26.11.2020 - 10:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtrat erkennt Weidens Nazi-Bürgermeister Auszeichnung ab

Für diesen Beschluss dankt Oberbürgermeister Jens Meyer den Weidener Stadträten "von Herzen": Einem seiner Amtsvorgänger wird die Max-Reger-Medaille aberkannt.

Hans Harbauer
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Keine Einstimmigkeit", so betonte Jens Meyer, "wäre ein fatales Signal." Vor der Abstimmung redete der Rathauschef den Stadträten ins Gewissen. Doch wirklich nötig war das wohl nicht. Alle waren dafür, dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans Harbauer die Max-Reger-Medaille abzuerkennen – und zwar "ohne dass er aus den Geschichtsbüchern verschwindet", wie Meyer anmerkte.

Festzuhalten bleibt auch weiterhin: Harbauer war dafür verantwortlich, dass die Stadt ihren berühmten Sohn und Komponisten Max Reger 1939 erstmals mit einer Festwoche ehrte. Dafür erhielt der Initiator und Organisator vom Stadtrat noch im selben Jahr die Max-Reger-Medaille. Den Antrag zur Aberkennung stellte nun 79 Jahre später die Fraktion Grün.Bunt.Weiden: auch als "Zeichen gegen den Rechtsextremismus", der zurzeit auch in der "Querdenken"-Bewegung Aufwind verspürt, wie Stadtrat Ali Zant anmerkte. Christoph Skutella (FDP/FW) erkenne ebenfalls bedenkliche Tendenzen in der Gegenwart, wenn sich Schülerinnen wegen Coronamaßnahmen mit Sophie Scholl oder Anne Frank vergleichen. Skutella dankte den Antragsstellern, dass sie eine wichtige Diskussion angestoßen hätten.

Zuvor hatte Dezernent Reiner Leibl auf die NS-Karriere Harbauers hingewiesen, der von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister war. In dessen Personalakte heißt es: "Herr Harbauer nahm mehr als nominell an Verhaftungen von Gegnern des Nationalsozialismus teil, er war ausgewiesener Antisemit und legte gegenüber Ausländern eine gehässige Haltung an den Tag," "Er war ein Verbrecher", stellte Bürgermeister Lothar Höher fest. Harbauer stehe für die Arisierung der Stadt, die Judenverfolgung und die Entmachtung der bürgerlichen Parteien in Weiden. Höher warnte jedoch davor, den Namen einfach zu streichen – "denn dann läuft man Gefahr, dass man Geschichte streicht". Sein Vorschlag: Der Name in der Liste der Geehrten solle mit einer Fußnote zur Nazivergangenheit versehen werden.

Der Antrag von Grün.Bunt.Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Skutella dagegen plädierte klar für die Aberkennung der Medaille: "Wir sollten ein deutliches Zeichen setzen." Auch für künftige Medaillenträger sei dies sicher wichtig, merkte Roland Richter (SPD) an. Die Medaille sei Harbauer abzuerkennen, die Liste der Preisträger aber mit eben diesem Hinweis zu versehen. "Das macht eine Stadt wie Weiden stark." Für die Lösung warb auch Brigitte Schwarz (SPD) an ihrem 70. Geburtstag.

Manfred Schiller (AfD), der Harbauer einen NS-Verbrecher nannte, neigte zunächst eher zu Höhers Lösung. Allerdings besserte der Bürgermeister dann nach: Die CSU werde sich der Aberkennung ohne Wenn und Aber anschließen. Dem folgten auch die beiden AfD-Räte. Harbauer habe die Ehre der Max-Reger-Medaille nicht verdient, erklärte OB Meyer. Den Stadträten sagte er: "Ich danke Ihnen von Herzen."

Über die Entnazifizierung Weidens

Zur Person:

Hans Harbauer

  • Geboren 1885, gestorben 1966
  • Er war Spediteur, Ortsgruppenleiter der NSDAP und SA-Sonderkommissar
  • Oberbürgermeister von 1933 bis 1945. Er betrieb die Arisierung der Stadt, ließ Juden enteignen und ins Konzentrationslager deportieren
  • 1934 erster Präsident der Narrhalla Weiden
  • 1939 Initiator der ersten „Max-Reger-Woche“. Im selben Jahr ausgezeichnet mit der Max-Reger-Medaille
  • 1948 zu Arbeitslager verurteilt. Zudem Hausarrest

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