22.12.2020 - 17:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In Seniorenheimen: Kleine Freuden gegen totale Isolation

Weihnachtsfeiern finden nicht statt. Auch in besonders sensiblen Einrichtungen wie Heimen, im HPZ Irchenrieth oder im Krankenhaus Weiden wird darauf verzichtet. Doch ein wenig Weihnachtsglück darf trotzdem sein.

Nur in ganz kleinen Gruppen dürfen sich - wenn es die aktuelle Coronalage zulässt - Senioren bei Plätzchen und Glühwein in Seniorenheimen treffen. Die Weihnachtsfeiern für Mitarbeiter in sensiblen Einrichtungen fallen hingegen reihenweise aus.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Regelmäßig war es der Höhepunkt im Jahresablauf, wenn die Kinder und Jugendlichen des Heilpädagogischen Zentrums Irchenrieth (HPZ) ihre Weihnachtsfeier in der Max-Reger-Halle in Weiden abhielten. Zuletzt im Dezember 2019, stimmten sich über 600 Besucher und Angehörige gemeinsam mit den Kindern auf Weihnachten ein. In diesem Jahr bleibt es still, die große Feier ist abgesagt. "Das ist für unsere Kinder natürlich sehr schade. Sie hatten sich schon darauf gefreut", sagt Brigitte Krause, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des HPZ. In der Corona-Pandemie jedoch die einzig richtige Entscheidung, wie sie auf Nachfrage mitteilt.

Gruppen bleiben unter sich

Stattdessen habe es kleine Feiern in den jeweiligen Klassen der Förderschule gegeben. Denn ein wenig weihnachtliche Stimmung muss sein. Auch im Wohnheim mit seinen insgesamt rund 225 Bewohnern sitzen sie am Heiligen Abend nur in den bestehenden Gruppen zusammen. Allerdings ohne Angehörige. "Wir müssen den Personenkreis stark begrenzen. Es gilt nach wie vor ein Besuchsverbot, um Bewohner und Personal zu schützen." Auch gebe es keinen Gottesdienst. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen immer wieder erklären müssen, warum in diesem Jahr alles anders ist. "Aber die meisten unserer Bewohner verstehen es." Krause zollt den Betreuern großes Lob. "Sie brauchen in der Pandemie ein starkes Nervengerüst und es ist schön, wenn sie dann auch noch die Kraft aufbringen, die Häuser weihnachtlich zu dekorieren, damit sich die Heimbewohner wohlfühlen. Auf ihre eigene Weihnachtsfeier müssen sie verzichten". "

Von Geschäftsführung und Aufsichtsrat gibt es unterdessen eine süße Aufmerksamkeit aus dem HPZ-Café Flossenbürg für alle Bewohner und Werkstattmitarbeiter. "Und Mitarbeiter, die am 24. Dezember ran müssen, erwartet ein Gutscheingeschenk", sagt Krause. Das Mindeste, was man tun könne, um ein wenig für Weihnachtsstimmung zu sorgen. Und nachdenklich fügt sie hinzu: "In Coronazeiten wird einem bewusst, was man sonst alles hat."

Totale Isolation vermeiden

Die Anweisungen aus dem bayerischen Gesundheitsministerium sind klar: Treffen nur in den Wohngruppen mit begrenzter Personenzahl und einem vorliegenden Hygienekonzept. "Das haben wir für unsere Seniorenheime", sagt Geschäftsführer Sandro Galitzdörfer vom BRK-Kreisverband Weiden-Neustadt/WN auf Nachfrage. Maximal vier Zimmer dürften zusammenkommen. Alles sei besser als die totale Isolation, die keiner wolle. Er wisse, wovon er spricht, gibt es doch im BRK-Seniorenheim Weiden im Moment mehrere Corona-Infizierte unter den Bewohnern und den Mitarbeitern. Doch man dürfe nicht vergessen, dass Weihnachten ist. Und von der besonderen Zeit sollte jeder Senior – gerade wenn er sich in Quarantäne befindet – etwas mitbekommen.

Den BRK-Chef freut es auch, dass sich die Rotkreuzjugend mit einer Aktion einbringt. "Unsere Jugendlichen haben kleine Tannenbäume als Geschenk für die Senioren gebastelt und werden diese verteilen."

Gerne hätte das BRK auch für die Mitarbeiter in den Häusern Weihnachtsfeiern organisiert. Doch sie fallen aus. Doch darf sich jeder auf eine Flasche Wein und einen individuellen Gutschein freuen. "Das Mindeste, was wir tun können, um Danke zu sagen", sagt Galitzdörfer.

Täglicher Corona-Kampf in den Seniorenheimen: Heimleiter berichten

Neustadt an der Waldnaab

Gottesdienste ein Lichtblick

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus hofft Stefanie Schricker vom Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Martin in Neustadt/WN, dass die Weihnachtstage wie geplant stattfinden können und Corona keinen Strich durch die Rechnung macht. Für die Bewohner werde alles getan, damit sie sich sicher und gut behütet fühlen, ohne dass soziale Kontakte unter den Einschränkungen zu sehr leiden. "Was die Bewohner unglaublich freut, ist, dass wir an den Weihnachtstagen Gottesdienste beider Konfessionen in unserer Hauskapelle in entsprechend kleinen und wohnbereichsbezogenen Gruppen feiern können", sagt Schricker.

Verwandtenbesuche würden streng terminiert, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. "Welche Nachwehen sich nach den Feiertagen in Bezug auf mögliche Neuinfektionen ergeben, bleibt abzuwarten."

Gerne hätten sich die Kliniken Nordoberpfalz AG mit Vorstand Dr. Thomas Egginger bei allen Mitarbeitern persönlich und im direkten Gespräch bedankt. "Nachdem in diesem Jahr keine Weihnachtsfeiern in den Abteilungen möglich sind, waren zumindest persönliche Besuche vor Ort in den Häusern vorgesehen", teilt Klinikum-Sprecher Michael Reindl auf Anfrage mit. Aber in der aktuellen Corona-Katastrophenlage sei dies nicht möglich, was von der Leitung sehr bedauert werde. Zumindest für die Mitarbeiter, die am 24. Dezember im Dienst sind, soll es eine kleine Überraschung geben.

Bundeswehr hilft in Kliniken Nordoberpfalz aus

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.