17.09.2021 - 20:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Söder verteidigt Laschet in Weiden und warnt vor „nördlicher“ SPD

Markus Söder zeigt sich in Weiden sehr gut gelaunt. Im Redaktionsgespräch mit Oberpfalz-Medien grast er alles ab: mögliche Koalitionen, die Gefahr einer Linksregierung, Gendern, Impfen – und sein Verhältnis zu Armin Laschet.

Ein selbstbewusster Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder im Redaktionsgespräch mit Oberpfalz-Medien.
von Julian Trager Kontakt Profil

Vielleicht liegt es am leckeren Oberpfälzer Karpfenfilet, das er vorher in Wiesau (Kreis Tirschenreuth) gegessen hat. Vielleicht ist er zurzeit einfach immer gut drauf. Vielleicht aber überspielt er auch nur die schlechte Laune, womöglich ist es gar Galgenhumor. Wer weiß. Trotz der schlechten Umfragewerte der Union zeigt sich Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef, am Donnerstagabend in Weiden sehr, sehr gut gelaunt und selbstbewusst. Klar, Söder kämpft, warnt, droht, ja das schon. Aber er plaudert auch, erzählt Anekdoten, witzelt, scherzt, lacht - auch über sich selbst.

Hinter ihm liegt da bereits ein langer, stressiger Tag. Vormittags im Allgäu, Segnung der sanierten Nebelhornbahn, nachmittags in der nördlichen Oberpfalz, Karpfenernte in Muckenthal bei Wiesau. Seine Klamotten wechselt er an dem Tag drei Mal.

Fast anderthalb Stunden

Fast eineinhalb Stunden bleibt er zum Redaktionsgespräch im Verlagsgebäude von Oberpfalz-Medien. Wenn er schon mal da ist, meint er, will er auch nicht gleich wieder weg. In der Zeit grast Söder jede Menge ab, wie eine gute bayerische Kuh, eine, die die CSU auf ihren Wahlplakaten gestellt hat. Aber natürlich geht's vor allem um die Wahl in gute einer Woche.

Söder über Scholz, Baerboch und Laschet in drei Begriffen

"Süden verliert an Einfluss"

"Ich denke, es wird sehr knapp und vermutlich auch eine Richtungsentscheidung", sagt der CSU-Chef gleich zu Beginn. Und damit ist der Ton gesetzt. Eine von der SPD angeführte Koalition, egal ob Rot-Rot-Grün oder die Ampel, würde das Land in mehrerlei Hinsicht in die falsche Richtung leiten, betont er nicht nur einmal.

Zum einen geografisch: "Das wäre eine nördliche Koalition. Die Verteilung der Mittel wird dann nördlicher. Der Süden würde an Einfluss verlieren." Nur mit der CSU an der Macht bleibe Bayern stark. Eine Stimme für die Freien Wähler etwa wäre verschenkt. "Bayern ist das Gegenmodell zum Rest von Deutschland, wir setzen auf den ländlichen Raum. Daher braucht es bei steigenden Spritpreisen eine massive Erhöhung der Pendlerpauschale. Ich glaube nicht, dass den Pendlern in der Region mit einem Lastenrad als Ersatz geholfen ist." Ein Vorschlag der Grünen lautete ja, eine Milliarde Euro für Lastenfahrräder bereitzustellen.

Und ewig droht der Linksrutsch

Die andere Erzählung ist die vom "Linksrutsch", weil sich die SPD bisher nicht von einer möglichen Koalition mit der Linken distanziert hat. Eine Erzählung? Nein, "das ist konkret", meint der Weidener CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht, der mit dem Brander Landtagsabgeordneten Tobias Reiß bei dem Gespräch dabei sitzt. Und obwohl SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz nicht als Linker gilt, macht sich die CSU Sorgen. Denn: "Olaf Scholz hat keine Mehrheit in der SPD, das hat die Wahl zum Parteivorsitz klar gezeigt." Und: "Saskia Esken und Kevin Kühnert schwärmen sogar vom demokratischen Sozialismus." Eine Linkskoalition, wenn sie denn käme, gefährde die Wirtschaft und destabilisiere Deutschland außenpolitisch. Allerdings, so heißt es in Berlin, würden Olaf Scholz und auch die grüne Parteispitze wohl lieber mit der FDP regieren.

Söder: FDP schielt nach links

"Eine Ampelkoalition halte ich für eine sehr realistische Gefahr", meint der CSU-Chef in Weiden. "Die FDP macht leider extreme Lockerungsübungen in Richtung links. Damit gibt es auch eine mehrheitlich linke Regierung. Das geht zu Lasten des Mittelstands und der Landwirtschaft. Dass der FDP-Generalsekretär plötzlich Olaf Scholz verteidigt, ist der eindeutige Beweis." Und ganz nebenbei, auch die FDP denke nicht gerade südlich, sagt Söder und zieht die Augenbrauen hoch. Und als er sich zurück in den Stuhl lehnt, strahlt er, das Anzugsakko offen, das Hemd oben aufgeknöpft, ohne Krawatte, Lässigkeit aus, der coole Typ aus Nürnberg. Wenn er sich dann nach vorne beugt und gestikuliert, als würde er Fußballern die Taktik erklären, wirkt er wie der Staatsmann, der Landesvater aus München. Söder redet und redet, am Ende hat er sein Glas Wasser nicht mal zur Hälfte geleert.

