29.05.2020 - 13:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Start der Innen-Gastronomie in Weiden und Neustadt: Viel Aufwand, wenig Gäste

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Maske, Abstand, Essen: Auch in den Innenräumen dürfen die Gaststätten in Weiden und im Landkreis Neustadt an der Waldnaab seit Montag wieder öffnen. Doch wirtschaftlich wird das für viele Wirte zum Problem.

"Reserviert Corona" steht auf einem Tischkärtchen im "Wam No 1 Burgerhaus" in Weiden. Aktuell bleiben viele Plätze für das Coronavirus reserviert, denn auch in den Innenräumen müssen die Wirte für Abstand zwischen den Gästen sorgen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil
Viele Plätze bleiben ganz bewusst leer. Die Wirte müssen zum Schutz vor dem Coronavirus für genügend Abstand zwischen den Gästen sorgen.

Nur neun Tische dürfen in den gewölbten Innenräumen des italienischen Restaurant "La Vita" in Weiden bewirtet werden. Viel weniger als sonst. Doch mehr lassen die neuen Abstandsregelungen der Bayerischen Staatsregierung in den engen Gasträumen am Unteren Markt nicht zu. "Wir sind froh, dass wir wieder öffnen können, aber kostendeckend ist das so nicht", erklärt Franziska Vogt vom "La Vita".

"Wie Vollgas im ersten Gang"

Seit 25. Mai dürfen die Gastwirte in Bayern nicht nur im Außenbereich, sondern auch in den Innenräumen wieder öffnen. Natürlich nur unter Einhaltung strenger Regeln: 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen, Datenerfassung zur Nachverfolgung möglicher Infektionsketten, Mund-und-Nasen-Schutz tragen, sobald man den Tisch verlässt.

Corona-Regeln ab 25. Mai

Bayern

Nicht alle Gäste haben dafür Verständnis, erklärt Franziska Vogt: "Manche motzen schon, warum sie denn auch auf dem Weg zur Toilette ihre Maske aufsetzen müssen." Das Servicepersonal müsse häufig auf die Einhaltung der Maßnahmen hinweisen. Dass sich der Aufwand mit den wenigen Tischen wirtschaftlich kaum lohnt, versteht auch Robert Drechsel, Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Raum Weiden-Neustadt: "Personal, Kosten, alles bleibt gleich. Aber der Aufwand ist höher und das bei geringerer Kapazität. Das ist wie ein Motor, der im ersten Gang permanent Vollgas gibt."

Unverständnis bei Öffnungszeiten

Zwar habe die Branche die Öffnung mit Spannung erwartet und sich viele Hoffnungen gemacht, Drechsel sieht aber noch deutliches Steigerungspotenzial nach oben. "Insgesamt scheint der Start eher verhalten gewesen zu sein." Dies bestätigt Wolfgang Schlitter vom Restaurant "Zum Wam Bazi" in der Stadthalle Neustadt: "Der große Ansturm war nicht da, die Leute sind zögerlich." Schlitter hat das Gefühl, dass die Auflagen häufig Kunden abschrecken. Für die Mitarbeiter in der Gastronomie würden die Auflagen Mehrarbeit bedeuten, die sich durch die wenigen Gäste aber kaum lohne. Insgesamt hätten die Gäste, die kommen, die Maßnahmen aber akzeptiert.

Auch für Felix Bauernfeind, Betriebsleiter im Kloster-Gasthof Speinshart, war der Start holprig: "Wir sind optimistisch, aber momentan ist es sehr zäh." Woran das liegt, darüber kann Bauernfeind nur spekulieren. Immer wieder würden Fragen zum Datenschutz kommen. Möglicherweise liege es auch an der fehlenden Geselligkeit, die sonst in Biergärten oder Gasthöfen zu finden sei. "Sonst setzt man sich auch mal mit Fremden an einen Tisch und trinkt etwas. Das ist ja im Moment nicht möglich."

Los ging es zuerst in den Biergärten

Weiden in der Oberpfalz

Vor allem die Vorschrift zu den unterschiedlichen Öffnungszeiten für Innen- und Außenbereich stößt bei den allerdings Gastwirten auf Unverständnis. Franziska Vogt fragt sich: "Wie soll ich es meinen Gästen erklären, dass sie draußen bis 20 Uhr und drinnen bis 22 Uhr sitzen dürfen? Das macht doch keinen Sinn." Auch Robert Drechsel findet das Vorgehen der Politik teilweise schwierig: "Sie von Woche zu Woche mit Regelungen zu vertrösten, tut den Betrieben gerade weh. Schließlich freuen sich alle darüber, endlich wieder Kontakt zu den Gästen zu haben."

Freude bei Gästen und Wirten

Auch Angelika Heining vom Hotel zur Heimat berichtet von einem freudigen Wiedersehen: "Es kamen viele Leute, die sich sehr gefreut haben, dass wir wieder öffnen durften. Es läuft an, wir schauen mal, wie es sich noch entwickelt."

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Einen Lieferservice bot das Hotel genau wie das Restaurant "Zum Wam Bazi" nicht an. Angelika Heining erklärt: "Wenn eine frische Sauce Hollandaise durch die Gegend gefahren wird, schmeckt das einfach nicht." Und auch Wolfgang Schlitter meint: "Ich kann meinen Gästen damit nicht 100 Prozent geben." Der Abholservice hingegen sei vor allem zur Mittagszeit während der Phase der strengen Corona-Beschränkungen im "Wam Bazi" gut gelaufen. Mittlerweile habe auch das wieder nachgelassen.

Dokumentation überschaubar halten

Robert Drechsel wünscht sich für die Zukunft, dass die Leute endlich wieder in die Gaststätten gehen. Die meisten Gäste, die aktuell in sein Wirtshaus kämen, seien zwar Stammgäste, aber auch "für Angsthasen beim Datenschutz" wäre er vorbereitet. Ohnehin würden die Daten nur vier Wochen aufbewahrt und anschließend vernichtet. Die Politik müsse diese Dokumentationsarbeit für die Gastwirte überschaubar halten: "Das Gastgewerbe braucht in Zukunft vernünftige Rahmenbedingungen." Felix Bauernfeind vom Kloster-Gasthof Speinshart hat seinen Optimismus in der angespannten Lage nicht verloren. Für ihn steht fest: "Wir werden nicht aufgeben und hoffen sehr, dass bald alles wieder normal wird."

Was ist mit Hochzeiten?:

Heining beklagt widersprüchliche Auskünfte

Angelika Heining vom Hotel zur Heimat brennt noch ein ganz anderes Thema unter den Nägeln: "Was ist mit den Hochzeiten und Geburtstagsfeiern in den kommenden Monaten?" Während der Gastraum in der Orangerie sonst Platz für 120 Personen biete, sind es aktuell durch den geforderten Abstand nur etwa ein Viertel davon. Vor allem widersprüchliche Auskünfte von Regierung und dem Gaststättenverband würden dem Hotel aktuell das Leben schwer machen: "Die einen sagen, wir dürfen Feiern abhalten, die anderen sagen nein. Das ist in der Praxis eine Katastrophe." Die gerade von Brautpaaren dringend benötigte Planungssicherheit könne es damit nicht geben.

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