21.04.2021 - 15:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Aus des Schülercafés Scout in Weiden: Konzept des neuen Jugendtreffs Innenstadt steht

Den Stab über das Schülercafé Scout bricht der Weidener Stadtrat nichtöffentlich im November. In öffentlicher Sitzung beschließen die Stadträte nun an gleicher Stelle den neuen Jugendtreff Innenstadt, der aber keine Scout-Kopie sein wird.

Keine Zeit, um sich auf Lorbeeren auszuruhen. Auf das Schülercafé Scout, das im Sommer offiziell nach 13 Jahren schließt, wird im ehemaligen Café Schaller der Jugendtreff Innenstadt unter der Regie des Stadtjugendrings eröffnen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

SPD-Fraktion, Stadtjugendring und Jugendzentrum bringen den Jugendtreff Innenstadt ins Spiel. Auch die große Mehrheit im Stadtrat zieht mit, ist vom neuen Konzept begeistert, das "weit weg von jeglicher Kinderbespaßung" ist, wie Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier betont. Nur drei Stimmen aus der CSU fehlen schließlich, weil man sich, wie etwa Wolfgang Pausch, um die Finanzierung sorgt. Schließlich sind jährlich Kosten von 148.000 Euro zu erwarten (Scout 110.000 Euro).

Zugleich ist der Stadtjugendring als Betreiber zum Erfolg verurteilt. Sicher ist der Jugendtreff bisher nur so lange der Mietvertrag für das ehemalige Café Schaller auf der Allee gilt, also für die nächsten zweieinhalb Jahre. "Dann müssen wir abrechen, eventuell einen Schlussstrich ziehen", deutet Hohlmeier an. Ähnlich äußert sich auch Stadtjugendring-Vorsitzender Florian Vogel: "Wenn die Jugendlichen nicht kommen, müssen wir es wieder einstampfen", bekennt er, als er am Montag das Konzept als "Vernetzung mit allen Spielern in der Jugendarbeit" im Stadtrat vorstellt. Vogel ist aber zuversichtlich, dass das Angebot ab 2023/24 sogar weiter ausgebaut werden kann. "Wir werden das Scout nicht kopieren. Die Jugendlichen sollen gerne kommen."

Sozialarbeit im Mittelpunkt

Ohne Schülercafé Scout, das im Sommer schließt, habe Weiden in der Innenstadt kein Angebot für Jugendliche, erklärt Sozialdezernent Hohlmeier. Gerade hier seien aber bedingt durch sieben Schulen besonders viele Jugendliche unterwegs, die auch die fünf "informellen Jugendtreffs" (darunter ZOB, Woodstock-Hügel) ansteuerten. Rosenheim, etwas größer als Weiden, habe sogar drei Jugendtreffs.

Es gehe im Konzept aber keineswegs nur um Freizeitbetreuung, sondern vor allem um ein Angebot in der niederschwelligen Sozialarbeit. "Hier muss was gemacht werden." Dies reiche von der Hausaufgabenbetreuung (Tutoren), über Unterstützung der Berufsberatung, ausbildungsbegleitende Hilfen bis hin zur intensiven Einbindung der Jugendsozialarbeit der Schulen.

5000 Jugendliche in Weiden

Als perfekte Kombination aus allem, was nötig sei, wertet SPD-Stadtrat und Jugendzentrum-Mitarbeiter Florian Graf das Konzept. "Alle Jugendlichen haben irgendwann Probleme, nicht nur sozialschwache. Es ist gut, wenn wir etwas haben, um sie aufzufangen." In Weiden gebe es 5000 Jugendliche. "Ein zweiter Treff neben dem Jugendzentrum ist absolut nötig."

Dankbar, dass bei den Stadträten "der Groschen gefallen ist", zeigt sich Linken-Stadtrat Ali Zant, der vom nachhaltigen Konzept begeistert ist und die nötigen zwei Personalstellen fordert. Der Weg zum neuen Jugendtreff sei nicht einfach, erklärt CSU-Sprecher Benjamin Zeitler, dessen Fraktion maßgeblich am Aus des Schülercafés beteiligt war. Er fordert ebenfalls zwei Betreuerstellen, verweist auf die finanziellen Konsequenzen und hofft darauf, einen der von Ministerpräsidenten Markus Söder angekündigten 200 Streetworker nach Weiden holen zu können.

Scout-Konzept lückenhaft

Kritisch äußert sich auch Rainer Sindersberger (Freie Wähler). 30 Jahre lang sei in Weiden versucht werden, einen Jugendtreff zu etablieren. Das Konzept des Schülercafés Scout sei nicht nur lückenhaft gewesen. "Es wurde einfach nicht umgesetzt." Sindersberger fordert, dass die Schulsozialpädagogen verbindlich in den Jugendtreff integriert werden. Nicht im bisherigen Scout, sondern im gegenüber liegenden, barrierefreien Gebäude der Volkshochschule möchte Helmut Schöner (Ausschussgemeinschaft DÖW) den neuen Jugendtreff ansiedeln. Damit ließen sich 13.000 Euro Miete pro Jahr sparen, und zugleich werde der Nachwuchs an die VHS und deren Angebot herangeführt.

Ein barrierefreies Domizil forderte auch seine AG-Kollegin Gisela Helgath. Schöner bezeichnet das überraschend im November beschlossene Aus für das Schülercafé als "link". Laura Weber (Bunt.Grün.Weiden) spricht von Missverständnissen, die diese Entscheidung des Stadtrats ausgelöst habe. Sie plädiert für die Anstellung von zwei Betreuern.

3500 Euro aus dem Landkreis

Positiv überrascht ist Manfred Schiller (AfD). "Wir haben ein Scout 2.0 erwartet. Jetzt legt der Stadtjugendring ein überraschend schlüssiges Konzept vor." Auch für zwei weitere Kollegen aus seiner Fraktion macht Wolfgang Pausch (CSU) Vorbehalte geltend - "nicht gegen das Konzept, sondern wegen der Kosten". Die Stadt schlittere mit ihren freiwilligen Leistung bereits in einen zweistelligen Millionenbetrag und laufe damit Gefahr, die großen anstehenden Aufgaben wie die Schulsanierungen nicht mehr finanzieren zu können.

Auf einen guten Weg sieht hingegen Oberbürgermeister Jens Meyer den Jugendtreff Innenstadt: Vom Konzept begeistert habe sogar Landrat Andreas Meier 3500 Euro zur Verfügung gestellt.

So kam es zum Aus fürs Schülercafé Scout

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Das Konzept des Jugendtreffs Innenstadt, der für Jugendliche über 14 Jahre geplant ist:

  • Jugendbüro (Anlaufstelle bei Problemen)
  • Offener Betrieb (15 bis 20 Uhr, mit den Schulen abgesprochen)
  • Special Events (am Wochenende, Fan Fiction, Rollenspiele usw.)
  • Pop-up-Events (u. a. Poetry-Slam, Flohmärkte)
  • Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur.
  • Hilfe bei der Anfertigung von Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz.
  • Die jungen Besucher sollen Verantwortung übernehmen, indem sie Veranstaltungen mit vorbereiten, den Treff generell mitgestalten und sich in verschiedenen Diensten wie als Thekenkraft üben.
  • Intensive Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur und der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS)

 

 

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