04.05.2021 - 19:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schmerzen und Geldsorgen: Tumor stellt Leben von Karina Dietz auf den Kopf

Seit Jahren macht Karina Dietz ein Tumor in der Schulter zu schaffen. Die 39-jährige Weidenerin blickt auf unzählige Krankenhausaufenthalte zurück. Doch die Odyssee ist noch nicht zu Ende.

Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Karina Dietz aus Weiden mit ihrem Freund Tony, der aber in England lebt, und den sie schon lange nicht mehr gesehen hat.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Seit 2015 lebt Karina Dietz in Weiden. Die 39-Jährige kam eher durch Zufall in die Oberpfalz. "Ich habe damals eine Weiterbildung bei den Eckert-Schulen in Schwandorf gemacht", erzählt sie. Ihre Dozentin habe sie daraufhin an ein Weidener Unternehmen weitervermittelt. Und so schlug die Frau, die ursprünglich aus dem Raum Paderborn stammt, ihre Zelte in der Max-Reger-Stadt auf. Doch eine schwere Krankheit machte alle Pläne um den beruflichen Neuanfang ganz schnell wieder zunichte.

Mit starken Schmerzen in der Schulter ging's los. Karina Dietz dachte zunächst an Verspannungen, der Arzt ordnete Physiotherapie an. Dann hieß es eine Kalkschulter sei die Ursache. "Ich habe gedacht, ich dreh langsam am Rad", blickt die Weidenerin zurück. Erst 2018 wurde bei einer umfassenden Untersuchung "etwas festgestellt, dass da nicht hingehört". Es sei kein Knochenkrebs, sondern "irgendetwas harmloseres, dass man nicht behandeln kann." Eine Diagnose, die Karina Dietz verzweifelt zurückließ.

Beulen am Oberarm

2019 wurde der Arm immer dicker und bei der heute 39-Jährigen stand erneut ein MRT an. Als sich auf Karinas Oberarm Beulen bilden, folgen weitere Untersuchungen. Das Resultat: In einer Operation solle zwei gutartige Tumore entfernt werden. Beruflich konnte die 39-Jährige nicht das leisten, was sie gerne tun würde. Den Job bei Witt musste sic aufgeben und arbeitete zwischenzeitlich in einem Supermarkt. Doch auch das ist seit Sommer 2020 nicht mehr möglich. "Ich durfte da nicht nur an der Kasse sitzen, sondern sollte auch Regale einräumen", sagt Karina Dietz. "Doch das konnte ich mit meinem Arm nicht."

So richtig Anschluss gefunden hat die 39-Jährige nicht, obwohl ihr Weiden gefällt. Vor allem von der Altstadt ist sie begeistert. "Ich zeichne gern", erzählt sie. "Dazu habe ich mich immer in die Beanery gesetzt. Doch das geht ja momentan auch nicht", bedauert Karina. "Das fehlt mir sehr." Ihren Lebensgefährten Tony, der in England lebt, hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Auch ohne Corona würden ihr in die finanziellen Mittel für eine Reise fehlen.

Höllische Schmerzen

Nach der OP, die eigentlich Linderung bringen sollte, gingen die höllischen Schmerzen weiter. Erneut standen langwierigen Untersuchungen an, die ihr psychisch und physisch arg zusetzten. Die Ärzte rieten ihr zu Bestrahlungen, die sie zunächst am Uniklinikum in Regensburg erhalten sollte. "Doch dazu hätte ich sechs Wochen lang in einem Wohnheim vor Ort bleiben sollen", berichtet Karina Dietz.

Pro Tag hätte die Unterbringung 35 Euro gekostet. "Das konnte ich mir nicht leisten." Stattdessen entschließt sie sich zu Behandlungen am Klinikum in Weiden. "Das zeigte sich im Nachhinein als die bessere Lösung", erzählt sie. Karina Dietz, die in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus wohnt, konnte zu Fuß zu den Bestrahlungen gehen.

Zu wenig erforscht

Durch die 33 Bestrahlungsbehandlungen spielten die Schilddrüsenwerte komplett verrückt, und ihr Körper hat große Mengen an Wasser eingelagert. "Das ganze hat mich psychisch sehr mitgenommen", erzählt die 39-Jährige. Zumal die Tumore, die sogenannten Sarkome, in der Schulter durch die Bestrahlung nicht kleiner geworden sind. Möglicherweise handelt es sich um ein extrem selten auftretendes Fibrosarkom, der nicht ausreichend erforscht ist und zu dem es nur sehr wenige Studien gibt.

Die Einschränkungen sind für die eigentlich so lebensfrohe Frau sehr belastend, ihren linken Arm kann sie kaum mehr verwenden, selbst das Anziehen einer Jacke ist kaum mehr möglich. "An manchen Tagen kann ich mir nicht einmal die Haare kämmen", klagt sie. Die Einkäufe übernimmt aktuell ein ambulanter Pflegedienst. "Mittlerweile habe ich ein Schwerbehindertenausweis", berichtet Karina.

Zweite Meinung in Heidelberg

In der Uniklinik Regensburg wurde ihr empfohlen, eine weitere Chemo in Tablettenform zu machen. Ärzte der Uniklinikum München rieten davon aber, da der Tumor nicht streue. Weitere Möglichkeiten wären die Schulter zu versteifen oder ein künstliches Schultergelenk einzusetzen. Doch auch diese Varianten sind nicht ganz ohne Komplikationen. "Ich möchte mir eine weitere Meinung einholen", sagt Karina. Deshalb hat sie im Mai einen Termin an der Uniklinik Heidelberg. Dort soll unter anderem geklärt werden, welches Sarkom ihr Probleme bereitet. Zurzeit gehen die Ärzte von einem Spindelzellsarkom mit unbekanntem Gewebe mit Verdacht auf Myxo-Fibrosarkom aus.

Zu den Schmerzen kommen die finanziellen Sorgen. Die Zugfahrt nach Heidelberg finanziert ihr ein Mann, den sie über die Tafel Weiden kennengelernt hat. Die Familienkrebshilfe Sonnenherz, ein Verein aus Oberbayern, hat ebenfalls Unterstützung zugesagt. Eine Umschulung wäre ihr größter Wunsch, doch wegen Corona ist dies derzeit nicht möglich. Aktuell ist es für sie sehr schwierig, für ihren einfachen Lebensunterhalt aufzukommen und dann noch die Fahrtkosten zu den verschiedensten medizinischen Behandlungen zu tragen.

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Weiden in der Oberpfalz

Was ist ein Fibrosarkom?

  • Ein Fibrosarkom ist ein bösartiger Tumor, der aus Bindegewebszellen entsteht
  • Diese Wucherung bildet sich meist an den Beinen, in seltenen Fällen auch den Armen oder dem Rücken
  • Der Tumor kann bei Menschen jeder Altersgruppe auftreten, ist aber sehr selten
Immer wieder musste Karina Dietz in den vergangenen Jahren ins Krankenhaus.

 

 

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