03.02.2020 - 16:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadt Weiden sucht Tagesmütter

Etwa ein Dutzend Tagesmütter hatte die Stadt Weiden in den Hochzeiten. Jetzt sind es nur noch drei. Persönliche Gründe wie Alter oder Krankheit führten zum Rückzug. Nachwuchs ist dringend gesucht.

Sie hoffen auf Verstärkung mit angehenden Tagesmüttern und -vätern: (von links) Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier, Leila Smekal, zuständig für die Fachstelle Kindertagesbetreuung bei der Stadt Weiden, und Tagesmutter Alexandra Ermer-Hagn.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

"Nachwuchs" bezieht sich in dem Fall nicht auf die kleinen Bürger der Stadt. Da gibt es viele. So viele, dass die noch relativ neue dreigruppige Kinderkrippe der Johanniter am Hammerweg schon wieder ausgebucht ist. Dazu kommt, wie Leila Smekal - zuständig für die Fachstelle für Kindertagesbetreuung bei der Stadt Weiden - weiß: "Immer mehr Mütter wollen nach der Geburt möglichst bald wieder in den Beruf zurück, wollen Familie und Karriere verbinden." Doch während der Arbeitszeit muss das Kind natürlich gut betreut sein.

"Tagesmütter sind eine gute Alternative zu den Kindertagesstätten", betont Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier. Insbesondere für Alleinerziehende oder Eltern, die im Verkauf tätig sind und deshalb bis 20 Uhr arbeiten müssen. Die Hol- und Bringzeiten werden mit den Tagesmüttern individuell abgesprochen, passend zu den Arbeitszeiten der Eltern. In manchen Fällen überbrückt die Tagesmutter die Zeit zwischen Kinderkrippe und dem Arbeitsende der Eltern, beispielsweise zwischen 17 und 20 Uhr. In anderen Fällen betreut die Tagesmutter das Kind ganztags.

"Da gibt es die unterschiedlichsten Vereinbarungen", weiß Alexandra Ermer-Hagn. Vor 13 Jahren, als sie mit ihrem Sohn Colin schwanger war, ist sie in die Tätigkeit als Tagesmutter quasi "reingerutscht". Und seitdem dabei geblieben. Ihre Erkenntnis: "Man muss es leben, anders geht's nicht." Und sie lebt es. Ein Mal hatte sie - neben ihrem Sohn - noch fünf andere Kinder zu betreuen, mehr ist den Tagesmüttern nicht erlaubt. Da gab es fliegende Wechsel: Frühmorgens kamen die Kleinen, mittags die Grundschüler, manche blieben abends länger. Langweilig wird es da nicht. Doch Alexandra Ermer-Hagn gefällt's - und ihre Familie zieht voll mit.

"Gute Nerven sind nicht verkehrt", lacht sie auf die Frage, ob das denn zu den Voraussetzungen für Tagesmütter gehört. Viel wichtiger ist ihrer Ansicht nach aber eine offene Art. "Man muss offen sein gegenüber den Kindern, das sind schließlich nicht die eigenen, und gegenüber den Eltern: ihren Erziehungsmethoden, Essensvorstellungen undsoweiter ...".

Trotzdem, schiebt sie gleich hinterher, muss man als Tagesmutter oder -vater auch "straight" sein: "Seine eigenen Regeln durchsetzen." Das heißt: Wie weit öffne ich meine Familie, mein Haus den anderen? "Das muss man vorher abklären", betont die 46-Jährige. "Zum Beispiel, welche Zimmer dürfen von den anderen Kindern bespielt werden? Welche Spielsachen dürfen sie benutzen?" Sie hat manche Spielsachen eigens für die Tagespflege angeschafft. Obwohl: "Meine Kinder hatten da eigentlich nie Probleme. Sie sind von Anfang an so aufgewachsen."

Im Gegenteil: Tochter Apollonia (9) freut sich immer, wenn andere Kinder mit im Haus sind. Derzeit ist das nicht ständig der Fall. Denn Alexandra Ermer-Hagn ist seit einiger Zeit als Ersatz-Tagesmutter im Landkreis Neustadt/WN im Einsatz, soll das künftig auch im Stadtgebiet Weiden machen. Die Fachstellen in Stadt und Land pflegen eine enge Zusammenarbeit. Die 46-Jährige springt ein, wenn eine Tagesmutti erkrankt oder anderweitig verhindert ist. "So eine Ersatzmutter ist dringend nötig", erklärt Hohlmeier. "Denn wer soll die Kinder betreuen, wenn die Tagesmutter krank ist?" Wird sie gerade nicht als Ersatz-Mama gebraucht, praktiziert Ermer-Hagn Kontaktpflege. Die bei Tagesmüttern untergebrachten Kleinkinder besucht sie zumindest einmal pro Woche, die größeren etwas seltener. Sie hat ihr Ziel erreicht: "Ich bin bei Kindern und Eltern bekannt." Im Fall des Falles sollen die Buben und Mädchen keinesfalls in völlig fremde Hände übergeben werden.

Was der gelernten Bürofrau an dieser Tätigkeit besonders gut gefällt? "Oft entwickelt sich eine große Nähe zu den Kindern." Bewegt erinnert sie sich an den Jungen, der nur eingeschlafen ist, wenn sie ihm die Hand auf den Bauch gelegt hat. "Andere Kinder sind beim Kochen begeistert dabei." So weit es geht, bindet sie die Kinder in den Alltag mit ein. So wie es in einer Familie üblich ist. In diesem Fall ist es eben eine Ersatzfamilie auf Zeit.

Qualifizierung für Tagesmütter und -väter:

Ausbildung startet im Herbst

Wer eine pädagogische Vorbildung zum Beispiels als Erzieher/-in oder Kinderpfleger/-in hat, ist als Tagesmutter oder -vater jederzeit willkommen. Personen ohne entsprechende Ausbildung müssen einen entsprechenden Qualifizierungskurs absolvieren. "Start ist am 11. September 2020", sagt Leila Smekal. Die Stadt Weiden organisiert das in Kooperation mit dem Jugendamt Neustadt/WN. Vorgeschrieben sind 100 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten, die alle 14 Tage am Freitag spätnachmittags und samstags ganztags stattfinden. Nach den ersten 60 Unterrichtseinheiten zu Themen wie Entwicklungspsychologie, Kindeswohlgefährdung usw. erhalten die Teilnehmer eine vorläufige Pflegeerlaubnis.

In den folgenden drei Monaten müssen die restlichen 40 Unterrichtseinheiten absolviert werden, wobei die Themen wie Gewaltfreie Kommunikation, Elternpartnerschaft oder Umgang mit Medien frei wählbar sind. In den Folgejahren sind ein Erste-Hilfe-Kurs sowie jährlich 15 Fortbildungseinheiten vorgeschrieben. Die Kosten für die Unterrichtseinheiten werden rückerstattet.

Tagesmütter und -väter dürfen maximal fünf Tagespflegekinder betreuen. Das Alter reicht von einem bis maximal 14 Jahren. Flyer zu dem Thema liegen ab sofort an der Bürgerinformation im Neuen Rathaus und in den Kindertagesstätten aus. Weitere Informationen bei der Fachstelle für Kindertagesbetreuung der Stadt Weiden, Leila Smekal, Telefon 0961/815124 oder per E-Mail: leila.smekal[at]weiden[dot]de

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