger begleitet. "Aber ich glaube, das klappt nicht."
  • Idealismus und Zeit seien für den Nikolausdienst nötig, schlagende Nikoläuse ein Tabu.

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