30.08.2021 - 13:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verwirrender Gerichtsstreit um fast 94.000 Euro

Auf fast 94.000 Euro verklagte eine Bauträger-Firma aus Nordrhein-Westfalen eine Frau aus dem Kreis Neustadt/WN. Die Landwirtin hatte unter anderem eine Photovoltaik-Anlage bestellt – nur nicht bei der Firma, die nun Geld von ihr wollte.

Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen.
von Autor RNSProfil

Im April 2020 hatte eine Frau aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN ein Angebot über die Erstellung einer Photovoltaik-Anlage und einer umfassenden Sanierung ihres landwirtschaftlichen Anwesens für fast 300.000 Euro bekommen. Als Handelsvertreter der Firma, die auch in Bayern viele Kunden hat, trat ein 57-Jähriger aus der Region auf.

Nach einigen Besprechungsterminen im Namen des ostwestfälischen Betriebs legte er der Kundin einen Vertrag zur Unterschrift vor. Im fast gleichen Erscheinungsbild wie dasjenige, das die Bestellerin in den vorherigen Prospekten gesehen hatte – jedoch mit den Kontonummern und dem Namen der Lebensgefährtin des 57-Jährigen.

Im Vertrauen darauf, dass sie den Auftrag erhalten würde, lieferte dann die Photovoltaik-Firma die Materialien auf das bäuerliche Anwesen und der Bau wurde, unter Aufsicht des Handelsvertreters, vollendet. Die Kundin bezahlte – an die Lebensgefährtin des Vertreters – und wunderte sich, dass plötzlich auch die Bauträger-Firma für die Materialien Geld wollte.

Im Prozess vor der Zivilkammer des Landgerichts wies Rechtsanwalt Dr. Lutz Rittmann darauf hin, dass seine Mandantin, getäuscht durch den fast identischen Briefkopf des Vertrags und den zuvor untadeligen Ruf des bekannten Vertreters, das Material gutgläubig erworben habe. Richter Thomas Hys sah dies ebenso. Die Lieferung der Firma hätte nicht ohne Vertragsschluss mit der Frau erfolgen dürfen. Wegen des „gutgläubigen Erwerbs“ stehe der Firma auch keine Rückgabe der Materialien – ohnehin nicht möglich, weil verbaut – zu. Die Kosten des Rechtsstreits hat die Klägerin zu tragen. Diese hat bereits Strafanzeige wegen Betrugs gegen ihren ehemaligen freiberuflichen Mitarbeiter und dessen Lebensgefährtin gestellt.

Drei Jahre Haft für die eine Mutter, die ihr totes Baby in der Mülltonne entsorgt hat

Regensburg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.