20.05.2021 - 11:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Regen lässt die Pilze sprießen

Die tagelangen Niederschläge machen sich in der Natur bemerkbar. Frühe Pilzarten schießen aus dem Boden. Schwammerlsucher müssen zum Abschneiden nicht einmal in den Wald gehen, erklärt der Weidener Experte Norbert Griesbacher.

Klein, aber oho: In der Masse geben Nelkenschwindlinge auch eine Mahlzeit. Die Pilze sind roh aber giftig.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Regen, noch mehr Regen und danach ein kleiner Schauer. Von Trockenheit, die jeder Pilzfreund fürchtet, ist die Oberpfalz derzeit weit entfernt. In den feuchten Böden wachsen frühe Pilzarten heran. Der Weidener Pilzberater Norbert Griesbacher hat selbst schon geerntet: im Gras statt im Wald. "Schmackhafte Speisepilze im eigenen Garten und das meist standorttreu, was will man mehr?" Und auch in der Pilzberatungsstelle hätten sich Finder von Maipilzen oder Schildrötlingen schon über ihre Exemplare schlau gemacht. Zwei typische frühe Vertreter neben Nelkenschwindlingen, die der Buchautor ("Schwammerlsuche in Bayern") ebenfalls schon entdeckte. "Viele haben einen Garten", erzählt Griesbacher, "und aufgrund der starken Regenfälle wachsen die drei essbaren und schmackhaften Arten zurzeit recht üppig".

Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades), auch Küchenschwindlinge genannt, sind laut Griesbacher gute, aromatische Speisepilze, zum Beispiel nur gebraten oder auch mit Rührei. Sehr geeignet seien sie auch als Suppenpilz. Der Kenner empfiehlt, nur die Hüte zu verwenden, da die Stiele zäh seien. Roh seien die Pilze wegen enthaltener Blausäure giftig. "Jedoch: Beim Trocknen und beim Erhitzen werden die Pilze entgiftet."

Die Nelkenschwindlinge wachsen von Mai bis Oktober in so genannten Hexenringen, auffallend kräftig grüne Kreise im Gras, an deren Rand die Pilze sprießen. Lebensräume der häufigen Art sind Wiesen, Weiden, Fußballplätze und Gärten.

Als weitere sehr häufige Gartenpilze kennt Griesbacher Schildrötlinge (Entoloma clypeatum). "Der Pilz lohnt den Versuch einer kulinarischen Verwertung", erklärt er etwas vorsichtig - "trotz des Mehlgeruchs". Ihn selbst stört der nämlich nicht. Vielmehr schwärmt er: "Kross in Butter gebraten, nur mit Salz und Pfeffer und hierzu mit frisch gemahlenem schwarzen oder weißen Pfeffer gewürzt und ohne jede weitere Zutat mit einer Scheibe Butterbrot serviert. Hmmm ..."

Der Schildrötling, auch Frühlingsrötling genannt, komme in zahlreichen Formen von April bis Mai in Gärten und Parks zum Beispiel unter Obstbäumen vor. "Ich empfehle, den Schwammer vorsorglich vor dem Erstgenuss bei einer Pilzberatungsstelle begutachten zu lassen." Ist dann klar, dass es die richtige Art ist, habe der Finder gute Aussichten auf wiederkehrende Mahlzeiten: "Der Pilz ist häufig in Gärten anzutreffen und standorttreu, das heißt, man kann bei genügender Feuchtigkeit jedes Jahr ernten".

Die schönsten Funde unserer Leser

Neustadt an der Waldnaab

Auch für die Maipilze oder Mairitterlinge (Calocybe gambosa) hat der Experte einen Kochtipp - ebenfalls wegen des deutlichen Geruchs nach ranzigem Mehl. Der Pilz, der den Monat im Namen trägt, ist für ihn ein "exzellenter Frühjahrspilz", könne aber eine Hürde für geruchsempfindliche Menschen darstellen. In dem Fall könnten die Exemplare zunächst blanchiert werden, um sie dann kross in Butter anzubraten. Dazu einfach Toast oder Knäckebrot. Maipilze gebe es noch bis Juni, vorwiegend an grasigen Stellen an Waldrändern, auch an Gewässern und in Gärten.

Service:

Pilzberatung

  • Weiden: Norbert Griesbacher, 0961/31409
  • Vohenstrauß: Stefan Hartwig, 09651/916075
  • Schwarzenbach: Martina Franke 09644/6181, 0162/655 67 82, martinafranke[at]gmx[dot]net
  • Weitere Berater: https://www.dgfm-ev.de/
  • Giftnotruf bei allen Vergiftungs- und Vergiftungsverdachtsfällen: 089/19240

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.