17.06.2021 - 17:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtbad Weiden: Stadt reagiert auf Vorwürfe und nennt Termin für Saisonstart

Das Stadtbad liegt trocken und vermüllt zusehends. Jetzt reagiert die Stadt auf die Beschwerden: Sie brauche Zeit, um das neue Konzept für die Anlage als "Naturbad" umzusetzen. Noch etwa zwei Wochen.

Das Kinderbecken ist immer noch eingezäunt und ohne Wasser. Doch die Reinigungsarbeiten vor dem Saisonstart laufen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Mit dem Weidener Stadtbad hätte es so enden können wie mit dem Badeweiher Störnstein. Theoretisch. Dort will die Gemeinde nicht mehr die Verantwortung dafür übernehmen, dass Badegäste beim Schwimmen oder Planschen zu Schaden kommen könnten. Folge: Der Gemeinderat degradierte den vormaligen Badeweiher 2020 zum reinen Weiher. Es gibt keine Extras mehr, kein Sprungbrett, kein WC. Und es gilt natürlich: "Baden auf eigene Gefahr."

Auf dieses "prominente Beispiel" verweist Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch, wenn es um den derzeitigen Zustand des Stadtbads geht. Wie berichtet, ist das Wasser des Flussarms zu seicht, die Kinderbecken sind nicht benutzbar, die Grünanlage vermüllt und verdreckt. Die Badesaison ist ausgesetzt – ausgerechnet an hochsommerlichen Tagen. Warum? Weil es nach Ruidischs Darstellung viel Zeit und Aufwand braucht, damit das Stadtbad zum ausgewiesenen "Naturbad" wird und nicht ebenso rückgebaut werden muss wie der Störnsteiner Weiher. "Es ist wirklich schwierig und mühselig, in einem Naturbad die vielen rechtlichen Anforderungen zu erfüllen", erklärt sie. "Deswegen gibt es auch immer mehr Gemeinden, welche ihre Naturbäder zusperren." Weiden dagegen will aufsperren. "Eine Öffnung des Stadtbades als Naturbad 2021 ist in der ersten Juli-Woche geplant."

Beschwerden über den Zustand des Stadtbads

Weiden in der Oberpfalz

Stadt muss Badeaufsicht stellen

Die Stadtsprecherin schildert die Vorgeschichte. So habe das Stadtbad bisher als städtische Grünanlage gegolten, in der bis 2019 das Schwimmen auf eigene Gefahr möglich war. Neue rechtliche Erkenntnisse, wonach die Stadt dennoch das Unfallrisiko tragen muss, haben im vergangenen Jahr dazu geführt, dass im Sommer vorsichtshalber eine Badeaufsicht vor Ort war. Im Frühjahr bestätigte ein Gutachten: Das Stadtbad sei keine "natürliche Badestelle", sondern ein "Naturbad". Sobald die Stadt den Waldnaab-Arm zum Baden anstaut und eine Freibad-ähnliche Infrastruktur anbietet, muss sie als Betreiberin für die Sicherheit der Gäste sorgen und sie vor Gefahren schützen. Während der Badezeiten muss eine Aufsicht anwesend sein. Schilder müssen auf Verhaltensregeln und Badeordnung hinweisen.

Am 3. Mai stimmte der Stadtrat dem Vorgehen zu. Erst danach konnten die Vorbereitungen beginnen. Ausgeschrieben wurde eine Stelle für Rettungsschwimmer. Konkret sollen den Betrieb demnächst zwei städtische Rettungsschwimmer in Teilzeit gewährleisten, unterstützt von ehrenamtlichen Kräften der Wasserwacht. Und wie bisher betreue auch ein Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die Grünanlage und die Technik im Stadtbad, versichert Ruidisch. Zu den notwendigen Maßnahmen zählen das Aufstellen eines Containers für die Badeaufsichten und von rund 50 Hinweisschildern sowie das Einziehen von Trennleinen in der Waldnaab (siehe "Hintergrund").

