24.11.2020 - 08:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stammzellenspende für kleinen Weidener Gian Paolo aus Bruderliebe

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Eine überraschende Wende nimmt die Suche nach einem Stammzellenspender für den kleinen Gian Paolo aus Weiden. Fündig werden die Ärzte nicht in den Spenderdateien, sondern in der Familie des blutkrebskranken Buben.

Die schwere Erkrankung des kleinen Bruders Gian Paolo prägt das Familienleben. Gian Marco hat dabei gelernt, im Hintergrund zu bleiben. Umso stolzer ist er darauf, mit seiner Stammzellenspende helfen zu können.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Weiße Kittel, Kliniken, Blut abnehmen und Infusionen. Das alles kennt der vierjährige Gian Paolo. Er versteht nicht, warum er nicht mit Mama endlich nach Hause darf. Warum er Tag um Tag in seinem Zimmer ausharren muss. Der Kindercomputer und die Kiste mit seinen Autos hat die Mutter mitgebracht. Also fragt er nicht. "Es passt ihm, so lange ich dabei bin", sagt Anna Lucko-Orrù, die immer für ihr Sorgenkind da ist –auch jetzt, in der entscheidenden Phase im Leben des Jungen, der so gerne ein großer Fußballspieler werden will.

Lungenentzündung

Ob das mit dem Fußballspielen klappt, ist offen. Ab diesem Dienstag, 24. November, aber sollen die Chancen des Vierjährigen steigen, dass er groß werden kann. Bisher bedroht ihn ein Blutkrebs. Das Immunsystem des schmächtigen Kindes ist geschwächt. Aus einen kleinen Schnupfen entwickelt sich Anfang Oktober schnell eine Lungenentzündung. Sogar eine Blutvergiftung deutet sich an. Den Ärzten im Weidener Klinikum gelingt es Mitte Oktober, das stark hörbehinderte Kind zu stabilisieren, die Erkrankung zurückzudrängen. Jetzt steht die Stammzellenspende an. Die Tortur setzt sich nun in Regensburg fort – für die ganze Familie.

"Die Isolierstation ist schlimmer als jede Quarantäne", meint Anna, die mit ihrem Kleinen seit 14. November in der Uniklinik lebt. Und doch ist sie überglücklich: Die Stammzellenspende steht an diesem Dienstag, 24. November, an. Ihr Gian Paolo wird seit zehn Tagen mit der Konditionierungstherapie darauf vorbereitet. Er verliert aber unter der Belastung weiter an Gewicht. Am Samstag lief die ATG-Chemo an, die den Buben "mitnimmt". "Alles wird gut, endlich", ist die alleinerziehende Mama, die so stolz auf ihre beiden Söhne ist, überzeugt.

Aus Bruderliebe

Zu Hause, in den Weidener Naabwiesen, nimmt nämlich ihr großer Sohn Gian Marco ebenfalls die Quarantäne auf sich. Er bereitet sich auf den Tag vor, an dem er seinem kleinen Bruder das Leben zu retten hofft. Der 17-Jährige ist der Spender für Gian Paolo, den er abgöttisch liebt. Auch Marco hat eine Ärzte-Odyssee hinter sich gebracht, bis endlich feststand, dass er helfen darf. Seit 2009 hieß es nämlich, er habe selbst einen Gendefekt. Das diagnostizierte "familiäre Mittelmeerfieber", hätte ihn (der Papa ist Italiener) als Spender ausgeschlossen. Durch Tests konnte ein renommierter Münchener Professor feststellen, dass Gian Marco eben keine zwei mutierten MEFV-Gene in sich trägt. Er eignet sich damit als Spender. "Wir haben auch keinen anderen", korrigiert Anna Lucko-Orrù Aussagen der DKMS-Spenderdatei.

Marco hütet seinen Paolo wie einen Augapfel. "Er macht sich große Sorgen, kann kaum schlafen", berichtet die Mutter. Am Montag kam er selbst wieder in die Klinik. An diesem Dienstag beginnt die Stammzellenspende.

Acht bis zehn Wochen wird der Vierjährige in der Uni-Klinik ausharren müssen. Seine Mama bleibt bei ihm, wohnt im Elternhaus. Hier kann sie auch arbeiten: Die Kliniken Nordoberpfalz AG, ihr Arbeitgeber, hat ihr Homeoffice gewährt. "Das macht mir vieles leichter. Es muss wieder aufwärts gehen." Ihr Paolo will nämlich ganz schnell wieder spielen, besonders mit Marco, seinem Bruder und Lebensretter.

Seit September läuft die Suche nach einem Stammzellenspender

Weiden in der Oberpfalz
Gian Paolo weiß nicht, wie ihm geschieht. Er wartet in der Uniklinik in Regensburg auf die Stammzellenspende.

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