05.05.2020 - 12:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Seniorenbeauftragter der Stadt Weiden geht mit 79 Jahren in "Ruhestand"

Zwölf Jahre lang war Alfons Heidingsfelder als Seniorenbeauftragter für die Stadt Weiden tätig. Zum 1. Mai legte er das Amt nieder. Doch trotz vieler Erfolge, bleiben noch einige Wünsche offen.

Langweilig wird Alfons Heidingsfelder nicht. Auch wenn er das Ehrenamt des Seniorenbeauftragten jetzt niedergelegt hat, weiß er seine Freizeit gut auszufüllen. Zum Beispiel, indem er für die Besiedelung des Insektenhotels des Fischervereins Weiden sorgt und einen Steingarten dazu anlegt.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Im Interview mit Oberpfalz-Medien verrät der Diplom-Sozialpädagoge, der im März seinen 79. Geburtstag feierte, was ihm stets besonders am Herzen lag und welche Ziele seiner Ansicht nach noch realisiert werden sollten.

ONETZ: Herr Heidingsfelder, Sie waren als Sozialpädagoge 18 Jahre lang im Jugendamt Weiden tätig, 18 Jahre lang leiteten Sie das Caritas-Seniorenheim in Neustadt/WN als Ruheständler waren Sie ehrenamtlich 12 Jahre lang als Seniorenbeauftragter der Stadt Weiden im Einsatz. Gibt es eine Tätigkeit, die Ihnen besonders gefallen hat?

Alfons Heidingsfelder: Meine soziale Einstellung hat mich geprägt. Dabei habe ich mich für Jugend, Familien, Senioren und Vereine engagiert. Alles zu seiner Zeit. Zu den Highlights zählte aber auch mein Einsatz als ehrenamtlicher Vorsitzender des Stadtjugendrings von 1976 bis 1986.

ONETZ: Das war eine spannende Zeit ...

Heidingsfelder: Genau, weil wir das Jugendzentrum ins Leben gerufen haben. Dabei musste der Stadtjugendring viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Jugend wollte eine Selbstverwaltung wie im „KOMM“ in Nürnberg. Wir haben uns dann auf Mitverwaltung geeinigt. Der Stadtjugendring übernahm die Trägerschaft. Wir starteten 1981 mit zwei hauptamtlichen Kräften. Das war zu dieser Zeit außergewöhnlich.

ONETZ: Beruflich waren Sie lange Zeit im Jugendamt Weiden und dann als Leiter des Caritas-Seniorenheims in Neustadt/WN aktiv.

Heidingsfelder: Die wichtigsten und schönsten Aufgaben am Jugendamt waren für mich die ganzheitliche Betreuung von Familien und die Jugendgerichtshilfe. Im Seniorenheim ging es für mich vor allem darum, den Menschen die Angst zu nehmen, dass sie abgeschoben würden. Keiner muss ins Heim. Mein Steckenpferd war es, die Feste zu feiern wie sie fallen, um den Bewohnern so einen abwechslungsreichen Aufenthalt zu gewähren.

ONETZ: Sie sind mit 67 Jahren in den Ruhestand gegangen, haben sich aber nicht zur Ruhe gesetzt.

Heidingsfelder: Ich hatte schon vorher den Plan, mich weiter sozial zu betätigen. Durch einen Zeitungsartikel habe ich erfahren, dass die Stadt Weiden einen Seniorenbeauftragten sucht. Ich habe mich beworben, und im Juli 2008 wurde ich in das Amt bestellt.

ONETZ: Hatten Sie da schon konkrete Vorstellungen von dem Amt?

Heidingsfelder: Nein. Ich habe zwar versucht, mich im Internet zu informieren, aber festgestellt, jeder macht das anders. Der Weidener Seniorenbeauftragte sollte die Federführung bei der Erarbeitung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts übernehmen, das war klar. Daneben lagen mir die Sprechtage für Senioren am Herzen, die ich eingeführt habe. Denn der Seniorenbeauftragte hat eine wichtige Funktion als Ansprechpartner für Senioren und Angehörige. Meine guten Kontakte zu Altenheimen und Dienststellen kamen mir dabei zugute.

ONETZ: War es schwierig, Ihre Ziele umzusetzen?

Heidingsfelder: Nein. Das Verhältnis zu Oberbürgermeister Kurt Seggewiß - er war mein Ansprechpartner - erwies sich als Idealfall. Ein Telefonat oder ein kurzes Gespräch genügten, um Wünsche und Ideen an ihn heranzutragen. Dabei konnte ich stets frei arbeiten, ohne Einflussnahme von Verwaltung oder Politik. Das hat mit dazu beigetragen, dass ich 12 Jahre lang mit Freuden Seniorenbeauftragter von Weiden war.

ONETZ: Als Seniorenbeauftragter waren Sie vor allem im Maria-Seltmann-Haus aktiv.

Heidingsfelder: Das war ein weiterer Glücksfall für mich. Dieser Arbeitsplatz inmitten des Seniorenzentrums und Leiterin Susanne Meichner als gute Mentorin. Die Erfolgswelle dieses Hauses hat auch mich mit getragen.

ONETZ: Der Seniorennachmittag der Stadt wurde auf Ihre Anregung hin wieder eingeführt und Fahrten "Auf den Spuren des echten Zoigls", die Sie für das Programm des Maria-Seltmann-Hauses organisiert haben, zählten zu den "Rennern". Worauf sind Sie noch stolz, wenn Sie zurückblicken?