Und dann auch noch Corona

Zudem merkt Roswitha Ruidisch an, dass das neue Naturbad auch "eine Badeanstalt im Sinne der Zwölften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung" ist. Sprich: Die Stadt muss dafür Sorge tragen, dass Besucher die coronabedingten Hygienevorschriften (unter anderem Mindestabstand) einhalten. Vor dem 21. Mai, als der Freistaat das Öffnen von Freibädern erlaubte, wäre im Stadtbad ohnehin nichts gegangen, trotz des offiziellen Saisonstarts am 15. Mai. Nun braucht es wohl zumindest ein Schutz- und Hygienekonzept.

Die Stadt arbeite mit Hochdruck an Lösungen, versichert Ruidisch. Auch Oberbürgermeister Jens Meyer widerspricht dem Eindruck der Untätigkeit. So empörte sich jüngst Fördervereins-Vorsitzender Hans Forster, dass der Verein viel für die Aufwertung der Anlage getan habe, nun aber nichts passiere. In einer Stellungnahme der Stadt dazu heißt es: "Oberbürgermeister Meyer steht aus tiefer Überzeugung für einen ordentlichen Badebetrieb im Stadtbad und dankt dem Förderverein Stadtbad, dessen Mitglied er seit vielen Jahren ist, für dessen Engagement." Möglicherweise muss es erst schlechter werden, bevor es viel besser wird. Insofern haben die Weidener an diesen heißen Tagen zumindest eine Perspektive – die zum Beispiel die Störnsteiner nicht haben. Roswitha Ruidisch: "Wir sorgen für die Sicherheit der Bürger und stellen uns der Herausforderung der Umgestaltung der Badestelle in ein Naturbad."

Immerhin: Picknick geht immer.

Der Fall Störnstein

Störnstein

Der Stadtrat entscheidet über das Stadtbad

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Stadtbad wird zum Naturbad: Das ist dazu nötig

  • Aufstellen von rund 50 Hinweisschildern und einem Fahnenmast. Ein Teil der Schilder muss erst entworfen werden.
  • Einbau von Trennleinen als Badebegrenzung in der Waldnaab
  • Farbliche Kennzeichnung der Betonmauer am Nichtschwimmerbecken
  • Beschaffung und Aufstellen eines Containers für die Rettungsschwimmer als zentraler Anlaufpunkt
  • Umbau der Kanuanlegestelle, da die bestehende im Schwimmbereich nicht mehr zulässig ist
  • Errichtung von Absperrungen an gefährlichen Uferabschnitten
  • Corona-konforme Ausgestaltung des Planschbeckens
Kommentar:

Stadtbad-Lockdown nach dem Lockdown: Das Timing hätte besser sein können

Was für ein Timing. Gefühlter Hochsommer, Corona-Lockerungen allenthalben – und das schöne Stadtbad im Lockdown. Wer es trotzdem besucht, ist entsetzt über Wasserarmut, gesperrte Kinderbecken und Toiletten, Müll allenthalben. In der städtischen Anlage sind gerade mal Sonnenbäder möglich, noch ist sie eine bloße „Badestelle“. Ohne Gefahr für Nutzer und Betreiber, aber halt auch ohne Wasser.

In den nächsten etwa zwei Wochen soll sie zum „Naturbad“ mutieren, das wieder höheren Ansprüchen genügt. Wobei: Im Prinzip heißt das, dass sich für die Besucher gar nicht viel ändert. Abgesehen vom offiziellen Status der Einrichtung und der Tatsache, dass dieser Badeaufsichten und neue Schilder erfordert. Damit das Stadtbad Stadtbad bleiben kann, muss die Stadt viel Aufwand betreiben, finanziell und personell.

Das Timing dafür hätte besser sein können, die Kommunikation ebenso. Doch als der Stadtrat Anfang Mai die Weichen für die Badesaison stellte, war noch nicht absehbar, wann und wie die überhaupt möglich sein würde. Nebenbei bemerkt, drängte es im nasskalten Mai ohnehin niemanden ins Freibad. Die Weidener haben den Corona-Lockdown ausgesessen, einen heißen Juni ohne das „Bad des kleinen Mannes“ werden sie auch überstehen. Und im Juli ab in die Naturbad-Naab! Falls dann endlich mal das Timing des Sommers passt.

Ralph Gammanick

 

 

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