18.07.2021 - 11:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Mama wünscht sich Spielgeräte für behinderte Kinder

Es ist kein einfaches Leben, das Sylvia Lang führt. Die Weidenerin hat zwei Kinder, eins davon mit schwerer Behinderung. Die Mama macht für ihre Tochter (5) alles, um ihr eine Freude zu bereiten. Doch schon Spielplätze werden zur Hürde.

Man sieht es der kleinen Paula richtig an, sie hat großen Spaß auf dem barrierefreien Trampolin in Parkstein. So etwas wünscht sich Mama Sylvia auch für die Spielplätze in Weiden.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Der Alltag von Familie Lang ist geprägt von Therapien, Übungen und Telefonaten mit Ärzten und Krankenkassen. Paula, die fünfjährige Tochter von Sylvia Lang und ihrem Mann, sitzt im Rollstuhl und hat mit Dystonie, einer Muskelstörung, zu kämpfen. Das Mädchen kann nicht laufen, nicht alleine sitzen und kaum sprechen. "Mal ist sie wie Wackelpudding, mal steif. Sie hat kaum Kontrolle über ihren Körper", beschreibt Mama Sylvia die Krankheit.

Mit Hilfe von Tabletten, mit denen sich Paulas Muskeln lockern, hat das Kind es geschafft, nach drei Jahren "Mama" und "Papa" zu sagen, erzählt die 39-jährige Mutter stolz. "Das war das Schönste in meinem Leben." Weil Paula sonst nicht sprechen kann, kommuniziert die Familie über sogenannte Metacom-Symbole. Wenn Mama Sylvia Paula beispielsweise fragen will, was sie heute machen wollen, holt sie ein paar Karten mit Motiven. Greift Paula dann nach der Karte mit einer Rutsche, einem Trampolin und Sandkastenspielzeug darauf, weiß die Mutter, dass die Fünfjährige gerne auf den Spielplatz will. "So lasse ich sie aussuchen, was sie spielen will. Total klasse", schwärmt sie von den Metacom-Symbolen.

Zum Spielen nach Parkstein

Doch was für andere Kinder selbstverständlich ist, wird für Familie Lang beim Spielplatzbesuch zur Herausforderung. Paula kann mit ihrem Rollstuhl nicht einfach losspielen. Da das Mädchen weder selbst gehen noch sitzen kann, sind die Weidener Spielgeräte für die Familie nicht nutzbar, sagt Sylvia Lang. Sie fährt deshalb zum Spielen extra nach Parkstein, denn da gibt es ein rollstuhlgerechtes Trampolin. Dieses ist in den Boden eingelassen und kann barrierefrei betreten oder eben mit dem Rolli befahren werden. So können Paula und ihr dreijähriger Bruder Oskar zusammen hüpfen, und Mama Sylvia hat beide gleichzeitig im Blick. Im Kindergarten im Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth kann die Fünfjährige so ein Trampolin ebenfalls nutzen, und noch viele Geräte mehr wie eine Schaukel mit Dreiecksgurt. "Die sind total ausgestattet", berichtet Sylvia Lang begeistert. Doch die Mutter wünscht sich, dass ihre Tochter auch mal nachmittags auf den Spielplatz zum Beispiel am Hammerweg gehen kann, und denkt dabei auch an viele andere Familien in Weiden, die ein Kind mit Handicap haben.

Wunsch nach Veränderung

Die 39-Jährige findet es schade, dass es vor ihrer Haustür so eine Möglichkeit wie ein barrierefreies Trampolin nicht gibt, denn nicht nur in Parkstein und Irchenrieth, sondern auch in Sassenreuth bei Kirchenthumbach können Kinder mit Rollstuhl bereits so ein Trampolin nutzen. Sie wünscht sich nun, dass Menschen mit Behinderungen in Weiden noch mehr Gehör finden. "Die Kinder sind so toll und herzlich und irgendwie heißt es immer ,Integration‘ und ,Inklusion‘, aber wenn das nicht mal beim Spielplatz anfängt...", sagt sie und holt tief Luft. "Die, die keine Hand heben, werden vergessen, und das muss nicht sein."

Und deshalb hat sie vor Kurzem bei der Bürgerversammlung zum Thema Barrierefreiheit in Weidens Innenstadt die Hand gehoben, um sich nach Spielgeräten für behinderte Kinder zu erkundigen. "Es gibt in Weiden kein einziges Spielgerät, auf dem behinderte Kinder spielen können", beschreibt sie die Situation aus ihrer Sicht und wünscht sich, dass sich das nun ändert. Nach der Versammlung sei Oberbürgermeister Jens Meyer dann noch einmal direkt auf die Familie zugegangen, um zu fragen, was sie sich wünsche und wo sie wohne. "Er hat uns in die Hand versprochen, sich darum zu kümmern", erzählt Sylvia Lang, die über diese Reaktion sehr froh ist. Nun hofft sie, dass sich wirklich etwas tut und vereinzelt auch auf den Weidener Spielplätzen Geräte für Kinder mit Handicap stehen werden.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bei der Stadt Weiden teilt diese mit: "Beim heuer geplanten Umbau des Spielplatzes in der Max-Reger-Anlage wird ein Spielgerät eingebaut, das rollstuhlgerecht erreichbar ist. Bei Neuanschaffungen von Spielgeräten spielt die Inklusion stets eine Rolle, auch die bestehenden Anlagen werden im Rahmen des vorhandenen Budgets und der vorhandenen Kapazitäten mit weiteren Inklusionsspielgeräten ausgestattet." Die 54 Spielplätze der Stadt Weiden seien aber bereits schon jetzt mit "vielen Spielgeräten zur Inklusion ausgestattet", heißt es weiter aus der Pressestelle. "Teilweise ist auch ein rollstuhlgerechter Zugang vorhanden." Als Beispiele werden in der Pressemitteilung unter anderem der Pausenhof der Hans-Sauer-Schule mit einer Dschungelarena auf Kunststoffbelag, der rollstuhlgeeignet sei, aufgezählt, und der Calisthenics-Park am JUZ, ebenfalls auf Kunststoffbelag. Zudem verweist die Stadt auf Vogelnestschaukeln bei der Clausnitzerschule und im Stadtbad, allerdings auf Kiesriesel und somit eben nur bedingt rollstuhlgeeignet.

Barrierefrei durch Weidens Innenstadt: Pläne in der Zwickmühle der Interessen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

2020: 124 Weidener Kinder und Jugendliche mit Behinderung

  • Laut Zentrale des Zentrums Bayern Familie und Soziales in Bayreuth waren im Jahr 2020 in Weiden 8897 Menschen mit Behinderungen gemeldet
  • 11 davon waren Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahre, weitere 11 Mädchen und Buben 4 bis 6 Jahre alt, 78 im Alter von 6 bis 15 Jahre und 24 zwischen 15 und 18 Jahre alt
Mit Hilfe dieser Symbole kann die Fünfjährige ihrer Mama mitteilen, was sie gerne machen möchte.

"Die, die keine Hand heben, werden vergessen, und das muss nicht sein."

Sylvia Lang, Mama einer Tochter mit Behinderung

 

 

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