Wie es überhaupt geschehen konnte, dass die SPD plötzlich vor der Union liegt, obwohl sie vor Monaten noch näher an der Fünf-Prozent-Grenze war als am Kanzleramt? "Es bringt nichts, eine Woche vor der Wahl eine große Analyse zu machen. Jetzt kämpfen wir um jede Stimme." Ob er sich nicht schon früher stärker hinter Unions-Kandidat Armin Laschet hätte stellen sollen? Habe er doch, verteidigt sich der CSU-Vorsitzende. "Auf dem Parteitag haben wir eindrucksvoll gezeigt, dass wir hinter ihm stehen." Und noch einmal in Weiden: "Ich stehe zu hundert Prozent hinter Armin Laschet. Alles andere ist Schnee von gestern." Außerdem habe man Laschet "zum Teil sehr unfair" behandelt. Der unglückliche Lacher im Flutgebiet, da seien die Reaktionen darauf zu übertrieben gewesen.

"Es geht um Bayern"

Natürlich nagen die mauen Umfragewerte auch an Markus Söder: "Wir wollen deutlich zulegen. Die jetzigen Werte sind zu niedrig. Es geht auch um Bayern. Nur wir vertreten bayerische Interessen."

Mehr Wohngeld, eine Flatrate-Steuer von 20 Prozent für den Mittelstand und kleine Betriebe - das wolle seine Partei. Die Pendlerpauschale, die Stärkung der Bundeswehr. Die Mütterrente. "Die kommt garantiert, wenn die CSU mitregiert", verspricht Söder - obwohl sie nicht im Programm der CDU steht. Aber da werde man sich durchsetzen, sonst müsste man eben auf die CSU-Stimmen verzichten. Das Thema sei eine Frage der Gerechtigkeit. "Alle wissen, was Mütter geleistet haben", sagt der dreifache Vater.

"Möchte weiterhin Dad genannt werden"

Ein Thema, das er bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte, sei das Gendern. Studenten hätten ihn berichtet, dass sie schlechtere Noten bekamen, weil sie in Texten nicht gegendert hatten. Das Wissenschaftsministerium werde dem nachgehen, so der Ministerpräsident, der für eine sensiblere Sprache plädiert, aber keine Verordnungen oder Strafen möchte. An Universitäten wie in Bayreuth, sagt Söder, gebe es bereits Sprachleitfäden. Debatten um das Verbot der Wörter Mama und Papa seien übertrieben. "Es macht keine Freude, wenn ich nach Hause kommen würde und meine Kinder sagen: 'Hey Elternteil.' Ich möchte weiterhin Papa oder Dad genannt werden."

Dass Söder mitten im Wahlkampf steckt, ist der Pandemie freilich egal. Und so muss sich der Ministerpräsident zwischen Terminen im Allgäu und in Wiesau auch um die Corona-Politik kümmern.

Die neuen Regeln, die seit kurzem im Freistaat gelten, sieht er als Übergangsphase ins normale Leben. "Haben wir mal die Impfquote von deutlich über 80 Prozent wie Dänemark, sind wir über den Berg." Dafür müsse die Quote aber weiter steigen, Bayern ist bundesweit in dieser Statistik eher im Tabellenkeller. Deswegen wirbt Söder fürs Impfen, wann immer es geht. Dafür brauche es auch mehr Druck auf Ungeimpfte. "Wer sich nicht impfen lässt, entscheidet eigenverantwortlich. Aber es wäre nicht gerecht, wenn dann die Mehrheit der Steuerzahler dafür die Tests bezahlen muss."

Keine Impfpflicht, keine Lockdowns

Ab 11. Oktober sind die Tests nicht mehr kostenlos. Und, wenn es nach Söder geht, soll es ab dann auch keine Lohnfortzahlung mehr für Ungeimpfte in Corona-Quarantäne geben. Eine "Impflicht durch die Hintertür" sei das nicht, so der CSU-Chef. Vielmehr dürfe man die Mehrheit nicht gängeln, nur weil sich eine Minderheit nicht impfen lässt. "Es gibt keine Impfpflicht", betont Söder, genau wie es keine Lockdowns mehr geben werde.

Am Ende ergreift noch einmal Albert Rupprecht das Wort, lobt sich und seine CSU-Mitstreiter auf EU-, Bundes- und Landesebene für die Arbeit, der vergangenen Jahre, die vielen Fördergelder, ohne die die Oberpfalz heute nicht so gut dastehen würde, wie sie gerade dasteht. Und es gehe sogar noch mehr - aber nur, wenn man CSU wählt, meint Rupprecht und verweist auf das mögliche KI-Projekt in Speinshart (Kreis Neustadt/WN). Markus Söder nickt und sagt: "Die Linkspartei lehnt künstliche wie natürliche Intelligenz ab." Dann lacht er.

Söder in Wiesau bei der Karpfenernte

Muckenthal bei Wiesau
Info:

Was wählt Frau Söder?

Auf die Frage, ob eine mögliche Aufholjagd der Union in den Umfragen wegen der vielen Briefwähler nicht schon zu spät ist, brachte sich Markus Söder kurz in die Bredouille, also zumindest ein bisschen. Nein, meinte er. Viele Briefwähler hätten sich noch nicht entschieden. Als Beispiel nannte er seine Frau, die bei Kommunalwahlen auch erst in der letzten Woche abgibt, weil sie vorher noch überlegen müsse, wen sie wählt. Muss Frau Söder wirklich noch überlegen? Ist da das Kreuz bei der CSU nicht fest eingeplant? Auf die Nachfrage musste Markus Söder lachen. Natürlich brauche sie nicht überlegen. Bei der Bundestagswahl stimmen die beiden ohnehin direkt im Wahllokal ab.

 

 

Kommentare

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Marcus Kunert

Bei so einem MP schämt man sich ein Bayer zu sein!

17.09.2021