26.07.2021 - 18:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sirenen in Teilen Weidens warnen – aber nur vor Feuer, nicht vor Hochwasser

Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sollen Sirenen in den Kommunen wieder aufgerüstet werden. In Weiden heulen Sirenen längst. Aber auch im Katastrophenfall? Und tatsächlich überall in der Stadt? Eine Nachfrage für alle Fälle.

Sieht harmlos aus, aber wenn diese Sirene losheult, kann keiner auf Durchzug stellen. Insgesamt sieben dieser Art finden sich in Weiden. Vor Katastrophen warnen sie allerdings nicht. Noch nicht.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Der Vorwurf der Opfer der Flutkatastrophe ist deutlich: Viele sagen, sie sind nicht gewarnt worden. Deshalb sollen in Deutschland künftig wieder verstärkt die Sirenen heulen. In Weiden dagegen soll künftig eine Sirene weniger warnen.

Keine Sirenen in der Innenstadt

Aktuell gibt es an sieben Standorten in Weiden einwandfrei funktionierende Sirenen. Die Funktionsfähigkeit wird immer am ersten Samstag im Monat erprobt. Zudem erfolgt laut Stadt eine regelmäßige Wartung der Sirenen. Bemerkenswert: In der Innenstadt steht keine davon. Zu finden sind sie laut Auskunft der Stadt Weiden in den Ortsteilen. Jeweils eine heult in Rothenstadt, Frauenricht, Mallersricht, Muglhof und Matzlesrieth. In Neunkirchen schrillen gar zwei. Allesamt sind bislang einzig zur Alarmierung der Feuerwehr installiert. In der Folge erklärt die Stadt: "Derzeit gibt es im Stadtgebiet Weiden i.d. OPf. keine Zivilschutzsirenen/Sirenen zur Warnung der Bevölkerung." Ein Versagen der Kommune ist das aber nicht.

Ein Kommentar zur Lage in der Stadt: Weiden braucht mehr Sirenen

Weiden in der Oberpfalz

Weiden handelt nach Vorschrift. Denn Zivilschutzsirenen werden heute vorrangig im 25-Kilometer-Umkreis um die bayerischen Kernkraftwerke und im Umkreis um die der Störfallverordnung unterliegenden Betriebe mit besonderem Gefahrenpotential eingesetzt. Da es solche Betriebe in und um Weiden nicht gibt, existieren hier auch keine Zivilschutzsirenen. Verschwunden sind auch Bunker im Sinn von Schutzräumen in der Stadt. Sie wurden nach dem Wegfall der Ost-West-Bedrohung nach und nach rückabgewickelt, nachdem die Bundesregierung und die Länder eine entsprechende Entscheidung getroffen haben. Ursprünglich verfügte das Klinikum Weiden in der Tiefgarage über einen öffentlichen Zivilschutzbunker. Der einst im Neuen Rathaus als Katastrophenschutzbunker bekannte Raum existiert so auch nicht mehr, betont die Stadt. In den Kellerräumen des Neuen Rathauses und der Städtischen Feuerwache würden lediglich sogenannte Stabsräume, also Arbeitsräume, vorgehalten, in denen sich in Großschadens- und Katastrophenlagen die Führungsstäbe treffen können.

Hoffnung: Digitale Alarmierung

Alsbald soll es auch eine Sirene weniger zur Feuerwehralarmierung in Weiden geben. Die am Standort Matzlesrieth soll wegfallen, da derzeit auf digitale Alarmierung umgestellt wird, informiert die Stadt. Die digitale Alarmierung ist es auch, die künftig das möglich machen soll, was bislang nicht funktioniert: Die Alarmierung der Bevölkerung durch die bestehenden Sirenen. Die Inbetriebnahme hänge aber auch von einem Genehmigungsverfahren bei der Bundesbehörde sowie von der Umrüstung der Integrierten Leitstelle (ILS) ab. Spätestens bis 2022, eventuell auch früher, soll sie erfolgt sein, zeigt sich die Stadt zuversichtlich.

Keine Sirenen, sondern Social-Media

Bis dahin gilt, im Katastrophenfall ist nicht vorgesehen, die Bürger in Weiden mit den bestehenden Sirenen zu warnen. Aber es gibt Alternativen, betont die Stadt: "Aktuell erfolgen im Rahmen von Schadensereignissen Warnungen via Rundfunkt/TV, Internet, Social-Media (Facebook), Warn-Apps wie Nina und die Weiden-App sowie Lautsprecherdurchsagen." Alles Instrumente, wie sie bei der Hochwasserkatastrophe, die nachts über den Westen Deutschlands hereingebrochen ist, nicht funktioniert haben.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Wann die Sirenen wie heulen

  • Feueralarm: Dreimal in der Höhe gleichbleibender Ton (Dauerton) von je zwölf Sekunden Dauer, mit je zwölf Sekunden Pause zwischen den Tönen.
  • Schwerwiegende Gefahren für die öffentliche Sicherheit: Heulton von einer Minute, der die Bevölkerung veranlassen soll, auf Rundfunkdurchsagen zu achten.
  • Länger als dreimaliges Heulen: Das gibt es so nicht. Es erfolgt dann entweder eine Nachalarmierung und damit eine Wiederholung der bekannten Reihenfolge oder man hört die Alarmierung umliegender Sirenen und ordnet sie falsch zu.
  • Quelle: Verordnung über öffentliche Schallzeichen

 

 

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