10.08.2021 - 11:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach sieben Jahren ist für Kinder-Museumsführerin Vanessa Rödl (17) Schluss

"Ich habe viel über die Lebensweisen alter Kulturen erfahren", sagt Vanessa Rödl. Sieben Jahre lang engagierte sie sich bei "Kinder führen Kinder" im Keramikmuseum Weiden und wurde dafür auch ausgezeichnet.

Für Vanessa endet ihre Zeit als Kinderführerin im Internationalen Keramikmuseum. Mit Wehmut betrachtet sie zwei der Objekte, die sie jahrelang den Kindern präsentierte.
von Helmut KunzProfil

Als sie im Alter von zehn Jahren anfing anderen Kinder die Schätze und Geheimnisse im Internationalen Keramikmuseum zu erklären, war Vanessa Rödl noch ein recht schüchternes Mädchen. "Ich war sehr introvertiert." Was sich längst verflüchtigt hat. Inzwischen hat die selbstbewusste "Elly"-Schülerin ihr Abitur in der Tasche.

„Ich hatte damals meinen Kindergeburtstag hier gefeiert. Das war 2014", erinnert sie sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Am selben Tag habe sie von Führungen für Kinder durchs Museum erfahren, die Irene Fritz organisierte. „Und da habe ich mich einfach angemeldet.“

Es sei natürlich nicht so, dass blutjunge Anfänger sofort auf andere Kinder losgelassen würden, erzählt die heute fast 18-Jährige. „Ich habe ein Semester lang, also ein halbes Jahr, ein Praktikum gemacht.“ Während dieser Zeit durfte die kleine Vanessa ältere, erfahrene Kindermuseumsführer auf deren Touren durchs Museum begleiten und von ihnen lernen. „Ab dem nächsten Semester durfte ich das dann selber machen.“

Anfangs sehr nervös

„Was mich an meiner Arbeit so fasziniert hat, war, dass hier so viele Kulturen unter einem Dach vorkommen. Alles ist so vielfältig. Bei jeder Führung stoße ich auf ein neues Zeitalter. Das macht das alles so interessant." Genau erinnern könne sie sich nicht mehr an ihre allererste Führung. „Aber ich war sicherlich nervös. Ich war ja selber nicht recht viel älter als die Kinder, die ich führen sollte." Diese Nervosität habe sich aber nie ganz gelegt.

„Allerdings ist es heute eine andere Art von Nervosität.“ Meistens seien die Kinder in ihren Gruppen schon sehr interessiert bei der Sache. Das mache vieles leichter. Sie setze auf Kommunikation. „Gut, man muss die Kinder schon animieren. Ich stelle halt Fragen und lasse sie mir von den Kindern beantworten." Dass sich ein Kind einmal ihr gegenüber vollkommen desinteressiert verhalten habe, sei in all den Jahren nicht vorgekommen. Im Gegenteil.

Halbe Stunde Führung

"Man fängt immer im Foyer an. Dort werden die Kinder begrüßt, dort bekommen sie ihre Namensschilder." Das Führungsteam arbeite in aller Regel zu zweit. "Eine Person schiebt den Wagen. Da ist alles drauf, was man braucht. Die andere führt die Gruppe zum Objekt." Meistens befänden sich die Objekte, die besprochen würden, nah beieinander. "Das dauert eine halbe Stunde. Dann gehen wir alle hinunter in die Werkstatt, wo die praktische Arbeit mit Künstlerin Irene Fritz beginnt." Nach 90 Minuten sei der Kindernachmittag beendet.

Man lerne viel über andere Kulturen, lerne sie wertzuschätzen. "Das ist eine spannende Arbeit", sagt die 17-Jährige. Präsentiere sie den Kindern neue Objekte, dann recherchiere sie im Vorfeld im Internet oder in Büchern. "Ich erfahre dann viel über die Lebensweisen dieser Menschen und auch darüber, wofür das Objekt einmal gut war oder wie sich diese Kulturen verhalten haben."

Vor Corona seien Kinder oft noch spontan zur Gruppe zugestoßen. Jetzt gehe es nur über Voranmeldung. Natürlich bekämen die "Kinder führen Kinder"-Kinder auch eine geringe Aufwandsentschädigung für ihre Arbeit. "Reich werde man aber nicht", sagt Vanessa. In der Regel sei man für zwei Führungen pro Semester eingeteilt.

Für ihre sieben Jahre Engagement wurde Vanessa Rödl nun mit dem vom Bundesverband Kultureller Jugendbildung entwickelten "Kompetenznachweis Kultur" ausgezeichnet. Das könne sie auch bei künftigen Bewerbungen und für ihren weiteren Ausbildungsweg einsetzen. Der Nachweis wurde von Irene Fritz, Leiterin Jugendkunstschule Kulturwerkstatt Kamreuth, Kunstbau Weiden, und Museumsleiterin Stefanie Dietz überreicht. "Der Kompetenznachweis belegt die Stärken von Jugendlichen, die sich in der künstlerischen und kulturellen Bildungsarbeit engagieren und dabei Schlüsselqualifikationen erworben haben", erklärte Fritz. Die Auszeichnung werde gefördert durch die Sparkasse Nordoberpfalz.

Für Vanessa ist es ein schöner Abschluss ihrer jahrelangen Tätigkeit im Dienste der Kultur. "Ich werde mein Amt nun niederlegen", sagt sie. Sie beginnt ein Jura-Studium.

Ein Besuch im Waldnaab-Museum

Windischeschenbach
Info:

Projekt "Kinder führen Kinder" im Museum

  • Gibt es seit dem Jahr 2000.
  • Kinder zeigen im Internationalen Keramik-Museum Weiden jungen Museumsbesuchern die Kulturgegenstände vergangener Jahrtausende.
  • Hintergrund: Kinder haben andere Fragen und finden andere Antworten.
  • Jede Führung endet mit einer praktischen Tätigkeit in der Museumswerkstatt.
  • Die Kindermuseumsführer müssen mindestens 10 Jahre alt sein.
  • Kontakt: Irene Fritz, Kulturwerkstatt Kalmreuth

 

 

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