14.07.2021 - 16:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stornierte Reisen, geschlossene Fitnessstudios: Verbraucher haben viele Fragen

Abgesagte Reisen, stornierte Veranstaltungen, geschlossene Fitnessstudios: Viele Weidener richteten Fragen zu diesen Themen im Corona-Jahr 2020 an die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Manche Antworten sind bis heute nicht klar.

Endlich ab in den Urlaub: Während das dieses Jahr möglich ist, mussten viele Reisewillige in 2020 ihren Urlaub stornieren. Die Stornobedingungen sorgten auch bei vielen Weidenern für Fragen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Eine große Welle an Fragen stellten die Weidener zu Beginn der Pandemie an Elisabeth Graml von der Beratungsstelle Weiden der Verbraucherzentrale. „Corona war ein Riesenthema. In dieser Zeit kam es drauf an, den Ratsuchenden schnell mit verlässlichem Rat zur Seite zu stehen. Gerade bei abgesagten Reisen kamen die Betroffenen oft nur mit unserer Unterstützung zu ihrem Geld“, so die Verbraucherschutzexpertin. Sie blickt auf das besondere Jahr 2020 zurück und erklärt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, welche der Themen bis ins aktuelle Jahr hineinreichen.

800 Menschen mit Fragen hat die Weidener Beratungsstelle im vergangenen Jahr unterstützt. Zusätzlich erteilte die Beraterin laut Jahresbilanz mehr als 1600 Kurzinformationen und Auskünfte. Neben allgemeinen verbraucherrechtlichen Fragen (33 Prozent der nachgefragten Themen) hätten über 2400 Menschen Fragen zu Energie- und Umweltthemen gehabt (19 Prozent). Für viele Fragen habe aber auch die Corona-Pandemie gesorgt. Der Schwerpunkt habe bei abgesagten Reisen, stornierten Veranstaltungen und geschlossenen Fitnessstudios gelegen.

"Jeder musste stornieren"

Die Weidener hätten beispielsweise "massenweise" gefragt, ob sie Stornokosten bei abgesagten Reisen zahlen müssen. "Es hat ja keiner mehr reisen können, jeder musste stornieren." Die Fragen dazu wirkten bis heute nach. Bis heute sei beispielsweise nicht geklärt, ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann, wenn jemand ohne eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts eine Reise nicht antrat, es später aber eine Reisewarnung für dieses Land gegeben hat. Hier stehe noch eine richterliche Entscheidung aus.

Auffällig sei 2020 auch das Verhalten einiger Unternehmen aus der Reisebranche gewesen. "Rückerstattungen sind immer schwierig gewesen, aber 2020 war es tatsächlich noch schwieriger", so Graml. Manche Veranstalter hätten überhaupt nicht erstattet und stattdessen "den Kopf in den Sand gesteckt und auf Zeit gespielt. Ohne rechtliche Schritte ging oftmals gar nichts". Das scheint auch für Fragen zu Verträgen mit einigen Fitnessstudios zu gelten.

Verlängerte Laufzeiten

Wie Graml aus den Beratungsgesprächen weiß, gibt es Fitnessstudio-Betreiber, die bei einer Kündigung des Vertrages den Zeitraum der pandemiebedingten Schließung des Studios an die Laufzeit dranhängen. Hier geht es für die Kunden um etliche Monatsbeiträge. "Wir sind der Auffassung, dass eine solche einseitige Vertragsverlängerung nicht rechtens ist", sagt Graml. Eine richterliche Entscheidung stehe jedoch auch hier noch aus. Es werde wohl noch einige Zeit dauern, bis diese Fragen geklärt sind.

Weitere Themen, zu denen die Weidener Fragen hatten und haben:

  • Telekommunikation und Internet: Als "Dauerbrenner" erwies sich laut Jahresbilanz wie in normalen Jahren der Ärger mit Telekommunikationsanbietern. „Dabei waren mit der Arbeit im Homeoffice viele Berufstätige mehr denn je auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen“, so Graml. Hinzu kamen gerade im Lockdown viele Beschwerden über Abzocke bei Online-Käufen und Fake-Shops.
  • Energie: Mehr Menschen als sonst haben sich laut Graml im Corona-Jahr mit ihrem Wohngebäude und der Einsparung von Energie beschäftigt. "Förderprogramme und gesetzliche Neuerungen zur energetischen Gebäudesanierung, insbesondere zum Einbau neuer Heizungen, ließen die Nachfrage an Energieberatung deutlich steigen", bilanziert die Expertin. Online-Vorträge auf der Website der Verbraucherzentrale zu Energiethemen seien entsprechend gefragt gewesen. Dort seien weitere Termine zu finden.
  • Finanzen: Das Interesse an Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen, Kredite war 2020 ungebrochen hoch. „Dabei ging es sowohl um rechtliche als auch um wirtschaftliche Aspekte“, berichtet Elisabeth Graml.
  • Versicherungen: Viele private Krankenversicherer erhöhten 2020 ihre Beiträge und sorgten dadurch für Beratungsbedarf zu Tarifwechseln und Vergleichen mit anderen Tarifen.

Ab Freitag, 23. Juli, empfängt die Beratungsstelle, die im September in die Frauenrichter Straße 55 umgezogen ist, Ratsuchende wieder persönlich. Die persönliche Beratung findet vorerst allerdings nur nach Terminvereinbarung statt. Termine können ab Donnerstag, 15. Juli, vereinbart werden – per Telefon unter 089/55 27 94-0 oder online unter www.verbraucherzentrale-bayern.de.

Privatinsolvenzen nehmen zu

Amberg
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Tipps für die Reiseplanung während der Corona-Pandemie

  • Quarantäneregelungen: Vorab beim Auswärtigen Amt und Robert-Koch-Institut informieren. Bei einer Einstufung eines Reiseziels als Virusvariantengebiet (siehe kürzlich Portugal) kann plötzlich eine Quarantäne für Rückkehrer Pflicht sein, auch wenn diese bereits geimpft sind.
  • Reiseart: Pauschalreisen sind besser abgesichert als Reisen, bei denen Flug, Unterkunft etc. einzeln gebucht worden sind.
  • Stornierungsmöglichkeiten: Viele Reiseveranstalter bieten sogenannte Flex-Tarife oder kostenlose Stornierungsmöglichkeiten an. Reisezeiträume, Preise und Bedingungen genau prüfen. Gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, kann eine Pauschalreise kostenlos storniert werden. Eine kostenlose Stornierung von Reisen, die erst in einigen Wochen oder Monaten stattfinden sollen, ist damit allerdings nicht in jedem Fall gerechtfertigt.
  • Reisewarnungen: Seit 1. Juli für Länder entfallen, die nur als Risikogebiet eingestuft werden. Es ist rechtlich noch nicht eindeutig geklärt, ob eine Einstufung als Risikogebiet ohne Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausreicht, um eine Pauschalreise kostenlos stornieren zu können.
  • Vorkasse: Sollte laut Verbraucherzentrale am besten vermieden werden, weil viele Veranstalter und Fluganbieter bislang keine Erstattungen zahlten.
  • Sicherungsschein: Sichert Pauschalreisen im Falle einer Insolvenz ab.
  • Reiseversicherung: Manche Rücktrittsversicherungen decken Schäden und Folgen der Pandemie nicht mit ab. Vertragsbedingungen prüfen.
  • App: Die Verbraucherzentrale empfiehlt die App "Sicher Reisen" des Auswärtigen Amts bei Reisen ins Ausland.
  • Weitere Infos: https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/corona-covid19-die-folgen-und-...

Quelle: Verbraucherzentrale Bayern

 

 

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