14.02.2021 - 12:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Wüstenluchs: Bald Umzug von Nürnberg nach Niedersachsen

"Philipp" wird ein Niedersachse – zumindest auf Zeit: Die Auffangstation für Wildtiere in Sachsenhagen ist die nächste Station des von der Polizei in einer Wohnung in Weiden beschlagnahmten Wüstenluchses.

Die Suche des Tiergartens Nürnberg und des Veterinäramts Weiden nach einer neuen Bleibe für Wüstenluchs «Philipp» ist erfolgreich: Die Raubkatze, die in der Küche einer 44 Jahre alten Frau in Weiden lebte und von den Behörden beschlagnahmt wurde, kommt in die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen in Niedersachsen.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen wird die neue Heimat auf Zeit von Wüstenluchs "Philipp". Er selbst oder ein Mitarbeiter werde das Tier mit dem Auto in einer Transportkiste nach Niedersachsen holen, teilt Dr. Florian Brandes, der Leiter der Auffangstation, auf Anfrage mit. Der Umzug werde voraussichtlich Ende Februar/Anfang März erfolgen, da die Fahrt aktuell wegen des Schneechaos' im Norden Deutschlands zu riskant sei.

Derzeit befindet sich der Mitte Januar von Polizisten in einer Küche in Weiden entdeckte Karakal in einer Nebenstelle des Tiergartens Nürnberg. Die wegen des fehlenden gültigen Tollwutschutzes angeordnete 30-tägige Quarantäne sei bereits abgelaufen, erklärt Norbert Schmieglitz von der Stadt Weiden. Laut Tiergarten gehe es dem Wüstenluchs "derzeit sehr gut": "Er ist fit und hat einen guten Appetit."

Über den Nürnberger Zoo sei auch der Kontakt zu der Wildtierstation in Niedersachsen hergestellt worden, berichtet der Stadtsprecher. Die Entscheidung für Sachsenhagen sei gefallen, "da dort fachmännisches Personal" vorhanden sei und "eine artgerechte Unterbringung des Tieres möglich ist". Außerdem bestünden "dort Erfahrung und ein gutes Netzwerk", um für das Tier "ein optimales endgültiges Zuhause" zu finden.

Die Auffangstation diene "im Grund als Zwischenlager", erläutert Florian Brandes: "Der Wüstenluchs bleibt so lange, bis wir für ihn einen dauerhaften Platz in einer zoologischen Einrichtung bekommen haben." Damit habe man aber "keine besondere Eile": Der Fachtierarzt für Wildtiere und Artenschutz rechnet mit einem halben bis einem Jahr Aufenthalt in Sachsenhagen. "Wir schicken Anfragen an etwa 100 Einrichtungen in Deutschland raus", kündigt er an.

In der Wildtierstation wird sich "Philipp" nicht mit der Fläche einer kleinen Küche begnügen müssen: Er werde dort nicht nur einen etwa 15 Quadratmeter großen, temperierten Innenbereich als "warmen Platz zum Zurückziehen" für sich haben, sondern auch einen circa 50 Quadratmeter umfassenden Außenbereich, sagte Brandes. Gleich daneben seien derzeit vier europäische Luchse untergebracht.

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Weiden in der Oberpfalz

Sachsenhagen - gelegen zwischen Hannover und Minden in der Nähe des Steinhuder Meeres - sei mit 20 Hektar Fläche eine "relativ große Auffangstation", erläutert der Chef von rund 20 Mitarbeitern: "ähnlich einem Zoo". Jedoch sei die Einrichtung, da kein Besucherverkehr herrsche, "praktisch und aufs Tier ausgelegt".

Pro Jahr werden etwa 3000 Tiere aufgenommen und versorgt, informiert Brandes. Dabei handle es sich um "ganz viele einheimische Tiere" wie verwaiste Singvögel, die nach Aufpäppeln und Genesung wieder ausgewildert werden, sowie um "Exoten": beschlagnahmte Tiere - etwa Waschbären und Affen -, die an Zoos weitervermittelt werden. Auch größere Raubtiere seien regelmäßig darunter.

Hintergrund:

Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen

  • Beim neuen Zuhause von Wüstenluchs "Philipp" handelt es sich um eine vom Land Niedersachsen anerkannte Auffangstation für Wildtiere.
  • Sie bietet laut Homepage "medizinische Versorgung für verletzte und verwaiste einheimische Wildtiere" - zum Beispiel Singvögel, Seeadler, Eulen und Luchse - sowie eine "artgerechte Bleibe für die Zeit der Genesung". Ziel ist die "Auswilderung in die freie Wildbahn".
  • Auch Tiere nicht einheimischer Arten werden aufgenommen: "alle Arten von Vögeln und Reptilien", ausgenommen große Krokodile und gefährliche Giftschlangen, und "viele Säugerarten bis auf Großraubtiere". Hier erfolgt eine "Vermittlung in eine dauerhafte Haltung", also in öffentliche zoologische Einrichtungen bzw. bei kleineren Tieren - wie Schildkröten, Schlangen und Echsen - auch in Privathand.
  • Umweltpädagogik und Artenschutz sind weitere Aufgaben der Auffangstation. Darunter fallen etwa die Hilfe bei der Wiederansiedlung beispielsweise von Moorente und Steinkauz, Bestandsstützung, Vogelberingung und Wolfsberatung. (rca)

 

 

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