27.04.2020 - 14:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Virus und Wir: Es tut mir leid, Mädi

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Labradorhündin Mädi und Redakteurin Jutta Porsche sind Freunde. In Zeiten von Corona wird diese Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Labradore sind wirklich liebenswerte Hunde. Das hier ist zwar nicht Mädi, aber ihr Blick geht einem mindestens ebenso zu Herzen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Keine Frage: meine größte Sorge gilt meinen Verwandten, Freunden und Bekannten, dass ihnen in dieser Corona-Krise nichts passiert. Bisher ist das glücklicherweise nicht der Fall. Gottseidank! Aber wie kommen eigentlich Tiere mit den Folgen von Corona zurecht? Oder - um es ganz konkret zu machen: Wie sag ich es Mädi?

Mädi ist die ganz liebe, brave Labradorhündin unserer Nachbarn, mit der ich seit ihrem Einzug vor einem Jahr große Freundschaft geschlossen habe. Immer wenn ich auf die Terrasse trat und Mädi war im Garten, kam sie zum Zaun, wedelte mit dem Schwanz, wuffte freundlich herüber und wenn sie gemerkt hat, dass ich zu ihr komme, peste sie wie verrückt durch den Garten, um dann meinen Arm von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen abzuschlecken. Im Gegenzug erhielt sie jede Menge Streicheleinheiten.

Aber jetzt: Ich trau mich nicht mehr. Eben weil Mädi mich so hingebungsvoll abschleckt. Auch wenn es heißt, dass von Haustieren angeblich keine Gefahr ausgeht. Bei diesem Speichelfluss ist mir das suspekt. Dazu kommt: Meine Nachbarn wissen ja auch nicht, mit wem ich möglicherweise Kontakt hatte. Und wenn Mädi mein Hund wäre, möchte ich in Corona-Zeiten auch nicht, dass sie die Nachbarin so ohne jede Abstandsregel kontaktiert.

Die Folge: Mädis Freude, mich zu sehen, ist in den letzten Wochen immer geringer geworden. Anfangs kam sie noch zum Zaun, hat gewedelt und gebellt. Dann kam sie nur noch zum Zaun, winselte mal leise und schlich schließlich mit hängendem Schwanz von dannen. Jetzt hebt sie nur noch kurz den Kopf, wenn ich rausgehe, schaut mich an, und wenn sie feststellt, dass ich wieder auf der Terrasse stehen bleibe, legt sie den Kopf wieder ab und schaut demonstrativ in eine andere Richtung. Mein gutes Zureden hilft nicht. Sie versteht mich nicht. Ich habe sie schwer enttäuscht. Wer weiß, ob ich das in den Zeiten nach Corona jemals wieder gut machen kann?

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