28.10.2020 - 18:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

TSV Eslarn nach Corona-Infektionswelle: "Wir haben nichts falsch gemacht"

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Patrick Herdegen ist Kapitän der Mannschaft des TSV Eslarn. Dass sein Team nach den gestiegenen Coronazahlen in Eslarn den Schwarzen Peter zugeschoben bekommt, will er so nicht stehenlassen. "Wir haben nichts falsch gemacht."

Torwart Patrick Herdegen vom TSV Eslarn (hier im Spiel gegen die DJK Irchenrieth) macht im Namen seiner Mannschaft deutlich: "Wir haben keine Siegesparty gefeiert."
von Michaela Lowak Kontakt Profil

27 Neuinfizierte mit dem Coronavirus weist die Statistik für den Markt Eslarn aus. Damit ist die Kommune derzeit Spitzenreiter im Landkreis. Etliche der positiv Getesteten sind in der Fußballmannschaft des TSV Eslarn zu finden. Schnell machte die Runde, dass die Mannschaft nach einem Sieg gegen die SpVgg Vohenstrauß II vor ein paar Wochen zu viel gefeiert und sich das Virus dadurch vermehrt ausgebreitet hätte. Patrick Herdegen, Kapitän der Mannschaft, ärgert sich über diese Aussagen. "Wir haben keine Siegesparty gefeiert", stellt der 31-Jährige klar.

"Dass wir uns über den Sieg gefreut haben, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen", gibt er zu. Aber von Party könne keine Rede sein. "Wir gingen nach dem Spiel geschlossen als Mannschaft ins Sportheim und saßen verteilt an den Tischen, was ja auch nicht verboten war", erzählt er. Es sei wie in jeder normalen Gaststätte auch gewesen, und es seien auch die entsprechenden Hygienemaßnahmen eingehalten worden. "Wir standen weder mit 20 Mann am Tresen noch auf dem Tisch", erinnert sich Herdegen an den Abend. "Ich bin gegen 21.30 Uhr als einer der letzten nach Hause gegangen."

"Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner, dass dieses Virus bereits unter uns ist", bedauert der Fußballer. Selbst als am Dienstag einer in der Mannschaft die ersten Symptome hatte, sei nicht klar gewesen, was für ein Ausmaß es annehmen würde. "Wir Spieler haben uns bereits Woche für Woche Gedanken gemacht, was ist, wenn es doch einen von uns erwischt", sagt er. "Und leider ist es dazu gekommen."

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Herdegen ist zunächst einmal froh, dass alle im Team gut durchgekommen sind. "Das sollte erstmal im Vordergrund stehen." Lediglich einer aus dem Umfeld habe verminderten Geruchs- und Geschmackssinn sowie Kopf- und Gliederschmerzen gehabt. Acht Spieler und drei Betreuer waren infiziert.

Als problematisch sieht er die Tatsache, dass einige der Teamkollegen keinerlei Symptome hatten, obwohl sie positiv waren. "Woher sollte man nur die leiseste Ahnung haben, dass man das Virus überhaupt in sich trägt", fragt er sich. Auch bei ihm selbst sei dies so gewesen. "Keiner weiß, ob nicht bereits zuvor schon einer aus den Reihen infiziert war und eben nur symptomlos geblieben war. Oder hinterlässt das Virus neuerdings den Absender wo es her kommt?", macht sich der Fußballer Gedanken. "Ich wäre nie zum Testen gegangen, wenn in der Mannschaft nicht ein Fall aufgetreten wäre", gibt er zu.

Die Frage der Schuld ist für ihn deshalb nicht relevant. "Also, hört auf, dem Fußball oder jeglichen anderen Sportarten die Schuld zu geben", appelliert er an die Öffentlichkeit. "Vor paar Wochen waren es die Reiserückkehrer, und jetzt wird es auf andere umgewälzt."

Info:

Hygienekonzept für jeden Fußballverein

  • Der Bayerische Fußballverband hat jedem Verein ein Muster für ein Hygienekonzept an die Hand gegeben, das individuell an die Örtlichkeiten angepasst werden konnte.
  • Warum herrscht beispielsweise in der Weidener Fußgängerzone Maskenpflicht, während sich 22 Spieler auf dem Platz problemlos begegnen dürfen? Auch diese Frage lässt sich mit Blick auf das Hygienekonzept beantworten. Die Kontaktdaten der Fußballer sind bekannt, die der Passanten, die sich zufällig über den Weg laufen, nicht.
  • Ein Thema ist außerdem der Platz in den Umkleiden. „Unsere Mannschaft hat zum Umziehen zwei Kabinen zur Verfügung, in denen auch Plätze freigelassen werden müssen“, informiert Kapitän Patrick Herdegen über die Gegebenheiten beim TSV Eslarn. Dem jeweiligen Gegner steht der gleiche Platz zur Verfügung.

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