Heidingsfelder: Die wöchentlichen Sprechstunden waren für mich am befriedigsten, weil ich den Menschen da am meisten helfen konnte. Aber auch unabhängig davon führte ich häufig Telefonate mit Hilfesuchenden oder Angehörigen. Viele hatten Fragen rund um den Heimaufenthalt oder benötigten Hilfestellung bei Anträgen. Manche Senioren wollten auch einfach nur mal mit jemanden reden, vor allem wenn es familiäre Probleme gab. Einmal war ich sogar als Heiratsvermittler tätig.

ONETZ: Wie das?

Heidingsfelder: Dazu gebe ich keine näheren Auskünfte.

ONETZ: Schade. Dann verraten Sie uns wenigstens, wie Sie im Maria-Seltmann-Haus noch mitgewirkt haben.

Heidingsfelder: Ich habe Zoiglfahrten mit Kulturprogramm organisiert. Durchgeführt habe ich die dreitägige Aktion "Zuhause daheim" und die Vortragsreihe "Alt werden und dann?", die ein voller Erfolg wurde.

ONETZ: Dann gab es da noch die Gesprächsrunden mit Leiterinnen und Leitern der Weidener Seniorenclubs.

Heidingsfelder: Die erwiesen sich als echte Win-Win-Situation. Das war praktisch der verlängerte Arm zu den Wünschen der Bürger. Da ging es um Bushaltestellen, das Verkehrskonzept und vieles mehr. Außerdem habe ich Besichtigungsfahrten unter dem Motto "Mit dem Oberbürgermeister on Tour" durchgeführt.

ONETZ: Die Seniorennachmittage der Stadt Weiden wurden auf Ihre Initiative hin wieder eingeführt, außerdem die Vergabe des Seniorenehrenpreises.

Heidingsfelder: Das war für mich ein weiteres Highlight. Aber auch die Dankeschön-Nachmittage des Oberbürgermeisters am Schießlweiher für die Leiterinnen der Seniorenclubs sind hervorragend angekommen.

ONETZ: Gibt es noch unerfüllte Wünsche?

Heidingsfelder: Das Freizeit- und Bildungsangebot für Senioren ist in Weiden weitgehend durch das Maria-Seltmann-Haus abgedeckt. Was ich mir noch wünschen würde, wären Stadtteilkümmerer als Ansprechpartner für die Senioren und öffentliche Seniorentreffs in den einzelnen Stadtteilen. Da hieß es oft, es fehlen Räumlichkeiten. Und ich wünsche mir den Erhalt des Cafés im Maria-Seltmann-Haus, wenn die jetzige Pächterin im August aufhört. Denn das Café hat eine wichtige Funktion als Kommunikationszentrale. Ein weiterer Wunsch wäre die Fortführung der Diskussion zur Schaffung eines Pflegestützpunktes.

ONETZ: Wie steht es um den Seniorenbeirat, der sich künftig um die Belange der älteren Menschen in Weiden kümmern soll?

Heidingsfelder: Die Arbeitsgruppe für das seniorenpolitische Gesamtkonzept hat unter Federführung der Verwaltung auch eine Satzung für den Seniorenbeirat erarbeitet. Jetzt ist es dem neuen Stadtrat vorbehalten, die Satzung in Vollzug zu setzen. Und es müssen sich natürlich Personen finden, die sich aktiv im Beirat einbringen. Denkbar wären hier zum Beispiel Leute, die bereits in der Arbeitgruppe aktiv waren, also Vertreter von Wohlfahrtverbänden, aus der Altenarbeit und der Politik.

ONETZ: Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Tätigkeit und auf das Maria-Seltmann-Haus ausgewirkt?

Heidingsfelder: Die Besucher des Seniorenzentrums zählen zur Risikogruppe. Das Haus selbst ist zunächst bis 31. Mai geschlossen. Wie es weitergeht, kann ich nicht sagen. Da ich selbst zur Risikogruppe zähle, bin ich vom Informationsfluss abgeschnitten. Ich weiß, dass sich viele Altenclubleiterinnen für ihre Mitglieder möglichst bald wieder Kontakt nach außen wünschen. Aber sie wissen auch, dass das derzeit nicht geht und sind deshalb geduldig.

ONETZ: Sie sind jetzt 79 Jahre, wenn Sie das Ehrenamt abgeben. Wofür bleibt Ihnen da endlich mehr Zeit?

Heidingsfelder: Mit fast 80 Jahren ist es mal genug. Aber das Amt als Seniorenbeauftragter hat mir immer Freude bereitet, ich habe mich gern engagiert. Zeit für meine Freizeitbeschäftigungen hatte ich in den letzten Jahren trotzdem ausreichend. Entspannung finde ich beim Angeln. In den vergangenen Wochen habe ich außerdem ein von einem Schreinermeister des Fischereivereins gebautes Insektenhotel mit Leben erfüllt und einen Steingarten angelegt. Aktuell vermeide ich unnötige Kontakte. Aber ich bin ein geselliger Mensch, und deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass ich mich künftig noch irgendwo engagiere. (Schmunzelnd fügt er hinzu:) Ich muss doch meine Gehirnzellen beschäftigen.

Entspannung findet Alfons Heidingsfelder beim Angeln.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.