10.02.2020 - 19:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sturm reißt Blechplatten vom Weidener Rathaus ab

Montagmittag schlägt Orkan Sabine zu: Große Blechplatten wirbeln vom Dach des Weidener Rathauses. Eine trifft ein Auto. Personen werden glücklicherweise nicht verletzt. Die Freiwillige Feuerwehr rückt an.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Bis dahin blieb die Max-Reger-Stadt von dem Unwetter weitgehend verschont. „Ein einziges Bäumchen mussten wir bis 12 Uhr in der Dr.-Martin-Luther-Straße entfernen“, berichtet Stadtbrandinspektor Richard Schieder. Im Weidener Umland dagegen hatte die Integrierte Leitstelle (ILS) weit mehr Einsätze zu koordinieren. 52 Notrufe liefen zwischen Sonntagnacht, 22 Uhr, und Montagmorgen, 10 Uhr, bei der ILS ein. 31 davon waren durch den Orkan bedingt. Dabei handelte es sich fast durchwegs um Bäume oder Äste, die Straßen blockierten.

So richtig wüst wurde es kurz vor Mittag. Zwischen 11.10 und 12.15 Uhr gingen weitere 21 Anrufe bei der ILS ein, die durch das plötzlich einsetzende Unwetter bedingt waren. Die Mehrzahl betraf erneut umgeknickte Bäume und abgebrochene Äste. Richtig gefährlich schlug der Sturm beim Neuen Rathaus zu. Er hob nach Angaben des Baudezernats auf einer Länge von fast 25 Metern Bleche der bereits fertiggestellten Attikaverkleidung ab und schleuderte sie über das Dach auf den Parkplatz des Rathauses. Dabei wurde ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden nicht verletzt. Das Dach war erst 2018/2019 saniert worden.

Schaden am Uhrenturm

Mit einer Geschwindigkeit von etwa 108 Stundenkilometern hatten die Windböen die circa 2 Meter x 80 Zentimeter großen Stahlblechteile aufgebogen und aus den Verankerungen gerissen. Die Feuerwehr sperrte den Vorplatz des Neuen Rathauses aus Sicherheitsgründen ab. Durch die Arkaden kann der Haupteingang aber weiterhin betreten werden, meldet die Stadt. Auch Undichtigkeiten im Bereich des Uhrenturmes wurden festgestellt. Wehrmänner sicherten die schadhaften Stellen mit Planen ab. Bei nachlassender Windstärke sollen die zuständigen Dachfirmen den Schaden am Dienstag aufnehmen und schnellstmöglich beheben.

Wenig später war die Drehleiter in der Johannisstraße gefordert. „Die Straße liegt voller Dachziegel, und ein Auto ist beschädigt“, lautete die Meldung um 12.30 Uhr an die Polizei. Eine Streife stellte vor Ort fest: Es besteht die Gefahr, dass von einem Anwesen weitere Ziegel herunter fallen. Deshalb wurde die Johannisstraße im Bereich zwischen Bahnhof- und Naabstraße bis auf weiteres gesperrt. Die orkanbedingten Einsätze summierten sich laut ILS im Raum Weiden-Neustadt-Tirschenreuth bis 14.30 Uhr auf 88, bis 18.15 Uhr auf 114.

Geperrt waren ab 12 Uhr außerdem die Gleise auf der Strecke Weiden-Hof in Höhe des Stadtteils Hammerweg in beide Richtungen. Ein umgestürzter Baum blockierte die Schienenstränge laut Polizeihauptkommissar Bertram Birkmüller. Auf die Züge hatte das keine Auswirkungen, weil die Bahn den Verkehr ohnehin seit Sonntagabend ausgesetzt hatte. Ebenfalls gesperrt werden musste laut ILS die Strecke Weiden-Bayreuth im Bereich Schwarzenbach-Pressath.

Die Weidener Feuerwehr wurde allein Montagmittag innerhalb von zehn Minuten zu zehn Einsätzen angefordert. Mit Ausnahme des Rathausdachs und der Johannisstraße handelte es sich hier durchwegs um umgestürzte Bäume im gesamten Stadtgebiet: Von der Vohenstraußer Straße bis zum Merklsteig, von der Oberen Bauscher- bis zur Dr.-Kilian-Straße.

Aber auch im Landkreis mussten die Feuerwehren immer wieder ausrücken, weil Bäume die Fahrbahnen blockierten. So zum Beispiel in Altenstadt/WN an der Ecke Haydn-/Lortzingstraße, in Georgenberg, Friedersreuth, Pressath, Parkstein-Hütten und Trauschendorf. An der A93 in Höhe Windischeschenbach drohte ein umgestürzter Jägersitz auf die Fahrbahn zu rutschen.

Im Raum Neustadt kam es am Montag außerdem zu Stromausfällen. Bis 18 Uhr waren in der Oberpfalz und Niederbayern nach Auskunft von Bayernwerk-Pressesprecher Maximilian Zängl noch etwa 5000 bis 6000 Haushalte unversorgt. Zahlreiche Mitarbeiter waren im Einsatz. „Wir halten uns weiter bereit“, versicherte Zängl. Denn nachts drohten weitere Sturmböen.

Schulfrei: So fällt die Entscheidung:

Koordinierungsgruppe trägt die Verantwortung

Für Tausende von Schülern fiel am Montag der Unterricht flach. Doch wer entscheidet das eigentlich? Christine Söllner, Leiterin des Schulamts Weiden-Neustadt/WN, klärt auf. Seit 2010 wurde die Entscheidung, die früher beim Kultusministerium lag, auf die Schulämter verlagert. Seitdem entscheidet vor Ort eine vierköpfige Koordinierungsgruppe, der neben der Schulamtsleiterin je ein Vertreter der Realschulen, Gymnasien und Sonderpädagogischen Förderzentren angehört, ob der Unterricht abgesagt wird oder nicht. Voraussetzung ist eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes der Stufe rot.

"Die Koordinierungsgruppe wird einen Tag vorher zusammengerufen und spricht sich dann ab", so Söllner. Das kann manchmal bis in den späten Abend dauern. Am Sonntag fiel die Entscheidung allerdings schon gegen 18 Uhr, da angesichts der Warnung Schäden für Leib und Leben der Schüler zu befürchten waren. Die Vorgabe "schulfrei" gilt für sämtliche Schulen im Bereich Weiden-Neustadt/WN, das heißt von der Grundschule bis zu FOS/BOS und Berufsschulen.

Die Entscheidung löst eine Informationskette aus. "Wir benachrichtigen alle Schulleiter." Die Vertreter der verschiedenen Schularten verständigen ihre jeweiligen Vorgesetzten bei der Regierung der Oberpfalz. Söllner: "Das hat wunderbar geklappt." Die Information, dass der Unterricht ausfällt, wird außerdem auf einer vom Kultusministerium eingerichteten Internet-Plattform zur Information der Medien eingestellt. So wird die Öffentlichkeit informiert.

Der Montag war nach Angaben von Christine Söllner der vierte Tag seit 2010, an dem der Unterricht abgesagt wurde. "Das erste Mal war das im Dezember 2010 der Fall, so weit ich mich erinnere." Ein heftiger Schneesturm hatte damals die Straßen verweht, so dass es für viele Schüler unmöglich gewesen wäre, zur Schule zu kommen. Etwa zwei Wochen später wiederholte sich dieses Szenario. Der dritte Fall ereignete sich Anfang Februar 2019. Damals waren die Straßen im östlichen Landkreis Neustadt ebenfalls so eingeschneit, dass sich die Kooperationsgruppe für schulfrei entschied.

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