30.03.2021 - 19:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tübingen an der Waldnaab: Weiden wittert Chance auf Lockerungen für Einzelhandel

Die Stadt würde gerne ruhige Osterferien opfern, wenn sie dafür dass "Tübinger Modell" mit Schnelltests, die Lockerungen in Einzelhandel und Gastronomie möglich machen, ausprobieren dürfte. Drei Männer sind dazu recht optimistisch.

Die Sehnsucht der Weidener Einzelhändler passt zurzeit auf ein Plakat im Schaufenster. Mit etwas Glück und Hilfe aus München geht ihr Wunsch nach Kundenkontakt im Geschäft erstmals am 12. April in Erfüllung.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

"Es hat eigentlich nur noch gefehlt, dass er Weiden gesagt hat", zieht Bürgermeister Lothar Höher eine Bilanz des bayerischen Impfgipfels am Dienstagmittag. "Er" ist Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Und er hat angekündigt, dass ab 12. April acht Modellstädte im Freistaat nach Tübinger Vorbild 14 Tage lang vorsichtig Geschäfte und eventuell Gaststätten auf Probe hochfahren können.

Dass seine Stadt gute Chancen hat dabei zu sein, macht Höher am Kriterienkatalog Holetscheks fest: Große Kreisstädte oder kreisfreie Städte unter 100 000 Einwohner, stabile 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200, Test-und Hygienekonzepte sowie ein funktionierendes Kontaktmanagement über das Gesundheitsamt. "Das erfüllen wir alles." Höher ist dazu in ständigem Kontakt mit dem urlaubenden OB Jens Meyer.

Keine Ausschlusskriterien

Ihr Sprachrohr in München ist Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger. Er hatte bereits vor einer Woche eine Initiativbewerbung für Weiden samt den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth losgelassen. Diese Idee hatten andere Abgeordnete auch, gibt er zu. Da bei der Regierung schließlich über 100 Bewerbungen auf dem Tisch lagen, hat sie einen Kriterienkatalog erstellt, in dem nur mehr Städte auftauchen. Weiden wäre prädestiniert, ist der Abgeordnete überzeugt.

Wenn indes durch Lockerungen beim Einkauf die Infektionszahlen kletterten, würde sofort die Reißleine gezogen. Wie hoch diese Leine genau hängt, wird wohl erst nach der Kabinettssitzung am 7. April bekannt, in der auch die Modellstädte bekanntgegeben werden. Nach derzeitigen Vorschriften ist mit "Click & Meet", dem Einkauf nach vorheriger Anmeldung, sofort Schluss, wenn die Inzidenz die 200er-Marke überschreitet.

Testfall Dienstleistung

Was Oetzinger und Höher zuversichtlich stimmt, ist die wirtschaftliche Struktur Weidens: wenig verarbeitendes Gewerbe, viel Dienstleistung und Handel. Und gerade der Handel bekomme die Pandemie besonders hart ab, vor allem in der Innenstadt. Oetzinger sieht darin eine Chance, dass genau daraus Erkenntnisgewinn aus der Modellstadt-Strategie möglich ist. Was in Oberbayern in Sachen Tourismus getestet werden könne, sei in Weiden der Dienstleistungssektor.

Sollte Weiden zum Zug kommen, muss es schnell gehen. Zwischen der Entscheidung und dem Beginn der Testphase am 12. April liegen nur fünf Tage. Höher steht wegen der Beschaffung von Schnelltests bereits mit dem Gesundheitsamt in Kontakt. Um nicht unvorbereitet zu sein, will die Stadt zudem eine Task Force einrichten. Jedes Dezernat soll zwei Mitarbeiter abstellen. Parallel dazu sind bereits Bewerbungen von Organisationen und Laboren eingegangen, die Teststationen betreuen könnten. Oetzinger und Höher gehen davon aus, dass sie den Auftrag dazu lokal vergeben können und dies nicht bayernweit organisiert wird. Nach bisherigen Planungen seien in der Stadt neun Teststationen in der Nähe von Geschäften geplant. Passanten gehen hin, holen sich ein Schnelltest-Kit und warten eine Viertelstunde aufs Ergebnis. Diese Anlaufstellen ähneln Pavillons. Da die Staatsregierung zusätzlich 115 neue Schnellteststrecken für Bayern angekündigt hat, dürfte auch eine für die Nordoberpfalz abfallen. Die muss nicht in Weiden entstehen, sagen Oetzinger und Höher. "Wir stimmen uns mit dem Landrat ab." Doch was passiert, wenn die Kanzlerin sich vor Ostern doch noch mit einem härteren Lockdown durchsetzt? Dann ist nichts verloren, sind der Bürgermeister und der Abgeordnete überzeugt. "Dann probieren wir es eben zwei Wochen später."

Die Modellregion-Pläne mit Neustadt, Tirschenreuth und Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Die aktuelle Beschlusslage des bayerischen Kabinetts zum Einzelhandel vom 23. März

  • Bei 7-Tage-Inzidenz unter 100 wird der Einzelhandel geöffnet, unter Geltung der allgemeinen Schutz- und Hygienekonzepte (Mindestabstand, Maskenpflicht, ein Kunde je 10 qm für die ersten 800 qm der Verkaufsfläche sowie zusätzlich ein Kunde je 20 qm für den 800 qm übersteigenden Teil der Verkaufsfläche).
  • Bei 7-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt zwischen 100 und 200 gilt für den Einzelhandel zusätzlich: Terminshopping-Angebote („Click & Meet“), ein Kunde pro 40 qm Verkaufsfläche nach vorheriger Terminvereinbarung und Vorlage eines aktuellen (24 Stunden) negativen Tests.
  • Nach dem Ende der Osterferien werden abhängig von den Inzidenzen weitere Öffnungsschritte in den Bereichen Außengastronomie, Kultur und Sport erfolgen.
  • Noch unklar ist, wie lange bei Modellstädten ein negativer Schnelltest gelten soll: eventuell den aktuellen Kalendertag, eventuell die folgenden 48 Stunden.
  • Bei positivem Schnelltest folgen ein PCR-Test und Quarantäne für den Betroffenen.

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