18.09.2020 - 11:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadt stellt Bildungsbericht vor: Bildung als Weg zur Integration

Die Integration Neuzugewanderter ist ein langwieriger und generationsübergreifender Prozess. Das besagt der neue Bildungsbericht der Stadt Weiden. Der wurde jetzt vorgestellt.

Autor Michael Meier vom Bildungsbüro der Stadt Weiden (Erster von rechts) stellt den neuen Bildungsbericht der Stadt Weiden zusammen mit (von links) Oberbürgermeister Jens Meyer, Stabsstellen-Leiterin Roswitha Ruidisch, Integrationsbeauftragter Susanne Reinhardt und Bildungsbürokollegen Kevin Fischer vor.
von Siegfried BühnerProfil

Mehr als 5000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit leben derzeit in der Stadt Weiden. Ein Großteil davon ist in den vergangenen sechs Jahren zugewandert. Bildung spielt bei ihrer Integration eine ganz besonders wichtige Rolle. Um die aktuelle Entwicklung bei diesem Thema zu dokumentieren, hat die Stadt Weiden unter Federführung ihres Bildungsbüros den Bildungsbericht „Integration durch Bildung“ vorgestellt.

"Integration kann und muss gelingen"

Oberbürgermeister Jens Meyer erinnerte bei der Vorstellung des Berichts zunächst an die lange Zuwanderungsgeschichte der Stadt, „die Weiden zur heutigen Blüte verholfen hat“. Diese zeigt laut Meyer: „Integration kann und muss gelingen.“ Dass auf dem Weg zu diesem Ziel zwar schon viel geschehen ist, aber weiterhin ein großer Handlungsbedarf besteht, soll im Bildungsbericht deutlich gemacht werden. In Schaubildern und Zahlen werden wichtige Phasen des Integrationsprozesses aufgezeigt.

Deutsch nicht in allen Familien vorrangig

Einzelheiten stellten Autor Michael Meier vom Bildungsbüro der Stadt zusammen mit seinem Kollegen Kevin Fischer, der Integrationsbeauftragten Susanne Reinhardt sowie Stabsstellenleiterin Roswitha Ruidisch vor. Die Informationen im Bericht reichen von der frühkindlichen Bildung der Kinder aus Zuwandererfamilien bis hin zu den Einbürgerungen. Unter anderem wird aufgezeigt, dass unter den derzeit insgesamt rund 1560 Kindern in den Kindertageseinrichtungen im Stadtgebiet gut 600 Kinder sind, bei denen mindestens ein Elternteil eine ausländische Herkunft aufweist. Bei rund 450 Kindern wird in der Familie nicht vorrangig Deutsch gesprochen. Deshalb komme einer Teilnahme am Vorkurs Deutsch in den Kindertageseinrichtungen hohe Bedeutung zu, heißt es, denn „Sprachkenntnisse sind für eine positive Bildungsbiografie von elementarer Bedeutung“.

16 Prozent Ausländeranteil in Grundschulen

Ausführlich dargestellt wird auch der Ausländeranteil in den Schulen. Mit Ausnahme der Wirtschaftsschulen steigt dieser Anteil seit drei Jahren kontinuierlich. In den Grundschulen lag dieser im vergangenen Jahr insgesamt gerechnet bei rund 16 Prozent, in den Mittelschulen bei 21 Prozent. Rund sechs Prozent beträgt er in den Gymnasien. Bei Grund- und Mittelschulen gibt es eine deutliche Schwerpunktbildung in den Sprengelschulen Albert-Schweitzer-Schule und Gerhardingerschule. Zum Thema Übertrittsverhalten nach der Grundschule wird festgestellt, dass von den ausländischen Schülern im vergangenen Jahr fast die Hälfte auf eine Mittelschule wechselte. Bei deutschen Kindern wechselt dagegen jedes zweite auf ein Gymnasium. Knapp ein Drittel aller ausländischen Schüler verlässt das allgemeinbildende Schulwesen ohne Mittelschulabschluss. Deshalb stellt der Bildungsbericht auch fest: „Fehlende Schulabschlüsse oder eine nicht erfüllte Vollschulpflicht wirken bis in die beruflichen Schulen hinein.“ Viele ausländische Schüler würden deshalb die Berufsvorbereitungsjahre oder die Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen besuchen. Knapp ein Viertel dieser Schüler erwerben so nachträglich einen allgemeinbildenden Schulabschluss.

Arbeitsmarktsituation für Migranten schwierig

Ausführlich wird im Bildungsbericht auch auf die Arbeitsmarktsituation von Migranten eingegangen und unter anderem festgestellt, dass der Anteil der Ausländer an allen Arbeitslosen seit Jahren bei 25 bis 26 Prozent stagniert. Dass dieser jedoch rund den doppelten Wert des Bevölkerungsanteils der ausländischen Einwohner beträgt, führen die Autoren des Bildungsberichts darauf zurück, dass „ein Großteil der arbeitslosen Ausländer über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt“. Positiv wird festgestellt, dass zwischenzeitlich ausländische Arbeitnehmer häufiger als Fachkraft anstatt als Helfer eingestellt werden. Das Schlusskapitel bietet eine Zusammenfassung und zeigt die weiteren Handlungsfelder auf.

Generell wird festgestellt, dass die Bildungsteilhabe stark von den jeweiligen rechtlichen, motivationalen und individuellen Voraussetzungen geprägt wird. Vor allem führten fehlende Systemkenntnisse zu Ungleichheiten zwischen einheimischer und zugewanderter Bevölkerung. Mit dem Projekt „Sprach- und Kulturvermittler“ werden solche Defizite abgebaut. Die erste Schulungsgruppe Ehrenamtlicher ist zwischenzeitlich mit 16 Teilnehmern voll besetzt.

Bildungsbüros und VHS suchen "Sprach- und Kulturvermittler"

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